„Verlagerung funktioniert nur, wenn die Schiene planbar und wirtschaftlich ist.“ (Foto: Lagermax)
Wie war das Jahr 2025 für die österreichische Speditionswirtschaft angesichts vielfältiger wirtschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen?
2025 war für die österreichische Speditionswirtschaft ein weiteres sehr anspruchsvolles Jahr. Die Kombination aus anhaltender Industrieschwäche, gedämpftem Außenhandel, geopolitischen Unsicherheiten und hoher Kostenbelastung hat sich unmittelbar auf Transportmengen und Auslastung ausgewirkt. Viele Unternehmen mussten sich erneut stark auf Kostenmanagement, Flexibilität und Risikosteuerung konzentrieren. Gleichzeitig hat sich gezeigt, wie systemrelevant und resilient unsere Branche gerade in volatilen Zeiten ist. Dabei dürfen wir nicht nur national denken: Die schwierigen globalen Rahmenbedingungen wirken sich unmittelbar auf unsere Betriebe aus.
Wie präsentiert sich das wirtschaftliche Umfeld für die Logistikbranche bezüglich Mengen-, Preis- und Margenentwicklung?
Wir sehen rückläufige beziehungsweise stagnierende Mengen im industriellen Umfeld, im Handel und zunehmend auch beim Endkunden. Die Preise stehen weiterhin unter Druck, während Kosten für Personal, Energie, Maut, Finanzierung und Regulierung hoch bleiben. Das führt dazu, dass Margen vielfach sehr dünn sind oder sogar unter die wirtschaftlich notwendige Schwelle fallen. Das ist auf Dauer nicht nachhaltig und gefährdet den Standort Österreich – und ich meine nicht nur den Logistikstandort.
Welchen Eindruck haben Sie von der Arbeit der Bundesregierung mit Fokus auf die Anliegen Ihrer Branche?
Positiv hervorzuheben ist, dass es gelungen ist, Logistik klar als Standortfaktor zu verankern. Besonders freuen wir uns darüber, dass Bundesminister Peter Hanke auf unsere Initiative hin einen strukturierten Stakeholder-Prozess angekündigt hat. Dieser Prozess soll bereits bis Mitte 2026 konkrete, umsetzungsorientierte Maßnahmen erarbeiten, die den Logistik- und Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig stärken. Entscheidend wird sein, dass dieser Prozess neben Logistik und Infrastruktur auch die Energiewirtschaft miteinbezieht und daraus konkrete Maßnahmen zur Verbesserung ableitet.
Welche Anliegen reklamieren Sie in diesen Prozess hinein?
Ausgangspunkt muss sein, dass der Straßengüterverkehr rund siebzig Prozent des Güterverkehrs in Österreich abwickelt und dies auch auf absehbare Zeit so bleiben wird. Entsprechend muss der Masterplan den Straßengüterverkehr ins Zentrum rücken. Wir erwarten einen verkehrsträgerübergreifenden und realitätsnahen Zugang. Zentrale Anliegen sind die Sicherung und der Ausbau der Infrastruktur, eine deutlich bessere Koordination von Baustellen, die gezielte Stärkung des Kombinierten Verkehrs sowie Technologieoffenheit bei der Dekarbonisierung. Ebenso wichtig ist Planungssicherheit bei Förderungen. Der Masterplan muss Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Klimaziele in Einklang bringen, um tatsächlich wirksam zu sein. Und wir müssen die Maßnahmen europäisch, jedenfalls aber mit Nachbarländern wie Deutschland koordinieren.
Ihre Branche bekennt sich zur Dekarbonisierung im Güterverkehr. Wie kann das aus Ihrer Sicht am besten gelingen?
Dekarbonisierung gelingt nur mit Technologieoffenheit, Anreizen und realistischen Übergangslösungen. Die Situation in Deutschland ist sehr ähnlich wie in Österreich, allerdings ist man dort bei einzelnen Themen, insbesondere bei Wasserstoff und alternativen Antriebstechnologien, bereits ein paar Schritte weiter. Das zeigt, dass diese Technologien auch im Schwerverkehr realistisch sind, und wir sollten hier europäisch stärker in die gleiche Richtung arbeiten. Zero-Emission-Fahrzeuge sind wichtig, brauchen aber Infrastruktur und leistbare Rahmenbedingungen. Gleichzeitig müssen auch Übergangstechnologien wie HVO100, eFuels oder Effizienzmaßnahmen gefördert werden. Entscheidend ist, dass Unternehmen investieren können – nicht nur investieren sollen.
Die Speditionswirtschaft betont immer wieder die Bereitschaft zur Verkehrsverlagerung. Warum läuft es im Bahn- und Kombinierten Verkehr derzeit nicht rund?
Die Rahmenbedingungen passen einfach nicht. Engpässe durch Baustellen, mangelnde Zuverlässigkeit, hohe Kosten, lange Laufzeiten und internationale Koordinationsprobleme führen dazu, dass der Bahngüterverkehr an Wettbewerbsfähigkeit verliert. Verlagerung funktioniert nur, wenn die Schiene planbar, leistungsfähig und wirtschaftlich ist.
Ihr Verband fordert Ämderungen. Welche stellen Sie sich vor?
Erzwungene Verlagerungen auf die Schiene wie beispielsweise nach dem Abfallwirtschaftsgesetz sind kontraproduktiv, bringen keine zusätzliche Verlagerung und verteuern den Standort. Kritisch ist auch die Lkw-Maut: Die Erhöhungen liegen deutlich über der Inflation und wirken unmittelbar preistreibend für die Menschen in unserem Land. Die Bekanntgabe zu Weihnachten mit Geltung ab 1. Jänner ist darüber hinaus eine unnötige Zumutung. Eine fixe Ankündigung im September würde keinen Cent mehr kosten, aber dringend notwendige Planungssicherheit schaffen. Stattdessen braucht es gezielte Investitionsförderungen, planbare Programme, eine nachvollziehbare Mautlogik sowie schnellere Genehmigungen und steuerliche Anreize für klimafreundliche Technologien.
Wie verändert die Digitalisierung das Speditionsgeschäft und was empfehlen Sie den Unternehmen?
Digitalisierung verändert Prozesse, Transparenz und Kundenanforderungen grundlegend. Themen wie digitale Dokumente, Schnittstellen, Automatisierung und Datenqualität sind längst Wettbewerbsfaktoren. Meine Empfehlung: Schrittweise vorgehen, Standards nutzen, Mitarbeitende mitnehmen und nicht jedes System isoliert betrachten. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern ein Effizienz- und Qualitätshebel.
Wie stark ist Ihre Branche vom Fachkräftemangel betroffen, etwa bei Lkw-Fahrern?
Der Fachkräftemangel ist real und spürbar, sowohl im Fahrpersonal als auch in der Disposition oder IT.
Wie sehen Sie die künftigen Chancen, damit Österreich als Logistikstandort attraktiv bleibt?
Österreich verfügt aufgrund seiner zentralen Lage und seines logistischen Know-hows grundsätzlich über großes Potenzial. Aus heutiger Sicht sehen wir die künftigen Chancen jedoch kritisch, da in den vergangenen Jahren wichtige Hebel wie Energiepreise, Lohnkosten und Überregulierung in die falsche Richtung gestellt wurden. Gleichzeitig bleibe ich vorsichtig optimistisch und hoffe, dass die Politik nun gegensteuert und die Rahmenbedingungen wieder wettbewerbsfähiger gestaltet.
Der Zentralverband hat den Young Logistics Award (YOLA) zuletzt grundlegend relauncht, um die Bedeutung der Logistik stärker sichtbar zu machen. Was war der Hintergrund und welche Rolle spielt der Wettbewerb heute?
Der Relaunch war ein bewusster Schritt, um die Logistik als innovatives Zukunftsfeld sichtbarer zu machen. Logistik ist weit mehr als Transport, sie steht für Digitalisierung, internationale Wertschöpfung und Nachhaltigkeit. Mit dem neu aufgestellten YOLA geben wir jungen Menschen eine Bühne für ihre Ideen. Der Wettbewerb richtet sich an Nachwuchskräfte unter 30, die die Logistik von morgen mitgestalten wollen. Die hohe Qualität der Einreichungen 2025 zeigt das große Potenzial der nächsten Generation. Ich lade alle Nachwuchskräfte ein, 2026 beim Young Logistics Award mitzumachen und ihre Ideen einzubringen.
