Von links nach rechts: Victor van der Chijs (Deltalinqs), Maaike Dalhuisen (Port of Rotterdam Authority), Arne Weverling (Provinz Südholland), Vincent Karremans (Minister für Wirtschaft), Robert Simons (Hafenbeauftragter der Gemeinde Rotterdam), Boudewijn Siemons (CEO Port of Rotterdam Authority). (Foto: Port of Rotterdam Authority)
Am Montagnachmittag wurde die Hafenperspektive 2050 im Port Pavilion in Rotterdam offiziell vorgestellt. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung nahmen an der Präsentation teil. Der scheidende Wirtschaftsminister Vincent Karremans unterstrich die Bedeutung der langfristigen Weichenstellung für den größten Hafen Europas und sagte: „Wenn die Niederlande und Europa auch in Zukunft wirtschaftlich stark und widerstandsfähig bleiben wollen, müssen wir jetzt Entscheidungen für den Rotterdamer Hafen treffen. Stillstand ist keine Option. Nur mit einer ambitionierten Vision, in der Wachstum und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen, können wir unsere Industrie und Wirtschaft zukunftssicher machen.“
Im Zentrum der Hafenperspektive steht das Ziel, den Rotterdamer Hafen bis 2050 zum wettbewerbsfähigsten, nachhaltigsten und widerstandsfähigsten Hafen Europas zu entwickeln. Der Hafen soll dabei sicher, innovativ und von zentraler Bedeutung für Wirtschaft und strategische Autonomie bleiben und zugleich in eine gesunde Lebensumgebung integriert sein. Um diese ambitionierte Zukunftsvision umzusetzen, sind in den kommenden Jahren eine enge öffentlich-private Zusammenarbeit sowie ein attraktives Investitionsklima entscheidend.
Gemeinsame Vision für den Hafen der Zukunft
Initiiert wurde die Hafenperspektive 2050 von der Stadtverwaltung Rotterdam und der Port of Rotterdam Authority. In die Ausarbeitung eingebunden waren zudem die Provinz Südholland, die niederländische Regierung und der Wirtschaftsverband Deltalinqs. Bei der offiziellen Vorstellung waren alle beteiligten Institutionen vertreten, darunter Minister Vincent Karremans für die niederländische Regierung, Beigeordneter Robert Simons für die Stadt Rotterdam, Abgeordneter Arne Weverling für die Provinz Südholland, Deltalinqs-Vorsitzender Victor van der Chijs für die Unternehmen im Hafengebiet sowie Boudewijn Siemons als CEO der Port of Rotterdam Authority. Darüber hinaus flossen die Beiträge von mehr als hundert Unternehmen, Behörden, Wissensinstitutionen und Interessenverbänden in die Hafenperspektive ein. Auch Anwohnerinnen, Anwohner und Jugendliche aus der Region brachten ihre Erwartungen an die Zukunft des Hafens ein. Der Gemeinderat der Stadt Rotterdam hat die Hafenperspektive 2050 bereits am 18. Dezember 2025 verabschiedet.
In seiner Präsentation machte Boudewijn Siemons deutlich, dass es sich bei der Hafenperspektive nicht um einen grundlegenden Neuanfang handelt. „Die Unternehmen im und um den Rotterdamer Hafen zeichnen sich seit jeher durch ihren Fokus auf Innovation und Fortschritt aus, um einen nachhaltigen und zukunftssicheren Hafen zu schaffen. Aus der Hafenperspektive geht jedoch hervor, dass wir darüber hinaus gemeinsam neue Prioritäten setzen, um das Investitionsklima und die strategische Autonomie zu verbessern und eine Lösung für den drohenden Platzmangel zu finden, beispielsweise durch eine mögliche Erweiterung des Hafens in Richtung Meer.“
Klimaneutralität, Resilienz und strategische Autonomie
Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Strategie ist das Ziel, den Rotterdamer Hafen bis 2050 klimaneutral zu gestalten und einen bedeutenden Beitrag zur Kreislaufwirtschaft zu leisten. Aufgrund seiner starken Industriecluster und leistungsfähigen Hinterlandverbindungen wird der Hafen auch künftig eine Schlüsselrolle für die Liefer- und Energiesicherheit zahlreicher Güter spielen. Neue Verkehrskonzepte, der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz sowie kreislauforientierte Prozesse eröffnen dem Hafen dabei besondere Chancen, seine Wettbewerbsfähigkeit weiter zu steigern und gleichzeitig Emissionen zu reduzieren.
Ein vergleichsweise neues, aber zunehmend wichtiges Element der Hafenperspektive ist der Fokus auf Flexibilität und Widerstandsfähigkeit. Angesichts geopolitischer Entwicklungen und wachsender globaler Unsicherheiten soll die Streuung von Importen aus verschiedenen Herkunftsländern Abhängigkeiten reduzieren. Der Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere durch Offshore-Windenergie, sowie der Import nachhaltiger Energieträger tragen zur Energiesicherheit bei. Gleichzeitig gewinnen der Schutz digitaler Systeme vor Angriffen und die Fähigkeit, flexibel zwischen unterschiedlichen Verkehrsträgern zu wechseln, an Bedeutung, um Lieferketten auch bei Störungen stabil zu halten.
Investitionsklima als Schlüssel zur Umsetzung
Darüber hinaus adressiert die Hafenperspektive weitere zentrale Zukunftsfelder. Der Rotterdamer Hafen soll sich zu einem Vorreiter intelligenter und sauberer Logistik entwickeln, in dem Ladung, Verkehrsträger und Infrastruktur digital vernetzt sind und intelligente Systeme kontinuierlich optimale Transportwege bestimmen. Auch die Industrie im Hafen soll sich in den kommenden Jahrzehnten zu einem wettbewerbsfähigen, klimaneutralen und kreislauforientierten Knotenpunkt für nachhaltige Energien, zirkuläre Rohstoffe und strategische Materialien weiterentwickeln. Parallel dazu sollen Lebensqualität, Natur und Umwelt im Hafenumfeld deutlich verbessert werden, etwa durch den Einsatz sauberer Kraftstoffe, Landstromlösungen und zusätzliche Wohnangebote in der Region. Der Hafen bleibt zudem ein wichtiger Arbeitgeber, wird jedoch vielfältiger und durch neue Verkehrskonzepte besser erreichbar.
Damit diese Vision Realität werden kann, sind laut Hafenperspektive gezielte Maßnahmen erforderlich. Dazu zählen ein international wettbewerbsfähiges Investitionsklima mit vergleichbaren Energiekosten, der Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur sowie die nachhaltige Stärkung des Arbeitsmarktes. Gleichzeitig wird im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft NOVEX Rotterdamer Hafen intensiv daran gearbeitet, langfristige Lösungen für den zunehmenden Platzmangel zu entwickeln.
