Foto: Österreichische Post / Christian Stemper
Die Österreichische Post hat im ersten Halbjahr 2026 ihren Wachstumskurs im Paket- und E-Commerce-Geschäft fortgesetzt. Der Konzernumsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,8 Prozent auf 1,544 Milliarden Euro. Getragen wurde das Plus vor allem von der Division E-Commerce & Logistics, deren Umsatz um 11,5 Prozent auf 910,9 Millionen Euro zulegte.
Damit entfallen mittlerweile knapp 59 Prozent des Konzernumsatzes auf dieses Geschäftsfeld. Die Entwicklung unterstreicht den strukturellen Wandel des Postkonzerns: Während das klassische Briefgeschäft weiter schrumpft, gewinnen Paketlogistik, Fulfillment und grenzüberschreitende E-Commerce-Dienstleistungen an Gewicht.
Paketmengen in Österreich steigen um neun Prozent
Im österreichischen Paketgeschäft verzeichnete die Post im ersten Halbjahr ein Mengenwachstum von neun Prozent und entwickelte sich damit nach eigenen Angaben deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Rückenwind liefert weiterhin der Online-Handel, allerdings bleibt der Wettbewerb im Paketgeschäft hoch.
Zusätzliche Wachstumsimpulse kamen aus dem Fulfillment. Seit März 2026 wird der E-Commerce-Dienstleister euShipments.com vollkonsolidiert. Das Unternehmen erweitert das Angebot der Post entlang der E-Commerce-Wertschöpfungskette: Neben der Lagerung und Auftragsabwicklung gehören grenzüberschreitende Transporte und die Zustellung auf der letzten Meile zum Leistungsumfang.
Generaldirektor Walter Oblin sieht die Entwicklung als Teil des laufenden Konzernumbaus. „Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds konnten wir unseren Umsatz steigern. Gleichzeitig treiben wir die strategische Transformation unseres Konzerns konsequent voran – mit Investitionen in neue Geschäftsfelder, internationaler Expansion und den Ausbau unserer Infrastruktur.“
Post baut internationales Paketnetz aus
Parallel zum organischen Wachstum setzt die Österreichische Post auf Akquisitionen. Ende Juli unterzeichnete der Konzern die Übernahme des serbischen Paketdienstleisters D Express. Damit erweitert die Post ihr Paketnetz in Südost- und Osteuropa.
Die Transaktion folgt auf den Einstieg bei euShipments.com in Bulgarien und zeigt, wohin sich die internationale Strategie entwickelt: Die Post will nicht mehr nur Transport und Zustellung anbieten, sondern einen größeren Teil der E-Commerce-Logistikkette abdecken. Fulfillment, Lagerlogistik, grenzüberschreitender Transport und letzte Meile sollen stärker miteinander verzahnt werden.
Gerade das Fulfillment soll im zweiten Halbjahr zusätzliche Ergebnisimpulse liefern. Gleichzeitig erwartet das Unternehmen allerdings Gegenwind im grenzüberschreitenden Online-Handel. Neue Zölle und Gebühren könnten die Entwicklung internationaler E-Commerce-Sendungen bremsen.
Für das Paketgeschäft insgesamt bleibt die Prognose dennoch positiv. Für das Gesamtjahr erwartet die Post ein Mengenwachstum im oberen einstelligen Prozentbereich.
Wachstum schlägt sich noch nicht im Ergebnis nieder
Das kräftige Wachstum der Logistiksparte konnte die Belastungen in anderen Konzernbereichen im ersten Halbjahr nicht vollständig ausgleichen. Das EBITDA sank um 5,9 Prozent auf 187,7 Millionen Euro, das EBIT ging um 22 Prozent auf 73,3 Millionen Euro zurück.
Eine wesentliche Belastung bleibt der beschleunigte Strukturwandel im Briefgeschäft. Die Division Brief, Filiale & Services verbuchte einen Umsatzrückgang von 7,4 Prozent auf 566,1 Millionen Euro. Hinzu kamen Kosten der Neuausrichtung im Telekomgeschäft sowie hoher Wettbewerbsdruck auf internationalen Märkten. Im türkischen E-Commerce-Geschäft wirkten sich zudem regulatorische Maßnahmen auf Sendungsmengen asiatischer Versender aus.
Die gegenläufige Entwicklung von Brief und Paket wird damit immer deutlicher: Während physische Briefmengen strukturell zurückgehen, wächst die Bedeutung der Logistikaktivitäten für Umsatz und strategische Ausrichtung des Konzerns.
Investitionen fließen in Logistik und Paketautomaten
Diesen Schwerpunkt bildet auch das Investitionsprogramm ab. Für 2026 plant die Österreichische Post weiterhin Investitionen von 140 bis 160 Millionen Euro. Ein Teil davon fließt in die Modernisierung und Erweiterung von Logistikstandorten sowie in den Ausbau des Paketautomatennetzes in Südost- und Osteuropa. Parallel wird die Elektrifizierung der Zustellflotte fortgesetzt.
Auch im österreichischen Netz gewinnen Selbstbedienungslösungen an Bedeutung. Im ersten Halbjahr eröffnete die Post ihre 3.000. Poststelle, bis Jahresende sollen es mehr als 3.100 Standorte sein. Die stärkere Nutzung von Poststationen ist dabei nicht nur Teil der Filialstrategie, sondern auch für die Paketlogistik relevant: Out-of-Home-Zustellung und automatisierte Abholung werden angesichts wachsender Paketmengen zunehmend zu einem wichtigen Baustein der letzten Meile.
E-Commerce soll zweites Halbjahr stützen
Für das Gesamtjahr 2026 hält die Österreichische Post an ihrem Ausblick fest. Der Konzern erwartet einen leichten Umsatzanstieg und will beim operativen Ergebnis die Bandbreite der vergangenen Jahre erreichen.
Im zweiten Halbjahr sollen insbesondere Produkt- und Preisanpassungen sowie das wachsende E-Commerce-Fulfillment positive Impulse bringen. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung schwer kalkulierbar: Neben dem intensiven Wettbewerb im Paketmarkt können vor allem Zölle und zusätzliche Gebühren den grenzüberschreitenden Online-Handel belasten.
Für die weitere Entwicklung des Konzerns dürfte damit entscheidend sein, ob die Post das derzeit hohe Wachstum im Paketgeschäft in steigende Profitabilität übersetzen kann. Die Richtung der Transformation ist jedenfalls klar: E-Commerce, Fulfillment und internationale Paketlogistik übernehmen zunehmend die Rolle, die das rückläufige Briefgeschäft über Jahrzehnte für den Konzern gespielt hat.
