Gemeinsam an der Spitze von Schlager Transporte: Regina, Hubert und Gloria Schlager (von links). (Foto: Schlager Transporte)
Fühlen sich mittelständische Transportunternehmen beim Umstieg auf E-Lkw ausreichend unterstützt?
Es hat sich in den letzten Jahren deutlich etwas verbessert. Vor drei bis vier Jahren war die Situation noch eine ganz andere: Selbst von Herstellern und Verkäufern wurde einem die Elektromobilität eher ausgeredet, weil schlicht die Erfahrung und das Vertrauen gefehlt haben. Das hat sich heute spürbar geändert, die Branche hat hier dazugelernt.
Trotzdem darf man sich nichts vormachen: Der Umstieg funktioniert nur, wenn er vom Unternehmer selbst kommt. Man muss dahinterstehen und bereit sein, sich intensiv damit zu beschäftigen – sonst wird es nicht funktionieren.
In Österreich haben die Förderungen in den letzten Jahren eine entscheidende Rolle gespielt. Ohne diese Unterstützung wären viele Projekte, auch unseres, so nicht möglich gewesen. Aktuell sehen wir aber, dass Förderungen unsicherer werden oder ganz wegfallen. Genau hier entsteht ein Problem.
Was die Branche jetzt braucht, ist vor allem Verlässlichkeit. Planbare Rahmenbedingungen, weiterhin Unterstützung bei der Infrastruktur und vor allem sinkende Fahrzeugpreise. Dann kann der Mittelstand den Umstieg schaffen – ohne diese Sicherheit wird es für viele sehr schwierig.
Ist das „Level Playing Field“ zwischen BEV und Verbrenner tatsächlich gegeben?
Nein, aktuell ist es noch nicht gegeben – und es hängt stark von den Rahmenbedingungen ab. Ein Elektro-Lkw wird erst dann wirtschaftlich interessant, wenn man das gesamte Ökosystem mitdenkt: eigene Stromerzeugung, Photovoltaik, Speicher und ein funktionierendes Depotladen. Das ist aber mit hohen Investitionen verbunden und nicht für jeden Betrieb sofort umsetzbar.
Ein entscheidender Faktor ist derzeit die Maut. Viele Unternehmen steigen vor allem deshalb um, weil hier ein klarer Kostenvorteil besteht. Es wird spannend, wie sich dieser Vorteil in Zukunft entwickelt – etwa ab 2031. Wenn dieser Abstand deutlich kleiner wird, wird es für viele Betriebe wirtschaftlich schwierig.
Gleichzeitig sehen wir in der Praxis noch klare Schwächen: Werkstattkosten für Elektro-Lkw sind teilweise schwer nachvollziehbar höher, obwohl die Technik eigentlich einfacher ist. Beim öffentlichen Laden sind die Preise aktuell zu hoch – wirtschaftlich funktioniert Elektromobilität im Transportbereich heute fast ausschließlich über das Depotladen.
Positiv ist, dass die Fahrzeuge im Alltag absolut einsatzfähig sind. Die Reichweiten passen, vor allem im Fernverkehr rechnet sich das System zunehmend. Überraschend ist aber, dass gerade der Nahverkehr – der eigentlich am einfachsten zu elektrifizieren wäre – aktuell noch an den hohen Fahrzeugkosten scheitert.
Ein echtes Level Playing Field wird es erst geben, wenn Fahrzeuge günstiger werden, Energie planbar bleibt und sich das System auch ohne starke Förderungen trägt. Davon sind wir noch ein Stück entfernt.
Wo geraten Betriebe aktuell am stärksten unter Druck?
Wir kommen aus über 100 Jahren Diesel-Logik – tanken, fahren, fertig. Jetzt sprechen wir plötzlich über Investitionen von mehreren Millionen Euro allein für die Ladeinfrastruktur, wenn man einen Fuhrpark sinnvoll elektrifizieren will. Gleichzeitig arbeiten viele Transportunternehmen mit sehr niedrigen Margen. Diese Kombination erzeugt enormen Druck.
Dazu kommt, dass es kein einmaliges Investment ist. Die Infrastruktur wächst permanent mit. Wir haben bei uns bereits mehrere Ausbaustufen umgesetzt und stehen laufend vor der nächsten Erweiterung. Diese Dynamik ist für viele Betriebe schwer zu stemmen.
Unterm Strich verlangt die Umstellung den Unternehmen finanziell und organisatorisch sehr viel ab.
Wie stark beeinflussen Förderungen Ihre strategischen Entscheidungen?
Sehr stark – ohne Förderungen wäre der Umstieg auf Elektromobilität derzeit schlicht nicht möglich gewesen. Die Fahrzeugpreise sind nach wie vor zu hoch, und der Markt ist nicht bereit, die Mehrkosten über höhere Transportpreise zu tragen.
Förderungen und Mautvorteile sind deshalb aktuell die entscheidenden Hebel. In Österreich mit rund 75 Prozent Mautreduktion, in Deutschland sogar mit kompletter Befreiung entstehen überhaupt erst wirtschaftliche Modelle. Gleichzeitig braucht es hier dringend Planungssicherheit. Unternehmen müssen heute wissen, wie sich diese Vorteile in den nächsten Jahren entwickeln – insbesondere, wie der Abstand zur Dieselmaut künftig aussehen wird.
Man darf auch nicht vergessen: Förderungen gleichen ein enormes Risiko aus. Wir haben als Unternehmen sehr hohe Investitionen getätigt, ohne zu wissen, ob sich diese Technologie durchsetzt. Hätte sich die Elektromobilität nicht bewährt, wäre das wirtschaftlich schwer verkraftbar gewesen.
Heute sehen wir, dass die Technik funktioniert – Fahrzeuge sind zuverlässig, Batterien halten deutlich länger, als viele erwartet haben. Aber der Weg dorthin war nur mit Unterstützung möglich.
Was erwarten Sie von der Politik in den nächsten Jahren?
Das Wichtigste ist Verlässlichkeit. Unternehmen treffen heute Investitionsentscheidungen für die nächsten zehn Jahre – dafür brauchen wir klare und stabile Rahmenbedingungen. Konkret heißt das: Planungssicherheit bei Mautsystemen, klare Aussagen, wie sich der Vorteil für emissionsfreie Fahrzeuge entwickelt, und weiterhin gezielte Unterstützung beim Ausbau der Ladeinfrastruktur.
Mindestens genauso wichtig ist, dass das System einfacher wird. Weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen und klare Regeln – gerade beim Netzanschluss und bei Ladeprojekten.
Und ein zentraler Punkt: Die Politik darf die Transformation jetzt nicht abbremsen. Wenn Förderungen zu abrupt wegfallen oder Rahmenbedingungen unsicher werden, verliert der Markt an Dynamik.
Die Branche ist bereit, diesen Weg zu gehen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wird sie liefern – das hat sie immer getan.
