„Ich möchte das Bild des Hafens stärker in der Gegenwart verankern“

20.02.2026 | Containerschifffahrt, Infrastruktur, Wasser

Der Hamburger Hafen befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Hendrik Meyn, CEO von Hafen Hamburg Marketing, spricht im Interview mit Verkehr über seine ersten Monate im Amt, strategische Ziele und die internationale Ausrichtung des Hafens.

Sie sind neben Axel Mattern seit Kurzem CEO von Hafen Hamburg Marketing. Wie haben Sie sich in die Welt der Hafenwirtschaft eingearbeitet?

Die ersten Monate waren ausgesprochen intensiv und bereichernd. Meine Arbeit beschränkt sich dabei nicht nur auf den Hafen allein, sondern reicht tief in das deutsche und europäische Hinterland hinein – von Industrie und Handel bis hin zu Logistik- und Infrastrukturpartnern.

Was mich dabei besonders beeindruckt, ist das große Engagement der Menschen in dieser Branche. Bei meinen zahlreichen Gesprächen und Besuchen bin ich überall auf große Begeisterung und spürbaren Stolz auf die eigene Arbeit gestoßen. Diese Haltung prägt die Logistikwirtschaft in besonderer Weise.

Ein zentrales Thema meiner Gespräche mit Hafenunternehmen ist der Klimawandel und der daraus resultierende Druck hin zu einer CO₂-neutralen Hafenwirtschaft. Dabei ist bemerkenswert, mit welcher Stringenz die Betriebe diesen Wandel angehen. Dieser Transformationsprozess ist jedoch mit erheblichen Investitionen verbunden. Viele davon wurden in einer Zeit beschlossen, in der sich der Welthandel vergleichsweise stabil entwickelte. Er wurde getragen von verlässlichen Regeln, langfristigen Partnerschaften und berechenbaren Handelsströmen. Die aktuellen geopolitischen Verwerfungen, die Neuordnung globaler Lieferketten und das Verschieben von Handelsrouten haben diese Annahmen spürbar erschüttert und die Planungssicherheit reduziert.

Gerade vor diesem Hintergrund zeigt sich jedoch eine besondere Stärke des Hamburger Hafens. Die geografische Position macht den Hafen zu einem zentralen Logistikknoten für jegliche Arten des Warenverkehrs nach Süddeutschland, Südosteuropa und insbesondere nach Österreich. Die starke Anbindung an Schiene und Binnenwasserstraßen ermöglicht es, große Warenmengen effizient und vergleichsweise klimafreundlich ins europäische Hinterland zu transportieren. Dies ist ein klarer Wettbewerbsvorteil in Zeiten wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen.

In welchen Regionen wollen Sie die Marketingaktivitäten künftig verstärken?

Unsere Marketing- und Vertriebsaktivitäten richten wir konsequent entlang der tatsächlichen Warenströme und Wachstumspotenziale aus: national, europäisch und international. National liegt ein klarer Schwerpunkt in Süddeutschland. Gerade dort ist es uns wichtig, die essenzielle Bedeutung des Hamburger Hafens für die regionale Industrie und Wertschöpfung noch stärker zu betonen. Dies werden wir unter anderem durch eine neue Mitarbeiterin erreichen, die sich gezielt in Baden-Württemberg und der Schweiz um die Marktbearbeitung kümmern wird.

Auf europäischer Ebene wollen wir unsere Aktivitäten insbesondere in Skandinavien und im Baltikum festigen. Diese Regionen sind traditionell eng mit dem Hamburger Hafen und den Häfen der Metropolregion verbunden und gewinnen im Zuge resilienter Lieferketten und nachhaltiger Transportkonzepte weiter an Bedeutung.

International gilt es, das Momentum aktueller handelspolitischer Entwicklungen gezielt zu nutzen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Indien. Seit mittlerweile 15 Jahren unterhalten wir gemeinsam mit Hamburger Partnern ein Repräsentanzbüro in Mumbai. Diese kontinuierliche Präsenz hat es der Hamburger Hafenwirtschaft ermöglicht, über eineinhalb Jahrzehnte hinweg ein belastbares Netzwerk aufzubauen und vertrauensvolle Beziehungen zu etablieren. An diesen Erfolg wollen wir anknüpfen und die Zusammenarbeit weiter vertiefen.

Darüber hinaus sehen wir großes Wachstumspotenzial in der Golfregion. Sie ist eine zentrale Drehscheibe zwischen Europa, Asien und Afrika und gewinnt sowohl für neue Lieferkettenstrukturen als auch für zukünftige Energieträger erheblich an Bedeutung. Um diesen Markt noch intensiver bearbeiten zu können und dauerhaft vor Ort präsent zu sein, haben wir im Januar 2026 ein Repräsentanz-Office in Dubai eröffnet.

Welche Bedeutung hat der österreichische Markt für Sie?

Seit der Einführung der Containerisierung bleibt der Hamburger Hafen ununterbrochen der wichtigste Hafen für die österreichische Wirtschaft. 2024 wurden 308.000 TEU zwischen Hamburg und Österreich transportiert. Österreich ist damit das zweitwichtigste europäische Partnerland im Seehafenhinterlandverkehr des Hamburger Hafens.

Durch diese intensiven Handelsbeziehungen sind langjährige und enge Partnerschaften entstanden. Dass unsere Repräsentanz in Wien heuer ihr 75-jähriges Jubiläum feiert, spricht für sich. Auch durch ihre Arbeit konnten die Beziehungen intensiviert werden.

Welche Maßnahmen planen Sie, um die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens zu sichern?

Der Hamburger Hafen ist permanent dabei, seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Im Hafenentwicklungsplan 2040 sind die Leitplanken hierfür festgehalten. Nachhaltigkeit ist hierbei ein entscheidender Faktor. Dies schlägt sich in zahlreichen Projekten und Maßnahmen nieder. Nur beispielhaft seien hier Projekte der HHLA genannt, die auf ihrem Container Terminal Tollerort eine Wasserstofftankstelle eingerichtet hat und nun den Betrieb von Großgeräten mit Brennstoffzellenantrieb testet.

Daneben hat die Hamburg Port Authority (HPA) Landstromanschlüsse an allen Container- und Kreuzfahrtterminals installiert, wodurch die festgemachten Schiffe ihre Generatoren während der Liegezeit abschalten können. 

Die HHLA setzt zudem noch das größte „Brownfield-Projekt“ der Branche in Europa um: die Transformation des Container Terminals Burchardkai. Durch diese Maßnahme, die bei laufendem Betrieb durchgeführt wird, steigt die Effektivität und damit auch die Kapazität erheblich.

Ein weiterer entscheidender Pfeiler für die Entwicklung des Hafens, aber auch für die Versorgungssicherheit der deutschen Wirtschaft, ist der sogenannte Sustainable Energy Hub. Auf dieser im Hafenentwicklungsplan definierten Fläche sollen Unternehmen des Energieumschlags und der Energieerzeugung angesiedelt werden. Ein Leuchtturmprojekt ist das Ammoniak-Importterminal, das durch das Unternehmen MB Energy vorangetrieben wird.

Wie soll sich der Hafen Hamburg bis 2030 positionieren?

Ich möchte das Bild des Hamburger Hafens stärker in der Gegenwart verankern. Der Hafen steht für mich für hochmoderne Prozesse, Effizienz, Innovationskraft und nachhaltiges Wirtschaften. Er steht für eine unverzichtbare Wertschöpfung für Hamburg, Deutschland und Europa. Der Hafen gewährleistet die Versorgung ganzer Regionen. Diese zentrale Rolle wird aus meiner Sicht bis 2030 weiter stark zunehmen. Mein Anspruch ist es, diese Bedeutung klar und zeitgemäß sichtbar zu machen.

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