„In Summe ist ein Zuwachs zu verzeichnen“

30.04.2026 | Branchenlösungen, Schwertransport

Johannes Matzhold, Geschäftsführer von Matzhold Transporte, spricht über spürbares Wachstum trotz konjunktureller Unterschiede, die Herausforderungen geopolitischer Unsicherheiten und die zentrale Rolle von Digitalisierung in der Projektlogistik.

Matzhold ist stark im Bereich Spezial- und Schwertransporte positioniert – wie hat sich Ihr Geschäft in den vergangenen zwei Jahren verändert? Spüren Sie eher Wachstum oder zunehmende Unsicherheit?

In unserem Segment ist das Wachstum deutlich und klar spürbar. Die Nachfrage nach Spezial- und Schwertransporten hat sich in den vergangenen zwei Jahren positiv entwickelt, und wir blicken auf diese Entwicklung mit Zufriedenheit.

Viele Industriebranchen schwächeln derzeit – wirkt sich das unmittelbar auf die Projektlogistik aus oder laufen Großprojekte zeitlich entkoppelt von Konjunkturzyklen?

In der Projektlogistik ist von einem Abschwung wenig zu spüren. Die Situation stellt sich differenziert dar: Einige Industriezweige wachsen derzeit sehr stark, während andere eine spürbare Rezession durchlaufen. In der Summe ergibt sich aus unserer Sicht jedoch ein klarer Zuwachs.

Wie stark beeinflussen geopolitische Spannungen aktuell Ihre Transportplanung und Risikobewertung?

Eine seriöse Risikobewertung abzugeben ist unter den aktuellen Bedingungen extrem schwierig – und die Transportplanung ist es nicht minder. Gerade im Spezial- und Schwertransport arbeiten wir mit Vorlaufzeiten von bis zu einem Jahr. Durch die derzeit herrschenden geopolitischen Spannungen lassen sich Projekte nur mit sehr geringer Kostensicherheit planen und kalkulieren. Das ist eine echte Herausforderung für die gesamte Branche.

Erleben Sie eine zunehmende Verschiebung von Lieferketten oder Projektstandorten aufgrund globaler Unsicherheiten?

Konkret beobachten wir das derzeit noch nicht. Allerdings halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Eine laufende Evaluierung der Situation ist aus meiner Sicht zwingend erforderlich – wer hier nicht aufmerksam bleibt, wird von Entwicklungen überrascht werden.

Schwertransporte sind oft minutiös geplant – wo geraten diese Planungen heute am häufigsten ins Wanken?

Die größten Störfaktoren sind unvorhersehbare Straßen- oder Brückensperren sowie Verzögerungen bei der Erteilung von Ausnahmegenehmigungen durch Behörden. Beides lässt sich kaum im Voraus einplanen und kann selbst sorgfältig vorbereitete Transporte empfindlich aus dem Takt bringen.

Wie gehen Sie mit kurzfristigen Änderungen um, wenn etwa Genehmigungen, Routen oder Zeitfenster plötzlich nicht mehr halten?

In solchen Situationen zählt vor allem eines: sofortiges Handeln. Wir leiten unmittelbar Sondermaßnahmen ein und sind dabei auf einen optimalen Zugang zu den zuständigen Stellen angewiesen – und auf deren Verständnis und Kooperationsbereitschaft. Ohne dieses Zusammenspiel lässt sich ein kurzfristiger Planungswechsel kaum bewältigen.

Wie beurteilen Sie den Zustand der Infrastruktur in Österreich und im angrenzenden Ausland aus Sicht der Schwertransportbranche?

In Österreich ist der Zustand der Infrastruktur größtenteils in Ordnung. Im angrenzenden Ausland ist Deutschland derzeit das größte Sorgenkind – die Vielzahl an Brückenbaustellen schafft erhebliche Einschränkungen und macht die Routenplanung deutlich aufwendiger.

Welche konkreten Verbesserungen wären aus Ihrer Sicht kurzfristig umsetzbar, um Transporte effizienter und planbarer zu machen?

Der wichtigste Hebel wäre eine Beschleunigung bei der Prüfung von Transport-
routen und der Erteilung von Genehmigungen. Hier möchte ich aber auch festhalten, dass Österreich im europäischen Vergleich durchaus als positives Beispiel gelten kann – wir liegen in diesem Bereich im Vorderfeld.

Schwertransporte erfordern hochspezialisiertes Know-how – wie schwierig ist es aktuell, qualifiziertes Personal zu finden und zu halten?

Grundsätzlich kann sich die Personalsuche in unserer Branche als schwierig erweisen – das ist keine Frage. Für unser Unternehmen trifft das jedoch nicht zu. Wir setzen auf regelmäßige Schulungen, faire Bezahlung und ein gutes Arbeitsklima. Diese drei Parameter sind aus meiner Sicht entscheidend, um qualifiziertes Personal zu gewinnen und langfristig zu halten.

Verändert sich das Berufsbild in Ihrer Branche – etwa durch Digitalisierung oder regulatorische Anforderungen?

Was die Digitalisierung betrifft, kann ich klar sagen: Sie bringt derzeit ausschließlich Vorteile. Ein konkretes Beispiel ist der digitale Beifahrer, der die Arbeit unserer Fahrer spürbar erleichtert und effizienter macht. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung.

Welche Rolle spielen digitale Tools – etwa in der Routenplanung, Simulation oder Kommunikation – bereits heute in Ihrem Unternehmen?

Digitale Tools sind für uns bereits heute unverzichtbar und kommen täglich zum Einsatz. Ich bin überzeugt, dass ihre Bedeutung in Zukunft noch weiter zunehmen wird. Wer in der Schwertransportlogistik auf Digitalisierung verzichtet, wird mittelfristig den Anschluss verlieren.

Wo sehen Sie die größten Hebel, um die Effizienz in der Schwertransportlogistik in den kommenden Jahren zu steigern?

Die größten Potenziale liegen klar in der Digitalisierung und der Automatisierung. Beide Bereiche werden die Branche in den kommenden Jahren grundlegend verändern – und wer frühzeitig investiert, wird davon am stärksten profitieren.

Anzeigen
Anzeigen

Newsletter

Events

Auf Linkedin folgen