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RTSB: „China entwickelt sich zu einem Konsumentenland“

Foto: Winter
Chefredakteur Bernd Winter (links) mit Artur Ballardt (Mitte) und seinem Bruder Andrej (rechts) bei der transport logistic China in Shanghai. "Ich denke, dass zukünftig u. a. die Grenzübergänge in Svisloch (Weißrussland/Polen) und die Routen über das russische Kaliningrad bzw. über die Ukraine eine wichtigere Rolle einnehmen werden", sagt Artur Ballard.
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Artur Ballardt, CEO der Rail Transportation Service Broker GmbH (RTSB), und sein Bruder Andrej, General Director der unternehmenseigenen IT-Firma Transoffice, sprechen über die Strategien des Unternehmens. Dazu zählen der Ausbau des eigenen IT-Systems und die Zulassung als EVU in der EU.

von: Bernd Winter

Verkehr: In welchen Bereichen des Güterverkehrs zwischen Europa und China sind Sie derzeit tätig?
Artur Ballardt:
Wir sind ein privates Unternehmen und arbeiten sehr eng mit staatlichen Firmen in den GUS-Staaten zusammen - vor allem mit den kasachischen, russischen und weißrussischen Eisenbahnen. Das heißt, unsere Unternehmen arbeiten Hand in Hand zusammen: Der eine übernimmt den speditionellen, der andere den operationellen Teil. Diese Kooperation ermöglicht es, aus einer Hand sowohl den chinesischen als auch den europäischen Kunden unsere Services zur Verfügung zu stellen. Das ist auch das, was uns auszeichnet und erfolgreich macht. Wir haben allein im letzten Jahr über 2.000 Blockzüge zwischen China und Europa abgewickelt, entweder als Operator direkt für chinesische Provinzen oder für Speditionen. Durch diese Mengen haben wir auch Vorteile in der gesamten Organisation der Züge, vom Wagenmanagement, der Slotplanung bis zum Zugang zu den Terminals sowohl in Asien als auch in Europa. Zu unseren Kernbereichen zählen die intermodalen Bahntransporte von Europa zu den GUS-Staaten, in die Mongolei sowie nach China und retour. Aber auch das Containermanagement in den drei vorher angeführten Regionen und die Tätigkeit als Ganzzug-Operator mit eigenem Bahnwagenmaterial zählen zu unseren Kompetenzen.

Welche Auswirkungen hat die "Neue Seidenstraße"-Initiative" Chinas auf Ihr Unternehmen?
Artur Ballardt:
Wir fokussieren uns seit der Unternehmensgründung auf die Schienengüterverkehre zwischen Osteuropa und den GUS-Staaten, das heißt, wir haben uns über die Jahre ein enormes Know-how in der Abwicklung dieser Verkehre erarbeitet, vom Dokumentenlauf (wie man an den Grenzen arbeitet, wie man mit den Bahnen zusammenarbeitet) bis zum generellen Umgang mit den Behörden. Wir haben direkte Frachtverträge mit den jeweiligen Eisenbahnen. Das bedeutet, dass es für uns keinen Unterschied gibt, ob wir Transport aus Europa in die GUS-Staaten oder aus China bzw. Kasachstan organisieren. Unsere Expertise nützt uns natürlich jetzt sehr viel in der Zusammenarbeit mit den chinesischen Firmen und Provinzen und wir sind seit Anfang der ersten Berichte über die Seidenstraßen-Initiative vor Ort dabei. Zu Beginn haben wir nur einen Zug pro Woche abgewickelt. Mittlerweile sind es drei bis vier Züge pro Tag, in beide Richtungen zwischen Europa und China. Unabhängig davon, was man so in den Zeitungen liest, wie u. a. über den ersten Zug von China nach Antwerpen: Wir haben diesen Zug organisiert. Wir sind der Operator, der im Background die Arbeit macht.

Die Rail Cargo Group (RCG) hat vor Kurzem auch einen ersten Zug von China nach Wien promotet. Waren Sie diesbezüglich auch involviert?
Artur Ballardt:
Ja, wir waren im Transit mitbeteiligt. Wir sind der Hauptoperator für die Region Chengdu in China. Auch dadurch konnten wir unsere enge Kooperation mit der RCG nun weiter ausbauen. Sie sind für uns einer der "preferred carrier" (Anmerkung der Redaktion: bevorzugtes Transportunternehmen) in Europa. Wir sind ein reiner Operator - wir bedienen uns mehrerer Carrier in Europa. Der Markt ist so groß, dass es ein Carrier allein gar nicht schaffen kann, alles abzuwickeln. Wir sind der Filter, der die Aufträge so streut, dass alles reibungslos abläuft. Im letzten Jahr kam es beim polnisch/weißrussischen Grenzübergang Malaszewicze/Brest aufgrund von Bauarbeiten zu erheblichen Verzögerungen. Wir haben schon damals präventiv den chinesischen Provinzen neue Ausweichrouten vorgeschlagen. Aber prinzipiell will niemand der Erste sein, der eine neue Route ausprobiert.

Welche Routen werden in den kommenden Jahren zwischen Europa und China an Bedeutung gewinnen?
Artur Ballardt:
Ich denke, dass zukünftig u. a. die Grenzübergänge in Svisloch (Weißrussland/Polen) und die Routen über das russische Kaliningrad bzw. über die Ukraine eine wichtigere Rolle einnehmen werden. Es sind auch viele Aktivitäten der chinesischen Investoren, aber auch anderer europäischer Investoren, die dann an den jeweiligen Grenzen ausbauen wollen, zu verzeichnen. Auch die Infrastruktur in Brest wird durch Investitionen der weißrussischen Bahn ausgebaut. Wir gehen ja auch davon aus, dass der Engpass über das polnische Malaszewicze nicht ewig bestehen wird und wir ab dem kommenden Jahr wieder mehr Volumen dort abwickeln können. Die Verkehre aus China sind so riesig, dass ich glaube, dass jeder dieser Grenzübergänge in Zukunft genug zu tun haben wird.


Lesen Sie die Fortsetzung dieses Interviews in unserer frischgedruckten Ausgabe VK 25/2018 oder digital im Austria Kiosk.


Das obige Interview ist nur eines von vielen aus unserem neuen Seidenstraßen-Special. Weitere Themen in dem "Seidenstraßen Special", das dem VK 25/2018 beiliegt: 

- Den digitalen Kurs für die "Neue Seidenstraße" setzen:
 Logistik 4.0 und die "Neue Seidenstraße" waren zwei der wichtigsten Themen auf der transport logistic China 2018, die vom 16. bis 18. Mai 2018 in Shanghai stattgefunden hat. Verkehr war vor Ort. Ein Nachbericht.

- Europa und China wachsen zusammen: Heuer konnte die transport logistic China neue Rekordbesuchszahlen schreiben. Verkehr sprach in Shanghai mit den Organisatoren Gerhard Gerritzen und Robert Schönberger (beide von der Messe München) über ihre zukünftigen Pläne der "transport logistic"­Messe in München und Shanghai. 

- Der Ferne Osten ruft: Die Rail Cargo Group möchte den Güterverkehr aus China via Russland nach Österreich und Europa verstärken. Verkehr sprach mit RCG-Vorstand Thomas Kargl über Chancen und Perspektiven auf der "Neuen Seidenstraße". 

- Siemens unterstützt die "Neue Seidenstraße": Beim ersten "Belt and Road International Summit" in Peking konnte der Konzern mehr als zehn Kooperationsvereinbarungen mit chinesischen Unternehmen unterzeichnen. 

- "China ist schneller!": Verkehr sprach vor Ort mit Christina Schösser, Büroleiterin und Wirtschaftsdelegierte des AussenwirtschaftsCenters in Shanghai, über ihre Erfahrungen in China und wie sich die heimischen Firmen hier schlagen. In der Seidenstraßen-Initiative sieht sie große Chancen für Österreichs Wirtschaft. 

- Die "Neue Seidenstraße" ist mehr als nur ein Infrastrukturprojekt: In Österreich wird Chinas "Neue Seidenstraßen"-Initiative fast ausschließlich als ein riesiges Infrastrukturprojekt diskutiert. Sie ist aber deutlich mehr. Drei Lektionen, die man aus der Initiative ziehen kann, zusammengestellt von Andreas Breinbauer und Reinhold Schodl

- Europa und China rücken immer mehr zusammen: Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, sieht in Chinas Projekt der "Neuen Seidenstraße" viele Chancen für die heimische Wirtschaft. Er hofft auf die Verlängerung der Breitspurbahn nach Österreich. Im Interview mit Verkehr fordert er ein ehrliches Engagement der EU ein. 

- "Ein Mann macht keinen Tanz, eine Blume keinen Kranz": Alexey Grom, Vorstandsvorsitzender der UTLC ERA, die zweifellos zu den aktivsten Bahngesellschaften auf der "Neuen Seidenstraße" gehört, spricht im Interview mit Verkehr über die starke Konkurrenz am chinesischen Markt und die Strategien seines Unternehmens. 

- Zahlungssicherheit für Transporte über die "Neue Seidenstraße": Dass Österreich durch das Jahrhundertprojekt vermehrt nach China exportieren wird, ist im Grunde erfreulich. Doch das Geschäft mit China birgt Tücken: Auf folgende Punkte sollte man besonders achten. Ein Kommentar von Konrad Lenneis.

- "Hier ist alles wesentlich intensiver!":Verkehr sprach mit Alexander Freil, COO von FELB - Far East Landbridge Ltd, dem Spezialisten für den Transport von Containern zwischen dem fernen Osten und Russland/Europa über die transsibirische Route, in seinem neuen Büro in Shanghai über die "Neue Seidenstraßen"-Initiative.

- "Die OBOR-Initiative ist auch ein wichtiger Teil unserer Strategie": Verkehr sprach auf der transport logistic China in Shanghai mit Ingo Wolfsholz, Director Sub Region Shanghai von DB Schenker. Das Seidenstraßen-Projekt sieht er als Motor für die Branche. 

- Die Länder entlang der Route bilden einen Wachstumsmarkt: Gebrüder Weiss ist noch lange vor der Bekanntgabe der "Neuen Seidenstraße" in Asien aktiv gewesen, sagt Thomas Moser, Direktor und Regionalleiter für Südosteuropa, den Mittleren Osten und die GUS­Staaten. Im Interview mit Verkehr sprach er über die Ambitionen entlang dieser Route.


Außerdem in der VK 25/2018: 

- Nutzfahrzeughersteller versus EU-Kommission: 
Das 3. Mobilitätspaket der EU-Kommission sieht vor, die CO2-Emissionen von Lkw bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Während Logistik-Verbände die Maßnahme begrüßen, sehen Nutzfahrzeughersteller darin eine aggressive Vorgangsweise. 

- Saubermacher holt den Logistik-Preis!: Beim 25. Österreichischen Logistik-Tag des Vereins Netzwerk Logistik (VNL) standen Innovationen im Mittelpunkt - von der Startup-Lounge bis zur VNL-App. 

- "Der E-­Commerce bleibt nach wie vor tonangebend!": Verkehr sprach mit Christian Vogt, Country Manager Austria von DLH Logistics Real Estate, über den heimischen Logistikimmobilienmarkt. Outsourcing gewinnt langsam auch in Österreich an Bedeutung, so der Experte. 

- Kombinierter Erfolg: Die Ausrichtung auf zukunftsweisende Produkte und internationale Märkte sowie das günstige Wirtschaftsklima bescherten der voestalpine 2017/18 das erfolgreichste Geschäftsjahr in ihrer Geschichte. Auch in Sachen Logistik überlässt der Konzern mit der Tochter LogServ wenig dem Zufall. 

- Übergreifendes Denken ist gefragt: Das Kärntner Industrieunternehmen Wild-Gruppe ist eines der ersten Unternehmen, das die Dachmarke "Austrian Logistics" trägt. Verkehr sprach mit Geschäftsführer Josef Hackl über Supply Chain Design, Künstliche Intelligenz und Agilität in der Logistik. 

- Globale Strategien für die "Neue Seidenstraße": Der ehemals schlafende Riese ist aufgewacht und bahnt sich einen gewaltigen Weg nach Europa. Über Chancen und Risiken der "Neuen Seidenstraße" diskutierten zahlreiche Experten beim diesjährigen Logistik Dialog der BVL. 

- Wie Logistik Sprache beeinflussen kann. 

- Wünsche an die Politik: Monika Schuh, Geschäftsführerin des Infrastrukturausschusses bei der Industriellenvereinigung.


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