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Sea Legend Shipping will den Containerverkehr zwischen China und Europa erstmals in einem annähernd wöchentlichen Rhythmus durch die Arktis führen. Der China-Europe Arctic Express, kurz CAX, sollte am 15. August in Ningbo-Zhoushan starten. Für die Saison bis Oktober sind acht Abfahrten mit insgesamt sieben Schiffen geplant.
Das erste Schiff, die rund 1.740 TEU große Dubai Tower, soll über die russische Nordostpassage nach Felixstowe fahren. Die Ankunft in Großbritannien ist je nach Fahrplanversion für den 5. oder 6. September vorgesehen. Daraus ergibt sich eine kalkulierte Laufzeit von etwa 20 bis 21 Tagen. Ladung wird zuvor aus chinesischen Häfen wie Dalian, Qingdao, Shanghai, Taicang, Fuzhou und Nansha in Ningbo gebündelt.
Von Felixstowe aus bietet Sea Legend Weitertransporte zu mehreren europäischen Häfen an. Dazu zählen Rotterdam, Antwerpen, Hamburg, Wilhelmshaven, Gdynia, Göteborg, Aarhus, Riga und Tallinn. Die letzte veröffentlichte Abfahrt der Saison ist für den 3. Oktober angesetzt.
Ob die Dubai Tower am 15. August tatsächlich aus Ningbo ausgelaufen ist, ließ sich bis zum 18. August allerdings nicht unabhängig bestätigen. Die bislang verfügbaren Branchenberichte basieren überwiegend auf dem im Juli veröffentlichten Fahrplan. Bis eine aktuelle Hafen- oder Positionsmeldung vorliegt, ist daher von einem angesetzten und nicht zweifelsfrei vollzogenen Start zu sprechen.
Vom Versuchsverkehr zum Wochenfahrplan
Sea Legend knüpft an eine einzelne Fahrt aus dem Jahr 2025 an. Damals erreichte die Istanbul Bridge Felixstowe rund 20 Tage nach dem Auslaufen aus Ningbo. Der diesjährige Fahrplan soll nun zeigen, ob sich die Nordostpassage von einer spektakulären Einzelfahrt zu einem verlässlich buchbaren Transportprodukt entwickeln lässt.
Der Zeitvorteil ist erheblich. Herkömmliche Seeverkehre über den Suezkanal benötigen zwischen China und Nordeuropa häufig 30 bis 40 Tage. Sea Legend positioniert CAX deshalb zwischen Luftfracht, Eurasienbahn und klassischer Seefracht. Als Zielgruppen gelten insbesondere Anbieter zeitkritischer Konsumgüter, Elektronik und Energiespeicher.
Ein Ersatz für die Suezroute ist der Dienst dennoch nicht. Die eingesetzten Schiffe sind im Vergleich zu modernen Großcontainerschiffen klein, und das Fahrgebiet ist nur während eines begrenzten sommerlichen Zeitfensters nutzbar. Eisverhältnisse, Wetter, geringe Rettungs- und Hafeninfrastruktur sowie Versicherungsfragen erschweren eine stabile Fahrplangestaltung. Weil die Route entlang der russischen Küste verläuft, kommen geopolitische und sanktionsrechtliche Risiken hinzu.
Auch ökologisch ist die Abkürzung umstritten. Die kürzere Distanz kann den Treibstoffverbrauch reduzieren, zugleich beschleunigen Rußablagerungen von Schiffen das Abschmelzen von Schnee und Eis. Der Arctic Express ist daher vor allem ein kommerzieller Belastungstest: Er muss erst beweisen, dass Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Risiko in einem tragfähigen Verhältnis stehen.
