In Österreich wurden bislang 20 Vectron Dual Mode Lokomotiven verkauft. | © Siemens
Die Europäische Eisenbahnagentur hat die Zweikraftlokomotive Vectron Dual Mode von Siemens Mobility für den Betrieb in Österreich und Deutschland zugelassen. Damit ist die Lok nun auch für grenzüberschreitende Verkehre zwischen beiden Ländern freigegeben. Voraussetzung dafür ist die Ausstattung mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS Baseline 3.6, das bei den Fahrzeugen mit der modularen Siemens-Onboard-Lösung Trainguard Basic umgesetzt wurde.
Ende Dezember wurden die ersten zwei zugelassenen Lokomotiven an das oberösterreichische Verkehrsunternehmen Stern & Hafferl Verkehr übergeben. Mit dieser Lieferung wächst die Flotte des Unternehmens auf insgesamt sechs Vectron Dual Mode Loks an. Die Fahrwerke stammen aus dem Siemens-Mobility-Weltkompetenzzentrum Graz.
Durchgängiger Betrieb bis auf die letzte Meile
Der Vectron Dual Mode kombiniert die Vorteile von elektrischen Lokomotiven mit denen einer vollwertigen Diesellok. Dadurch kann er sowohl auf elektrifizierten als auch auf nicht elektrifizierten Strecken eingesetzt werden – ohne Lokwechsel und ohne Zeitverlust. Gerade im ländlichen Raum und auf sogenannten Last-Mile-Abschnitten, die häufig nicht unter Fahrdraht stehen, bietet das Konzept deutliche Vorteile für Betreiber.
Günter Neumann, Geschäftsführer von Stern & Hafferl Verkehr, betont die strategische Bedeutung der Fahrzeuge: „Wir haben früh das Potenzial der Vectron Dual Mode Lokomotiven erkannt und uns bewusst dafür entschieden. Die nun erteilte österreichweite Zulassung und die vollständige Übergabe aller sechs Lokomotiven sind für uns ein wichtiger Meilenstein. Sie ermöglichen einen durchgängigen, effizienten Betrieb bis auf die letzte Meile und leisten einen wichtigen Beitrag zu einem umweltbewussten Güterverkehr – mit dem Ziel, noch mehr Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern und unsere Region nachhaltig zu stärken.“
Flexible Technologie für nicht elektrifizierte Strecken
Auch Siemens Mobility sieht in der Zulassung einen wichtigen Schritt für die Weiterentwicklung des Schienenverkehrs.
Tanja Kienegger, CEO Siemens Mobility Austria, erklärt: „Weiterfahren, wo andere nicht mehr können: Das ist der Vectron Dual Mode. Mit innovativer Technologie steigern wir die Leistungsfähigkeit der Bahn auch auf nicht-elektrifizierten Strecken. Wir bieten die leistungsfähigsten und flexibelsten Loks für den Personen- und Güterverkehr und treiben so die Mobilitätswende voran.“
Der Bedarf an solchen Lösungen ist hoch: In Österreich sind derzeit nur rund 74 Prozent des Bahnnetzes elektrifiziert. Viele Betreiber müssen daher trotz überwiegend elektrifizierter Strecken weiterhin vollständig auf Dieseltraktion setzen. Der Vectron Dual Mode schließt diese Lücke und ermöglicht einen effizienten, durchgängigen Betrieb.
Wachsende Nachfrage bei österreichischen Betreibern
Neben Stern & Hafferl profitieren auch weitere Bahnunternehmen von der neuen Länderzulassung. In Österreich wurden bislang 20 Vectron Dual Mode Lokomotiven an Stern & Hafferl, Rhomberg Sersa, Steiermarkbahn, Swietelsky, PORR und DPB verkauft. Die Loks eignen sich dabei nicht nur für den Güterverkehr, sondern auch für Bauzüge und die Baustellenlogistik bei Schienenbauprojekten.
Technisch basiert der Vectron Dual Mode auf bewährten Komponenten der Vectron-Plattform. Er ist für das 15-kV-AC-Spannungssystem ausgelegt, verfügt über eine Leistung von 2.000 kW am Rad – unabhängig von der Betriebsart – und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Eine Variante für 15 kV und 25 kV AC ist ebenfalls verfügbar.
