Startschuss für emissionsfreien Schwerlastverkehr: Frank Lacroix, ENGIE (rechts), und Dr. Dirk Claus, SEEHAFEN KIEL GmbH & Co. KG, haben am PORT OF KIEL. | © ENGIE Deutschland / Peter Lühr
ENGIE Vianeo und PORT OF KIEL haben am 1. September einen neuen Ladepark für schwere Nutzfahrzeuge am Ostuferhafen eröffnet. Vier Ladestationen mit jeweils zwei Ladepunkten bieten insgesamt acht Lademöglichkeiten für E-Lkw. Sie arbeiten mit dem Combined Charging System (CCS) und stellen eine maximale Ladeleistung von 400 kW bereit.
Der Standort ist vor allem wegen seiner Funktion im europäischen Güterverkehr relevant. Der Ostuferhafen liegt an den Fährverbindungen ins Baltikum und nach Nordschweden. Lkw können damit während ohnehin anfallender Stand- und Ruhezeiten geladen werden.
„Wir stehen gemeinsam vor der Herausforderung, unsere Transporte klimaneutral zu gestalten“, sagte Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt bei der Eröffnung. Die Ladeinfrastruktur entstehe dort, „wo bereits heute ein hohes Aufkommen an schweren Nutzfahrzeugen besteht und längere Standzeiten anfallen“.
Zwölf Ladepunkte an zwei Kieler Standorten geplant
Mit dem Ostuferhafen soll der Ausbau noch nicht abgeschlossen sein. Am Norwegenkai ist ein weiterer Standort mit vier Ladepunkten geplant. Dort legen die Fähren Richtung Norwegen ab. Insgesamt sollen damit künftig zwölf Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge an den beiden Hafenstandorten zur Verfügung stehen.
Alle Ladepunkte sollen mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Die Infrastruktur ist sowohl für Schnellladen als auch für längere Ladevorgänge ausgelegt. Damit verbindet der Hafen die Ladeplanung mit einem wichtigen Faktor im Fernverkehr: den gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten der Fahrer.
Für PORT OF KIEL ist die Ladeinfrastruktur zugleich Teil der eigenen Dekarbonisierungsstrategie. „Wir sind stolz, dass wir durch die neue Ladeinfrastruktur den Seehafen Kiel als zentralen Bestandteil des Lkw-Ladekorridors in Europa aufstellen“, sagt Dirk Claus, Geschäftsführer der SEEHAFEN KIEL GmbH & Co. KG. Das Projekt sei ein weiterer Schritt zum Ziel, den Hafen klimaneutral zu betreiben.
ENGIE Vianeo startet ersten deutschen Standort
Für ENGIE Vianeo markiert Kiel zugleich den Einstieg in den operativen Betrieb eigener Ladeinfrastruktur in Deutschland. Der Ladepark ist der erste deutsche Standort des Unternehmens. ENGIE Vianeo ist seit Juli 2025 auf dem deutschen Markt aktiv und hat unter anderem ein Mandat von Bund und Autobahn GmbH für 26 Ladeparks des geplanten Lkw-Schnellladenetzes erhalten.
Europaweit betreibt das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 11.000 Ladepunkte. Bis 2030 sollen es 25.000 werden, davon 1.000 speziell für schwere Nutzfahrzeuge.
„Deshalb fokussieren wir uns in Deutschland auf Standorte, die an strategisch wichtigen Transitkorridoren liegen, um den Ausbau der Elektromobilität für Lkw gezielt zu fördern“, erklärt Jan-Niklas Ellerich, Geschäftsführer von ENGIE Vianeo in Deutschland.
Häfen werden zu Ladepunkten im Fernverkehr
Der Kieler Standort zeigt dabei eine Entwicklung, die für die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs zunehmend entscheidend wird: Ladeinfrastruktur muss dort entstehen, wo sich die Fahrzeuge im regulären Transportablauf ohnehin aufhalten. Häfen und Fährterminals bieten dafür günstige Voraussetzungen, weil Warte-, Abfertigungs- und Ruhezeiten mit dem Laden verbunden werden können.
Gerade für internationale Verkehre gewinnt die Einbindung solcher Standorte in ein durchgängiges Ladenetz an Bedeutung. Der Ausbau in Kiel ist deshalb weniger wegen der zunächst acht Ladepunkte relevant als wegen ihrer Lage an den Güterverkehrsachsen zwischen Deutschland, Skandinavien und dem Baltikum.
