DP World baut seine Logistikaktivitäten in Europa mit neuen Standorten, Speziallogistik und intermodalen Verbindungen weiter aus. (Foto: DP World)
DP World baut seine Logistikaktivitäten in Europa weiter aus. Der Konzern übernimmt in Großbritannien sechs Standorte von GXO Logistics, investiert in Antwerpen zunächst 48 Millionen Euro in ein neues Kühllogistikzentrum und erprobt zwischen Belgien und Rumänien einen neuen Bahn-Korridor für Fertigfahrzeuge. Gemeinsam zeigen die Projekte, wie DP World sein Geschäft jenseits des klassischen Hafen- und Terminalbetriebs verbreitert.
Den unmittelbar größten Kapazitätsschub bringt die Transaktion in Großbritannien. Von GXO Logistics übernimmt DP World im September sechs Kontraktlogistikstandorte – fünf in England und einen in Nordirland. Sie verfügen zusammen über mehr als zwei Millionen Quadratfuß Lagerfläche, umgerechnet rund 186.000 Quadratmeter. Mehr als 2.000 Beschäftigte wechseln zu DP World.
Die Standorte bedienen mit Asda, Sainsbury’s und Co-op drei große britische Lebensmittelhändler. Gelagert werden rund 46.000 unterschiedliche Produkte; die Infrastruktur umfasst Flächen für ungekühlte, gekühlte und tiefgekühlte Waren sowie Zolllager. Die Transportaktivitäten an den betreffenden Standorten verbleiben bei GXO.
Hintergrund der Übertragung ist die Übernahme von Wincanton durch GXO. Die Abgabe der sechs Standorte war eine regulatorische Auflage der britischen Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority und wurde von dieser genehmigt.
Kontraktlogistik rückt näher an Häfen und Terminals
Für DP World ist die Transaktion dennoch strategisch relevant. Der Konzern betreibt in Großbritannien unter anderem die Containerhäfen London Gateway und Southampton und ergänzt diese Infrastruktur nun um zusätzliche Kapazitäten in der Kontraktlogistik. Damit lässt sich ein größerer Teil der Lieferkette vom Hafen über Lagerung und Distribution innerhalb des eigenen Netzwerks abbilden.
„Durch die Aufnahme dieser Aktivitäten in unser Netzwerk erweitern wir unsere Fähigkeit, nahtlose Lieferkettenlösungen anzubieten, die Häfen, Transport, Lagerhaltung und Distribution auf einer einzigen integrierten Plattform verbinden“, sagt Angela Howard, Vice President Contract Logistics North Europe bei DP World.
Der Ausbau in Großbritannien ist Teil einer breiteren Entwicklung. Auch auf dem europäischen Festland investiert DP World in spezialisierte Logistikangebote – insbesondere dort, wo sich Hafeninfrastruktur und zusätzliche Dienstleistungen miteinander verbinden lassen.
48 Millionen Euro für Kühllogistik in Antwerpen
Im Hafen von Antwerpen soll auf einem 83.000 Quadratmeter großen Areal neben dem Antwerp Gateway ein neues temperaturgeführtes Logistikzentrum entstehen. In einer ersten Phase investiert DP World 48 Millionen Euro. Einschließlich späterer Infrastrukturmaßnahmen beziffert das Unternehmen das langfristig geplante Investitionsvolumen auf rund 100 Millionen Euro.
Vorgesehen sind mehr als 55.000 Quadratmeter spezialisierte Lagerfläche. Der Schwerpunkt liegt auf temperaturgeführten Logistikleistungen für Healthcare und Pharma. Rund die Hälfte der Lagerkapazität soll gleichzeitig für verderbliche Waren wie Bananen und andere Frischprodukte zur Verfügung stehen. Auch Unternehmen aus der Chemie- und Technologiebranche sollen den Standort nutzen können.
Neben der Lagerung sind zusätzliche Leistungen wie Konsolidierung, Dekonsolidierung und spezialisierte Warenbehandlung vorgesehen. Entscheidend ist dabei die Lage unmittelbar am Terminal: Seetransport, Umschlag, Lagerung und Weitertransport ins Hinterland sollen an einem Standort miteinander verknüpft werden. Antwerpen bietet dafür Anschlüsse an Straße, Schiene und Binnenwasserstraße.
„Da Lieferketten zunehmend spezialisierter und zeitkritischer werden, benötigen Kunden Logistiklösungen, die operative Effizienz mit Zuverlässigkeit verbinden“, sagt Rainer Schmid, Chief Commercial Officer Europe bei DP World. Die Nähe zum Antwerp Gateway ermögliche einen schnelleren Zugang zu integrierten Hafen-, Lager- und Hinterlandtransportleistungen.
Gebaut werden soll ab dem zweiten Quartal 2027, sofern die erforderlichen Genehmigungen vorliegen. Die Fertigstellung ist für das zweite Quartal 2028 vorgesehen. Entwickelt wird das Projekt gemeinsam mit dem Logistikimmobilienspezialisten Montea und Maatschappij Linkerscheldeoever.
Neuer Bahn-Korridor verbindet Belgien und Rumänien
Während DP World in Großbritannien und Antwerpen seine stationäre Logistikinfrastruktur erweitert, baut das Unternehmen zugleich neue Verbindungen innerhalb Europas auf. Anfang August wurde erstmals eine Ladung Fertigfahrzeuge per Bahn von Zeebrugge in Belgien nach Aiud in Rumänien transportiert.
Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um den ersten europäischen Fahrzeugtransport auf der Schiene, den DP World durchgehend selbst gesteuert hat. Die Fahrzeuge der ersten Sendung sind für Chisinau in Moldau bestimmt und werden von Aiud aus auf der Straße weitertransportiert.
Aus dem Pilotprojekt soll ein regelmäßiger intermodaler Dienst entstehen. Für die zweite Jahreshälfte 2026 sind zunächst zwei Verbindungen pro Monat vorgesehen. Perspektivisch soll Aiud auch mit weiteren europäischen Häfen verbunden werden, darunter Koper in Slowenien.
DP World positioniert den 2024 eröffneten Terminal damit zunehmend als Automotive-Drehscheibe für Südosteuropa. Das Unternehmen hatte 21 Millionen Euro in die 180.000 Quadratmeter große Anlage investiert. Sie liegt an der Autobahn A10 und ist an das rumänische Schienennetz angeschlossen.
„Automobilunternehmen wollen ihre Abhängigkeit vom Straßengüterverkehr über lange Distanzen reduzieren“, sagt Dragos Calin, Director Freight Balkans bei DP World. Die Kombination von Schiene und Straße solle höhere Zuverlässigkeit und geringere Emissionen ermöglichen.
Nach Berechnungen von DP World kann der intermodale Transport die CO₂-Emissionen gegenüber einem vergleichbaren Langstreckentransport auf der Straße um bis zu 55 Prozent reduzieren. Gleichzeitig soll die Bahnverbindung die Abhängigkeit von steigenden Straßenbenutzungsgebühren und regulatorischen Veränderungen im europäischen Straßengüterverkehr verringern.
DP World verbreitert seine europäische Logistikbasis
Die drei Projekte unterscheiden sich in Markt, Kundengruppe und Geschäftsmodell, folgen aber derselben strategischen Richtung. DP World ergänzt sein bestehendes Netz aus Häfen und Terminals um Lagerhaltung, Kontraktlogistik, temperaturgeführte Speziallogistik und intermodale Verbindungen.
Dabei entsteht schrittweise ein dichteres Netz entlang wichtiger europäischer Warenströme: In Großbritannien kommen große Distributionsstandorte für den Lebensmittelhandel hinzu, Antwerpen wird um spezialisierte Kühlkettenkapazitäten erweitert und Aiud soll stärker als Verbindungspunkt zwischen westeuropäischen Häfen und den Märkten Südosteuropas dienen.
Svitlana Balaban, CEO von DP World Rumänien, beschreibt die Stoßrichtung so: „Unsere Strategie besteht darin, ein stärker vernetztes europäisches Logistiknetz aufzubauen, neue Handelskorridore zu schaffen und den Kunden eine größere Auswahl beim Transport ihrer Waren über den Kontinent zu bieten.“
Für DP World geht es damit zunehmend darum, die eigenen Hafen- und Terminalstandorte als Ausgangspunkte umfassender Logistikketten zu nutzen. Die jüngsten Schritte in Großbritannien, Belgien und Rumänien zeigen, dass der Konzern dieses Modell in Europa sowohl durch Übernahmen und Investitionen als auch durch neue Transportangebote ausbaut.
