„Unser Ziel ist es, die Effizienz des gesamten Containerökosystems zu erhöhen“, sagt Simons. (Foto: Port of Rotterdam / Marc Nolte)
Wie bereiten Sie sich auf künftiges Wachstum im globalen Handel vor?
Aktuell erweitern die Containerterminals APMT und RWG auf der Maasvlakte ihre Kapazitäten erheblich. Parallel entsteht das neue Rangierfeld Maasvlakte-Zuid, das in mehreren Phasen bis 2027 realisiert wird. Es umfasst sechs Gleise und Betriebsanlagen. Ein zweites Großprojekt ist die Verbreiterung des Yangtze-Kanals, über den immer größere Containerschiffe die Terminals von Maasvlakte 2 erreichen. Der Schifffahrtsweg wird auf ganzer Länge ausgebaut, um Begegnungsverkehr von Schiffen bis zu 18.000 TEU zu ermöglichen. Die Fertigstellung der ersten Phase ist für April 2026 geplant. Zudem entstehen neue Liegeplätze mit Landstromanschlüssen für Schlepper und Binnenschiffe – das stärkt unsere multimodale Hinterlandanbindung.
Gleichzeitig investieren wir stark in digitale Plattformen, die reibungslose logistische Abläufe ermöglichen und den gesamten Hafenbetrieb effizienter machen.
Wie gehen Sie mit der steigenden Nachfrage nach Flächen um?
Rotterdam ist das zentrale Tor für Güterströme nach ganz Europa – rund 30 Prozent der Ladung sind für andere EU-Länder bestimmt. Angesichts wachsender Umschlagsmengen setzen wir auf nachhaltige Verdichtung innerhalb des bestehenden Areals, statt immer neue Flächen zu erschließen.
Prognosen zufolge wird das Containeraufkommen im sogenannten Hamburg–Le-Havre-Range bis 2035 um 16 Millionen TEU steigen. Etwa die Hälfte davon kann Rotterdam mit seinen bestehenden und geplanten Terminalkapazitäten aufnehmen. Das unterstreicht die Bedeutung des Hafens als Garant stabiler Lieferketten für Länder wie Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Welche Rolle spielt Österreich für den Hafen Rotterdam?
Österreich ist für uns ein strategisch wichtiger Markt. Als Binnenland profitiert es besonders von unserer breiten Palette an Tiefsee-, Bahn- und Binnenschiffsverbindungen. Über den Rhein-Alpen-Korridor werden jährlich rund 2 Millionen Tonnen Güter zwischen Rotterdam und Österreich transportiert. Dazu zählen Container, aber auch Massengüter aus Branchen wie Chemie, Maschinenbau, Automotive oder Konsumgüter.
Um diese Beziehungen zu vertiefen, setzt der Hafen Rotterdam auf den Ausbau effizienter multimodaler Verbindungen zu österreichischen Logistikzentren, die enge Zusammenarbeit mit Binnenhäfen und Logistikclustern in Österreich sowie auf einen kontinuierlichen Dialog mit Verladern, Spediteuren und Verbänden. Ergänzt wird dies durch die digitale Integration österreichischer Partner über Plattformen wie Portbase, die Echtzeittransparenz und eine Optimierung logistischer Prozesse ermöglicht.
Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit mit österreichischen Logistikunternehmen?
Wir wollen unsere Partnerschaften weiter ausbauen und die logistischen Brücken zwischen beiden Ländern stärken. Ein eigenes Team in Rotterdam betreut den DACH-Markt täglich, wir sind regelmäßig in Österreich vor Ort und organisieren Events, um die niederländische und österreichische Logistik-Community zusammenzubringen.
In den vergangenen Jahren konnten wir gemeinsam mit Partnern mehrere neue Bahnverbindungen aufbauen. Wir sehen Österreich nicht nur als Markt, sondern als Mitgestalter einer nachhaltigen europäischen Logistikzukunft.
Wie wirken sich geopolitische Turbulenzen auf den Hafen aus?
Der Hafen Rotterdam ist ein Spiegel der Weltwirtschaft – jede politische oder wirtschaftliche Veränderung wirkt sich auf Energie, Industrie und Logistik aus. Die jüngsten Handelskonflikte, etwa durch neue US-Zölle, führen zu Unsicherheit und schwankenden Umschlagsmengen. Auch Investitionsentscheidungen werden zurückhaltender getroffen.
Die USA sind der viertgrößte Exportpartner der Niederlande. Viele Warenströme – von Chemikalien über Maschinen bis zu Zwischenprodukten – laufen über Rotterdam. Rund eine Million TEU werden jährlich im Transatlantikverkehr bewegt.
Zölle und Protektionismus schaden letztlich allen Beteiligten, denn stabile Handelsbeziehungen sind die Grundlage wirtschaftlicher Entwicklung.
Wie stärkt Rotterdam seine Resilienz gegenüber globalen Unsicherheiten?
Unser Ziel ist es, die Effizienz und Belastbarkeit des gesamten Containerökosystems zu erhöhen. Dazu braucht es Kooperation und einen systemischen Ansatz. Jede Störung in der Lieferkette wirkt sich unmittelbar aus – deshalb setzen wir auf intelligente Planung, Datenaustausch und eine ausgewogene Nutzung aller Verkehrsträger.
Digitale Plattformen wie Rail Connected (Schiene), Nextlogic (Binnenschifffahrt) und PortAlert (Lkw-Disposition) verbessern die Abstimmung der Prozesse. Statt immer nur neue Infrastruktur zu bauen, wollen wir bestehende Ressourcen optimal nutzen – und ein System schaffen, das auch in Krisen stabil bleibt.
