„Der Wettbewerb auf der Schiene funktioniert, braucht aber freie Kapazitäten“, betont Maria-Theresia Röhsler. | © Marek Knopp
Im Güterverkehr setzte sich der Trend zu mehr Wettbewerb auch 2025 fort. Der Marktanteil der Rail Cargo Austria sank bei den Nettotonnenkilometern auf rund 52 Prozent, während die Mitbewerber gemeinsam bereits etwa 48 Prozent des Marktes erreichen. Im Ganzzugverkehr liegt ihr Anteil mit 63,5 Prozent sogar deutlich darüber. Auf den wichtigen Transitachsen über den Brenner sowie entlang der Westachse dominieren alternative Anbieter bereits mit Marktanteilen von jeweils über 60 Prozent.
Auch die Verkehrsleistung entwickelte sich positiv: Netto- und Bruttotonnenkilometer legten gegenüber dem Vorjahr um knapp fünf Prozent zu. Die transportierte Gütermenge stieg zum zweiten Mal in Folge auf 117,6 Millionen Nettotonnen, blieb jedoch noch leicht unter dem Niveau von 2022.
Baustellen verzerren das Marktbild
Die positiven Leistungskennzahlen spiegeln allerdings nur eingeschränkt ein tatsächliches Marktwachstum wider. Umfangreiche Bauarbeiten im deutschen Schienennetz sowie die Sperre der Tauernbahn führten zu weiträumigen Umleitungen und längeren Transportwegen, wodurch die Verkehrsleistung statistisch anstieg.
„Der Wettbewerb auf der Schiene funktioniert, braucht aber freie Kapazitäten“, betont Maria-Theresia Röhsler, Geschäftsführerin der Schienen-Control. „Die Mitbewerber oder Rail Cargo Austria bedienen mittlerweile fast die Hälfte des Güterverkehrsmarktes. Die Zuwächse bei der Verkehrsleistung sind dabei großteils umleitungsbedingt und nicht auf reales Wachstum zurückzuführen.“
Röhsler fordert deshalb bessere Rahmenbedingungen: „Wenn der Schienengüterverkehr wettbewerbsfähig bleiben soll, brauchen wir dringend bessere Planbarkeit der Trassenführung und eine europäisch abgestimmte Baustellenkoordination.”
Höhere Kosten erhöhen Druck auf die Schiene
Die zahlreichen Umleitungen belasteten die Eisenbahnunternehmen zusätzlich. Längere Laufwege und steigende Betriebskosten erhöhten den Wettbewerbsdruck gegenüber dem Straßengüterverkehr. Gleichzeitig musste mehr als ein Viertel der gesamten Güterverkehrsleistung über kurzfristig bestellte Ad-hoc-Trassen abgewickelt werden. Bei privaten Eisenbahnunternehmen lag dieser Anteil sogar bei über 40 Prozent.
Abhilfe soll die neue EU-Kapazitätsverordnung schaffen, die eine bessere grenzüberschreitende Abstimmung von Infrastrukturarbeiten ermöglichen und die Planbarkeit internationaler Güterverkehre verbessern soll.
Mehr Eisenbahnunternehmen am Markt
Der Wettbewerb spiegelt sich auch in der Zahl der Marktteilnehmer wider. Ende 2025 verfügten 98 Eisenbahnunternehmen über eine Berechtigung zum Betrieb von Zügen in Österreich – elf mehr als im Vorjahr. 74 Unternehmen waren berechtigt, das Netz der ÖBB-Infrastruktur zu nutzen – so viele wie noch nie. Damit setzt sich die Öffnung des österreichischen Schienengütermarktes weiter fort, auch wenn Infrastrukturengpässe die Entwicklung derzeit bremsen.
