Gefahr, gut verpackt

07.10.2026 | Branchenlösungen, Gefahrgut

Wie ein Spezialist aus Schwechat die Gefahrgutlogistik neu denkt, erklärt Geschäftsführer Roland Raab.

Zwischen Kartons, Fässern und Kanistern liegt oft nur ein schmaler Grat zur Katastrophe – und genau auf diesem Grat bewegt sich Roland Raab seit fast zwei Jahrzehnten. 2020 ist er in die Geschäftsführung von Dangerous Goods Solutions berufen worden, seit Ende 2025 führt er als alleiniger Geschäftsführer die Geschicke des Unternehmens, das 2008 gegründet wurde und sich heute nicht mehr als klassischer Gefahrgutberater versteht, sondern als Logistiker mit Fachwissen im Blut. Sein Anspruch: Wer Gefahrgut verschickt und sich für sein Unternehmen entscheidet, soll sich ab der Kontaktaufnahme um nichts mehr kümmern müssen.

Wenn Minuten über die Sendung entscheiden

Der Firmensitz in Schwechat, wenige Minuten vom Flughafen Wien entfernt, ist kein Zufall, sondern Strategie. Gerade in der Luftfracht, die mit rund 70 Prozent aller Sendungen das Kerngeschäft von Dangerous Goods Solutions bildet, zählt oft jede Stunde. Muss eine Sendung kurzfristig korrigiert, neu verpackt oder nachdokumentiert werden, kann diese Nähe über Anschlussflug oder Verspätung entscheiden. Entsprechend stark ist das Unternehmen in der Notfalllogistik aufgestellt.

„Wir können Ware direkt beim Kunden abholen, sie zu unserem Standort bringen und dort fachgerecht für den jeweiligen Verkehrsträger vorbereiten“, beschreibt Raab den Ablauf. Verpackung, Kennzeichnung, Dokumentation – alles läuft unter einem Dach, ehe die Sendung zurück in den Transportprozess übergeben wird. Für Zwischenlagerungen greift das Unternehmen zusätzlich auf ein Partnernetzwerk rund um den Flughafen zurück. Für die Kunden bedeutet das vor allem eines: einen einzigen Ansprechpartner statt mehrerer Dienstleister, die koordiniert werden müssen.

Neben der Luftfracht macht die Seefracht rund 20 Prozent des Geschäfts aus – hier erstellt das Unternehmen unter anderem IMO-Erklärungen und unterstützt bei Containerstauung und Packzertifikaten –, der Straßenverkehr rund 10 Prozent, inklusive ADR-Dokumentation und eigener Transportdurchführung. „Die Luftfracht bleibt aus meiner Sicht der anspruchsvollste Bereich. Die Vorgaben sind streng, die Kontrollen entsprechend genau und die Zeitfenster häufig kurz.” Besonders bei Lithiumbatterien oder radioaktiven Stoffen der Klasse 7, so Raab, sei fundiertes Fachwissen unverzichtbar – zumal dieselbe Ware je nach Verkehrsträger völlig unterschiedlichen Vorschriften unterliegen kann.

Rundum-Dienstleister

Ein zweites, stetig wachsendes Standbein ist die Rolle als externer Gefahrgutbeauftragter: Bei mehr als 50 Kunden ist Dangerous Goods Solutions offiziell benannt und übernimmt Unterweisungen ebenso wie die Erstellung der Jahresberichte – ein Geschäftsfeld, das rund 15 Prozent des Umsatzes ausmacht. Gerade KMU, die sich kein eigenes Spezialwissen aufbauen können, kommt diese Expertise zugute, wie Raab betont: „Ein externer Spezialist bringt dagegen Erfahrung aus vielen unterschiedlichen Fällen und Unternehmen mit.”

Zum Kundenstamm zählen Farben- und Chemiehändler ebenso wie Universitäten, Luftfahrtunternehmen und internationale Organisationen wie die IAEA – im Umfeld des Standorts Seibersdorf hat sich das Unternehmen besondere Erfahrung im Umgang mit radioaktiven Stoffen der Klasse 7 erarbeitet. Auch Speditionen, vom internationalen Konzern bis zum kleinen Familienbetrieb, greifen bei der Gefahrgutabwicklung bewusst auf die Schwechater Spezialisten zurück, statt selbst tief ins Regelwerk einzusteigen. „Wir arbeiten seit vielen Jahren eng mit Speditionen zusammen und wollen mit unseren Partnern nicht in Konkurrenz treten.” Aktuell baut das Unternehmen zudem einen Bereich als neutraler Frächter für andere Speditionen auf, mit Fokus auf Abholungen in ganz Österreich mit Ziel Flughafen Wien.

Investiert wird derzeit vor allem in den eigenen Standort: zusätzliche Verpackungskapazitäten, neue Palettenplätze, ein weiteres Containergebäude – und erstmals auch gezielt in Marketing, um das Unternehmen am Markt sichtbarer zu machen.

Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis, wie Raab klarstellt: „Wir wollen dort wachsen, wo wir unsere Spezialisierung sinnvoll einsetzen können und unseren Kunden einen echten Mehrwert bieten.”

Technik unterstützt

Fachkräfte zu finden, zählt Raab zu den größten Herausforderungen der Branche – Erfahrene kommen kaum auf den Arbeitsmarkt. Die Antwort des Unternehmens: gezielte Ausbildung von Quereinsteigern. Das Team ist in den vergangenen 20 Monaten von sechs auf zehn Personen gewachsen, geschult wird nicht für einen einzelnen Verkehrsträger, sondern für alle gemeinsam, ergänzt um regelmäßige Auffrischungen und fallbezogene Vertiefung bei ungewöhnlichen Sendungen.

Auch Digitalisierung ist Thema: Zwei eigens entwickelte Programme sollen künftig administrative Prozesse unterstützen. An der Kernaussage lässt Raab dabei keinen Zweifel: „Technologie soll unsere Mitarbeiter deshalb unterstützen, nicht ersetzen.“ Gerade beim Prüfen, Verpacken und Kennzeichnen einer Sendung bleibe der Mensch entscheidend, die fachliche Beurteilung und Verantwortung müssten bei ausgebildeten Personen bleiben. Am Ende, sagt Raab, gehe es bei allem Regelwerk um eine einzige Frage: Sicherheit. Vorschriften seien kein Selbstzweck – hinter jeder Kennzeichnung und jedem Dokument stehe der Schutz von Mensch und Umwelt. Genau darin sieht er die Aufgabe seines Unternehmens: Gefahrgut so vorzubereiten und zu transportieren, dass es sicher, regelkonform und möglichst effizient an seinem Ziel ankommt.

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