„Der Vorteil bei der E-Mobilität ist, dass die Energie teilweise lokal erzeugt werden kann“, so Hintermayer. (Foto Asfinag)
Wie realistisch ist ein emissionsfreier Logistik-Korridor bis 2040?
Das hängt im Wesentlichen von den Rahmenbedingungen ab. Wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, wäre ein weitestgehend CO₂-freier Straßengüterverkehr bis 2040 durchaus realistisch. 100 % CO₂-frei wird voraussichtlich noch etwas länger brauchen, weil es für schwere Sondertransporte derzeit noch keine entsprechende Alternative gibt und wir 2040 sicher noch einen Restbestand an Diesel-Lkw haben werden.
Wo steht Österreich beim Ladeinfrastrukturausbau für E-Lkw?
Derzeit stehen wir am Anfang der Entwicklung, und die öffentliche Ladeinfrastruktur für E-Lkw ist in Österreich noch im Aufbau. Wir haben am Asfinag-Netz aber bereits zwei Rastanlagen mit speziellen E-Ladepunkten für Lkw. Dort können die Lkw entweder langsam über Nacht geladen werden oder per Schnellladung die Batterien während der Pausenzeiten aufladen. Weiters gibt es bereits mehrere Autobahn-Tankstellen, bei denen die Ladeinfrastruktur der Pkw auch von Lkw genutzt werden kann, da diese Durchfahr-Ladestationen über große Fahrgassen verfügen.
Was ist derzeit die größte Hürde?
Wir sehen bei der Ladetechnik für Lkw zwei parallele Entwicklungen: den bereits bewährten CCS-Stecker, der mittlerweile bis zu 500 kW Ladeleistung ermöglicht, und andererseits den neuen MCS-Stecker, der für über 1.000 kW Ladeleistungen ausgelegt ist. Dazu kommt die unterschiedliche Anordnung der Stecker am Fahrzeug. Das alles macht die Entwicklung der Fahrzeuge, aber auch der Ladeinfrastruktur nicht unbedingt einfacher.
Bei der Finanzierung sehen wir das klassische Problem, dass die Nachfrage nach E-Ladeinfrastruktur für Lkw derzeit noch gering ist und daher auch die Investitionsbereitschaft noch nicht überall gegeben ist. Daher haben wir uns dazu entschlossen, eine Vergabe von E-Ladeinfrastruktur für Pkw und Lkw auf den Asfinag-Rastplätzen zu starten. Wir sehen unsere Aufgabe jedenfalls auch darin, die Infrastruktur bereitzustellen, damit die Mobilitätswende auch im Schwerverkehr gelingt.
Wie stark wächst der Strombedarf entlang der Autobahnen?
Wir gehen davon aus, dass wir ab 2040 insgesamt rund 1 GW Anschlussleistung für alle Ladestationen am Asfinag-Netz benötigen werden. Der Vorteil bei der E-Mobilität ist, dass die Energie teilweise lokal erzeugt werden kann. Dennoch wird es eine Ertüchtigung der Energienetze brauchen.
Wie eng arbeiten Sie mit Logistikunternehmen zusammen?
Es gibt einen sehr guten Austausch mit den Logistik-Unternehmen. Zum Beispiel bei Fachveranstaltungen und Workshops, aber auch über das „Council Nachhaltige Logistik“, in dem viele heimische Logistiker vertreten sind. Der Austausch ist sehr wichtig, da einerseits die Unternehmen wissen wollen, was die Asfinag plant, und andererseits wir wissen wollen, wie die Unternehmen planen. Nur so kann eine nachfrageorientierte Infrastruktur entstehen.
Wird der Ausbau schnell genug vorankommen, um mit der Fahrzeugentwicklung mitzuhalten?
Ich denke schon. Ab 2027 wird es an 22 weiteren Rastplätzen E-Ladeinfrastruktur für Lkw geben. Bis 2030 sollen alle 60 Rastplätze ausgestattet sein. Parallel errichten Logistikunternehmen Lademöglichkeiten auf ihren Betriebsstätten, und es gibt Ladestationsbetreiber, die direkt auf Autobahn-Raststationen oder in der Nähe der Autobahnen tätig werden.
