Bernhard Schmaldienst, Associate VP, Transporeon Products bei Trimble. | © Trimble
Transporeon baut den Einsatz von KI-Agenten in seiner Transportmanagement-Plattform aus. Auf der Trimble Insight Europe hat das Unternehmen neue Produkte und Funktionen für Marktanalyse, Beschaffung, Transportplanung und -abwicklung, Visibility sowie Dock-, Yard- und Frachtabrechnungsprozesse vorgestellt.
Im Zentrum steht die Verknüpfung dieser Anwendungen mit dem im August vorgestellten Trimble Arc Agent. Der Enterprise-KI-Agent soll nicht nur Informationen bereitstellen, sondern Routineaufgaben innerhalb unterstützter Transporeon-Produkte sowie über E-Mail- und Backoffice-Systeme hinweg ausführen können.
Damit adressiert Transporeon ein verbreitetes Problem in Transportabteilungen: Viele Prozesse verteilen sich weiterhin auf unterschiedliche Systeme, Tabellen, E-Mails und Dokumente. KI-Agenten sollen diese Brüche überbrücken und einzelne Arbeitsschritte stärker miteinander verbinden.
„KI im Transportwesen funktioniert nur, wenn sie das gesamte Umfeld von Prozessen, Beteiligten und Daten versteht“, sagt Bernhard Schmaldienst, Associate VP, Transporeon Products bei Trimble. Trimble Arc Agent sei darauf ausgelegt, „sämtliche Workflows sowie Daten entlang des gesamten Transportzyklus miteinander zu verbinden“.
KI soll Ausschreibungen und Spotbeschaffung automatisieren
Ein Schwerpunkt liegt auf der Frachtbeschaffung. Mit NextGen Freight Procurement for Road will Transporeon insbesondere Excel-basierte Ausschreibungen für Komplett- und Teilladungen reduzieren. Rohdaten zu Relationen und Preisen können mithilfe von KI in einen Entwurf für eine Ausschreibung überführt werden, der anschließend überprüft werden kann.
Auch die Spotbeschaffung wird weiter automatisiert. Enhanced Autonomous Procurement kombiniert automatisierte Angebote innerhalb des Carrier-Netzwerks eines Verladers mit einer klassischen Angebotserfassung. Findet das System automatisiert kein geeignetes Angebot, kann die Anfrage in den manuellen Prozess übergeben werden.
Market Insights wird wiederum um zusätzliche Benchmark-Daten sowie einen Assistenten erweitert. Nutzer können in natürlicher Sprache auf Marktdaten zugreifen und beispielsweise Entwürfe für Marktübersichten oder Analysen einzelner Relationen erstellen lassen.
Agenten greifen in die Transportabwicklung ein
Über reine Analyse- und Assistenzfunktionen hinaus sollen KI-Agenten zunehmend direkt in operative Prozesse eingebunden werden. In Transport Execution können Nutzer Daten in natürlicher Sprache abrufen und aktualisieren. Wiederkehrende Aufgaben wie die Kontaktaufnahme mit Frachtführern oder das Anfordern fehlender Dokumente sollen sich ebenfalls automatisieren lassen.
Dabei setzt Trimble nach eigenen Angaben auf sogenannte Human-in-the-Loop-Kontrollen. Arbeitsschritte, für die eine Freigabe erforderlich ist, sollen weiterhin von Nutzern bestätigt werden. Damit bleibt bei entsprechenden Prozessen eine menschliche Kontrollinstanz bestehen.
Für die Transportplanung bringt Transporeon zudem eine eigenständige Version des Transport Planner auf den Markt. Diese soll größere Datenmengen und komplexere Szenarien verarbeiten können, darunter Milk Runs und Planungen mit mehreren Kapazitätsbeschränkungen.
Im Seefrachtbereich ergänzt Maritime Intelligence die bestehende Ocean Visibility um Risikosignale aus verschiedenen Datenquellen. Berücksichtigt werden sollen unter anderem Informationen aus Schifffahrt, Häfen, Wetter und geopolitischen Entwicklungen, um mögliche Störungen früher sichtbar zu machen.
Vom Lieferanten bis zur Frachtrechnung
Transporeon erweitert die Automatisierung außerdem auf Prozesse vor und nach dem eigentlichen Transport. Supplier Collaboration soll Änderungen an Bestellungen frühzeitig in Transport- und Yard-Planungen einfließen lassen. Das Unternehmen spricht dabei von „Living Purchase Orders“, die im Gegensatz zu statischen Bestellungen laufend aktualisiert werden können.
Mit Advanced Trailer Orchestration soll die manuelle Verwaltung von Fahrzeugen und Aufliegern auf Betriebsgeländen durch eine Live-Übersicht und priorisierte Aufgabenlisten ersetzt werden. Der elektronische Lieferschein eDelivery Note wiederum soll die Dokumentation digitalisieren und nachgelagerte Abrechnungsprozesse beschleunigen.
Bei Freight Audit SelfService werden elektronische Rechnungen mit Daten aus der Transportabwicklung abgeglichen. KI soll dabei helfen, Abweichungen zu identifizieren und zu prüfen.
Großteil der Funktionen bereits verfügbar
Ein wesentlicher Teil des erweiterten Portfolios ist bereits verfügbar. Dazu zählen unter anderem Transport Planner, Transport Execution, Supplier Collaboration, Freight Audit SelfService, Autonomous Procurement, NextGen Freight Procurement for Road und die erweiterten Market Insights.
Maritime Intelligence ist zunächst in einer ersten Version gestartet. Zusätzliche Hafen- und Wetterinformationen sind für Ende 2026 vorgesehen. Advanced Trailer Orchestration und eDelivery Note sollen im Oktober kommerziell eingeführt werden.
Mit dem neuen Portfolio verschiebt Transporeon den Einsatz generativer KI damit schrittweise von einzelnen Assistenzfunktionen in Richtung operativer Prozessautomatisierung. Ob daraus tatsächlich durchgängige agentenbasierte Transportprozesse entstehen, dürfte vor allem davon abhängen, wie zuverlässig die Systeme über bestehende Daten- und Systemgrenzen hinweg arbeiten – und an welchen Stellen Unternehmen weiterhin eine menschliche Freigabe verlangen.
