Pfandsystem wächst weiter

15.05.2026 | Branchenlösungen

Das Pfandsystem für Getränkeverpackungen etabliert sich in Österreich zunehmend. ÖKOPoint nutzt die Dynamik und baut seine Aktivitäten in der Kreislaufwirtschaft gezielt aus.

Das Sammeln von Getränkeflaschen und Dosen zur Wiederverwertung ist für Endverbraucher in Österreich mittlerweile gelebter Alltag. Bis Ende 2025 wurden 1,4 Milliarden Gebinde wiederverwertet, was einer Sammelquote von mehr als 80 Prozent entspricht. Nach der gesetzlichen Einführung der Sammelpflicht läuft dieser Kreislauf stabil.

ÖKOPoint, ein Joint Venture der Cargoe GmbH und Kerschner Umweltservice & Logistik GmbH, kümmert sich um die Prozesse nach der Rückgabe und verzeichnet im vergangenen Jahr einen stabilen Rückfluss – mit steigender Tendenz. 2025 konnte das Unternehmen die drei Abfallzählstellen in Vorchdorf, Dobel und Schönwies in Vollbetrieb nehmen. Diese bilden die zentralen Eckpfeiler, doch entlang der gesamten Prozesskette wird kontinuierlich an Optimierungen gearbeitet.

Verbesserung entlang der Prozesskette

„Es kommen immer mehr Dosen zurück. Jetzt muss das System des Recycling-Pfands noch optimiert werden. Im Moment holen wir die leeren Gebinde in Säcken von den Sammelstellen ab. Diese Säcke werden zwischengelagert, bevor sie zur Presse gelangen. Bei dieser Lagerung sehen wir noch Verbesserungspotenzial“, erklärt Harald Jony, Geschäftsführer bei Cargoe. Auch scheinbar kleine Anpassungen können dabei große Effekte haben. Der Einsatz von Säcken und unterschiedlichen Containern spart im Vergleich zu herkömmlichen Methoden Platz an den Standorten und reduziert das Transportgewicht.

„Da hat man relativ viel gelernt, wo man diese hinstellen muss, wie viele man hinstellen muss; ein Optimierungspotenzial, um Österreich perfekt auszunutzen. Wir probieren auch bei der Beladung der Sattelzüge Verschiedenstes aus. Wenn wir etwa an die Verwertung gebrauchter Kaffee-Alu-Kapseln denken, einer unserer Erweiterungen im Bereich Recycling, konnten wir schon mehrere, erfolgreiche Testläufe machen. Die Kapseln sind nämlich nass und schwer. Sie benötigen einen anderen Zugang als Kunststoffflaschen. In Wien gibt es aktuell ein paar Tausend Tonnen gebrauchter Kapseln, die herumliegen. Lokale Entsorger würden klassische Mistkübel benutzen. Wenn wir auf die Kübel verzichten, brauchen wir auch nicht so ein großes Auto. Es ist ein Bereich, den wir sicherlich in unsere Kreislaufsysteme einbinden werden“, so Jony weiter.

Neue Felder in der Kreislaufwirtschaft

Gemeinsam mit Kerschner Umweltservice & Logistik arbeitet ÖKOPoint zudem an weiteren Themenfeldern wie Altpapier und Altkleider. Bis 2027 muss Österreich eine EU-Richtlinie zum Textilrecycling umsetzen. In Österreich fallen jährlich mehr als 200.000 Tonnen textile Abfälle an, von denen bisher nur rund ein Viertel getrennt gesammelt wird. Der Großteil landet weiterhin im Restmüll oder wird verbrannt.

Eine besondere Herausforderung stellen die unterschiedlichen Materialien dar, die in einem Kleidungsstück kombiniert sind. Kritiker sehen hier vor allem die Hersteller in der Verantwortung, die Wiederverwertbarkeit bereits im Designprozess zu berücksichtigen. Die EU verfolgt das Ziel, die Kosten für Sammlung, Sortierung und Recycling stärker den Produzenten zuzuordnen.

ÖKOPoint setzt im Textilrecycling dort an, wo kurzfristig praktikable Lösungen möglich sind. Für 2026 sind mehrere Testläufe geplant, um Altkleider mit dem bestehenden Netzwerk wirtschaftlich sinnvoll zu verarbeiten. Dafür dürfte auch zusätzliches Personal notwendig werden.

Expansion über Österreich hinaus

Parallel dazu baut das Unternehmen seine Aktivitäten im Logistikbereich weiter aus. Harald Jony verweist auf eine kürzlich erweiterte Zusammenarbeit mit einem schwedischen Möbelhersteller. Die Zustellung erfolgt inzwischen österreichweit mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Zudem wächst die Zahl der Montageteams, die Möbel und Küchen beim Kunden installieren, auf mittlerweile rund 100. Auch eine Partnerschaft in Baden-Württemberg wurde aufgebaut.

Der nächste Schritt ist bereits definiert:„Deutschland ist für uns ein großes Thema ab Jänner 2027. Natürlich wollen wir im Nachbarland auch wachsen.“

Die Entwicklung zeigt, dass die Kombination aus Kreislaufwirtschaft und Logistik zunehmend an Bedeutung gewinnt. Wer Prozesse frühzeitig anpasst und neue Geschäftsfelder erschließt, kann daraus nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile
ziehen.

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