(v.l.) Höfinger, Eitler und Pulker-Rohrhofer bilden den neuen Vorstand des DLC. (Foto: DamenLogistikClub)
158 Mitglieder aus mehr als 88 Unternehmen zählt der DamenLogistikClub (DLC) heute. Für Doris Pulker-Rohrhofer, Vorstandsmitglied des Clubs und Technische Geschäftsführerin des Hafen Wien, ist allein diese Entwicklung ein Zeichen dafür, dass sich in der Branche etwas verändert hat. Als sie vor elf Jahren zum Hafen Wien kam, seien Veranstaltungen und Podien noch deutlich männlicher geprägt gewesen. „Heute sehen wir viel mehr Frauen im Publikum, in Diskussionsrunden und auf der Bühne“, sagt sie. Auch der Club selbst habe dazu beigetragen, Frauen und ihre Expertise sichtbarer zu machen.
Sandra Eitler, stellvertretende Studiengangsleiterin im Studiengang „Logistik und strategisches Management“ an der FH des BFI Wien und seit Sommer 2026 neu im Vorstand des DLC, beobachtet eine ähnliche Entwicklung aus Sicht der Hochschulen. Der Anteil weiblicher Studierender in Logistikstudiengängen habe sich über die vergangenen Jahre zwar nicht dramatisch erhöht. Verändert habe sich aber, was danach passiert. „Die Frauen werden in der Branche sichtbarer“, sagt Eitler. Während Absolventinnen früher häufiger in andere Bereiche wechselten, würden heute deutlich mehr von ihnen tatsächlich in der Logistik Fuß fassen und dort bleiben.
Gerade das sei entscheidend. Denn gut ausgebildete Frauen zu gewinnen, reiche nicht aus. Die Branche müsse ihnen auch Bedingungen bieten, unter denen eine langfristige Karriere möglich ist.
Vorbilder statt Einzelkämpferinnen
Eine zentrale Aufgabe des Clubs sieht Pulker-Rohrhofer deshalb in der Vorbildwirkung. Junge Frauen müssten sehen, dass andere vor ihnen bereits Führungsverantwortung übernommen hätten und dabei gerne in der Branche arbeiteten. „Wir sind Role Models“, sagt sie.
Petra Höfinger, Geschäftsführerin von Art for Art und ebenfalls Mitglied des Vorstands des DLC, sieht die Stärke des Clubs vor allem im niederschwelligen Zugang zu einem Netzwerk, das sich andernorts nur schwer aufbauen lasse. Veranstaltungen, Exkursionen, Fachvorträge und persönliche Kontakte eröffneten jungen Berufseinsteigerinnen Zugänge zu erfahrenen Managerinnen. „Wenn man gerade seine Karriere beginnt, ist es auf anderem Weg fast unmöglich, diesen Effekt zu erzielen“, sagt Höfinger. Der Club soll dabei bewusst kein exklusiver Zirkel für Topmanagerinnen sein. Angesprochen sind ebenso Studentinnen, Fachkräfte, Unternehmerinnen, Frauen in operativen Funktionen oder bereits pensionierte Expertinnen.
Für den Vorstand beginnt nun dennoch eine nächste Entwicklungsphase. Höfinger spricht davon, dass der Club „aus den Kinderschuhen in die Erwachsenenphase“ komme. Künftig sollen vor allem Unternehmensmitgliedschaften stärker ausgebaut werden. Ziel sei es, den DamenLogistikClub dauerhaft in den großen und mittelständischen Logistikunternehmen zu verankern – etwa als Angebot, auf das Personalabteilungen neue Mitarbeiterinnen gezielt aufmerksam machen können.
Pulker-Rohrhofer setzt zusätzlich auf mehr Sichtbarkeit der Mitglieder selbst. Eine neue Website ist bereits online, künftig sollen dort Mitgliederporträts Einblicke in Karrierewege geben.
Eine Freundschaft auf Zeit
Herzstück der Nachwuchsarbeit bleibt das Mentoringprogramm. Es ist inzwischen in die vierte Runde gestartet und hat sich nach Einschätzung des Vorstands zu einem der erfolgreichsten Angebote des Clubs entwickelt. Neun Tandems aus Mentorin und Mentee bilden den aktuellen Durchgang. Ein fixes Curriculum gibt es nicht. Manche Tandems treffen sich regelmäßig, andere bei Bedarf. Es geht um Gehaltsverhandlungen, Jobwechsel, Auftritte vor Publikum, Familienplanung oder die Frage, in welche Richtung sich eine Karriere überhaupt entwickeln soll. Im Mittelpunkt stünden persönliche Entwicklung, Einblicke in die Branche und Orientierung.
Höfinger beschreibt Mentoring als eine Art „Freundschaft auf Zeit“: wohlwollend, aber mit professioneller Distanz. Die Mentorin könne Erfahrungen weitergeben, ohne Vorgesetzte, Familienmitglied oder bezahlter Coach zu sein. Gerade deshalb könnten auch Fragen besprochen werden, die im eigenen Unternehmen oft keinen Platz hätten. „Man entwickelt mit einer jungen Frau ein Stück weit ihr Berufsleben mit“, sagt Höfinger.
Bleiben ist die eigentliche Aufgabe
Trotz aller Fortschritte sieht der Vorstand keinen Grund zur Selbstzufriedenheit. Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Rückkehr nach der Karenz seien weiterhin ungelöst. Gerade hier könne ein Netzwerk zwar unterstützen, strukturelle Probleme aber nicht allein beseitigen. Eitler verweist darauf, dass Frauen nach einer Familienphase nicht automatisch auf weniger verantwortungsvolle Positionen zurückfallen dürften. Unternehmen müssten Modelle schaffen, die Karriere auch mit reduzierten Stunden ermöglichen. Was dabei verbessert werde, komme letztlich nicht nur Frauen zugute. „Gute Arbeitsbedingungen sind für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut.“
Pulker-Rohrhofer sieht deshalb Hochschulen, Unternehmen, Politik und Netzwerke gemeinsam in der Verantwortung. Frauen müssten nicht nur für die Logistik gewonnen werden. „Sie müssen auch bleiben.“ Genau darin liegt die nächste Mission des DLC: nicht mehr nur zu zeigen, dass Frauen in der Logistik angekommen sind – sondern dafür zu sorgen, dass sie dort Karriere machen können.
