Foto: DSV
Das Logistikunternehmen DSV hat eine vollelektrische Transportverbindung über die Brennerroute in den Regelbetrieb überführt. Auf der Strecke zwischen Neufahrn bei München und Sterzing in Südtirol kommt künftig täglich ein E-Lkw im Stückgutverkehr zum Einsatz.
Besonders relevant: Der Einsatz erfolgt auch in der Nacht – ein Vorteil gegenüber Diesel-Lkw, für die auf der Tiroler Inntalautobahn (A12) ein Nachtfahrverbot gilt. E-Lkw sind von dieser Regelung ausgenommen.
Regulatorischer Vorteil wird zum Effizienzfaktor
Die Ausnahme vom Nachtfahrverbot ermöglicht erstmals eine durchgängige 24-Stunden-Systemlaufzeit auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Achsen Europas. Damit kann DSV den Güterfluss unabhängig von Verkehrsrestriktionen stabilisieren.
„Die Tradelane Deutschland–Italien ist eine zentrale Achse im europäischen DSV-Netzwerk“, sagt Ralf Többe, Senior Vice President Road DACH. Ziel sei es, „verlässliche Kapazitäten“ auch unter schwierigen Rahmenbedingungen sicherzustellen.
Gerade auf der Brennerroute führen Maßnahmen wie Blockabfertigungen oder Baustellen – etwa an der Luegbrücke – regelmäßig zu Verzögerungen. Der nächtliche Einsatz des E-Lkw schafft hier zusätzliche Flexibilität.
Technik ermöglicht Alpenquerung ohne Zwischenladung
Der eingesetzte 40-Tonner verfügt über eine Reichweite von rund 500 Kilometern und bewältigt die etwa 490 Kilometer lange Rundstrecke ohne Zwischenladen. Unterstützt wird die Effizienz durch Rekuperation auf Gefällstrecken.
Geladen wird das Fahrzeug am Standort Neufahrn über eine High-Power-Charging-Infrastruktur, die mit einer Photovoltaikanlage kombiniert ist. Ein Batteriespeicher stellt sicher, dass auch nachts ausreichend Energie zur Verfügung steht.
Mit einer Nutzlast von rund 22 Tonnen wird der E-Lkw im klassischen Stückgutverkehr eingesetzt.
Signal für nachhaltige Alpenlogistik
Neben der CO₂-Reduktion spielt auch die Lärmminderung eine Rolle: Der leisere Betrieb entlastet Anwohner entlang der stark frequentierten Brennerroute.
Mit dem Schritt positioniert sich DSV als Vorreiter beim Einsatz elektrischer Schwerlastverkehre im alpinen Transit. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie regulatorische Rahmenbedingungen und neue Antriebstechnologien zusammenspielen können, um nachhaltige Logistiklösungen im internationalen Verkehr zu etablieren.
