35 Mal Maßarbeit

06.11.2026 | Branchenlösungen, Schwertransport

Felbermayr brachte tonnenschwere Anlagenteile zur voestalpine nach Donawitz. Baustellen, ein Erdrutsch und anspruchsvolle Tandemhübe verlangten dem Team viel ab.

Felbermayr realisierte zwischen November 2025 und April 2026 rund 35 Schwertransporte nach Leoben, genauer gesagt auf das Werksgelände der voestalpine – und setzt die tonnenschweren Komponenten vor Ort mit präzisen Tandemhüben millimetergenau in Position. Bis Ende 2027 entsteht so in Donawitz eine Elektrolichtbogenofenanlage.

Das logistische Meisterstück in österreichisch-italienischer Koproduktion war geprägt von extremen Dimensionen, komplexer Routenplanung und enger Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Der Weg führte über internationale Seehäfen, Binnenwasserstraßen und schließlich über die Straße bis „ins Herz“ der Steiermark. „Es war ein äußerst anspruchsvolles Projekt, bei dem eine Vielzahl von großen und kleinen Zahnrädern ineinandergreifen musste“, beschreibt Projektleiter Francesco Gasparotto die Dimension dieses internationalen Logistikvorhabens.

Spektakuläre Großtransporte

Die Reisen der tonnenschweren Bauteile begannen tausende Kilometer entfernt: in Thailand und der Türkei. Über zwei verschiedene Routen nahm die Fracht Kurs auf Österreich – über den Hafen Antwerpen ebenso wie über Konstanza am Schwarzen Meer, bevor sich die Wege im Hafen Linz kreuzten. Dort übernahmen die Schwergut-Spezialisten von Felbermayr den Umschlag vom Binnenschiff auf die Straße. „Ab Linz wurde es spannend. Der anspruchsvollste Abschnitt, der Straßentransport durch Österreich, lag vor uns und damit die Verantwortung, die Bauteile sicher ans Ziel zu bringen“, erklärt Gasparotto.

Mehrere Komponenten stellten das himmelblaue Projektteam vor außergewöhnliche Herausforderungen: Kranbalken mit Längen von bis zu 32 Metern, Höhen von 3,65 Metern und Gewichten von bis zu 77,5 Tonnen. Die Kombination aus Länge und Höhe forderte selbst erfahrene Schwerlastlogistiker. Die tonnenschweren Bauteile konnten nur auf speziellen „12-achsigen THP-Kombinationen“ bewegt werden – bei einer Gesamthöhe, die die zulässige Transporthöhe bis auf den letzten Millimeter ausreizte. Neben den Kranbalken verlangten vor allem vier Kolli mit den Dimensionen von jeweils 9,61 mal 7,26 mal 2,40 Metern und 24 Tonnen sowie vier weitere mit jeweils 7,99 mal 6,86 mal 2,40 Metern und 19 Tonnen den Streckenplanern und Fahrern einiges ab.

Streckenplanung als Schlüsselkompetenz

Mindestens ebenso anspruchsvoll wie die Transporte selbst gestaltete sich die Streckenplanung. Ursprünglich war eine Route über Wien vorgesehen, da entlang der direkten Verbindung von Linz nach Leoben mehrere Baustellen angekündigt waren. Zusätzlich forderten die Behörden detaillierte Analysen – für mehrere Tunnel im Raum Leoben wurde ein 3D-Laserscan durchgeführt, um die Durchfahrt zu simulieren und millimetergenau abzusichern. Kaum waren die Genehmigungen erteilt, sorgte ein Erdrutsch auf der geplanten Route im Raum Pinkafeld für ein erneutes Hindernis und zwang die Schwertransportspezialisten aus Venedig zur kompletten Neuplanung.

Schließlich konnte die direkte Strecke über die A9 realisiert werden. Doch hier galt es, den Zeitpunkt akribisch zu planen. Zwei Kolli konnten noch Anfang März vor der Errichtung einiger Baustellen auf der A9 transportiert werden. Anschließend war Geduld gefragt, bis die Verkehrsführung angepasst und eine sichere Durchfahrt wieder möglich war. Mitte April konnten dann die letzten
der insgesamt 35 Transporte realisiert werden.

Schwerlast trifft Präzision

Bereits im Herbst 2024 startete der Stahlbau am Werksgelände der voestalpine in Donawitz. Für die Transport- und Hebetechnik aus Graz war es demnach ein echtes Heimspiel. Im Auftrag einer Stahlbaufirma übernahmen die Heavy-Lift-Experten zentrale Hebearbeiten beim Neubau von zwei Elektroöfen für die Stahlerzeugung. Zu den spektakulärsten Hüben zählten unter anderem zwei Chargierkrane mit einem Gewicht von jeweils 134 Tonnen. Nach dem Antransport mittels SPMT wurden die Komponenten im Tandemhub mit einem LTM 1650 und einem LTM 1450 in Position gebracht.

Auch die Hübe einer 88 Tonnen schweren Legierungsbrücke sowie eines 95 Tonnen schweren Sattdampfspeichers für die Wärmerückgewinnung erfolgten im Tandemhub. „Solche Einsätze verlangen ein Höchstmaß an Flexibilität. Viele Entscheidungen müssen kurzfristig getroffen und direkt vor Ort umgesetzt werden“, beschreibt der erfahrene Außendienstmitarbeiter für Transport- und Hebetechnik, Anton Holzschuster, die Dynamik auf der Baustelle.

Teamwork über Ländergrenzen hinweg

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie abgestimmt die Standorte der Felbermayr Group zusammenarbeiten. Während die Niederlassung Venedig die operative Planung verantwortete, unterstützten die Kollegen aus Wels bei Streckenprüfung und Disposition. Im Linzer Schwerlastterminal erfolgten die Umschläge. Von Mitarbeitern der Niederlassung Graz wurden schließlich die Entladung und Einbringung der Komponenten am Werksgelände in Donawitz durchgeführt. „Die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg war entscheidend für den Projekterfolg. Jeder Standort hat seine Stärken eingebracht – und genau das macht solche Projekte erst möglich. Besonders unsere Fahrer haben dabei Außergewöhnliches geleistet“, betont Niederlassungsleiter Alessandro Stradiotto von Felbermayr Italien.

Nach rund einem Jahr intensiver Planung und mehreren Monaten der Realisierung zieht Gasparotto ein positives Fazit: „Es war ein äußerst anspruchsvoller Kraftakt mit vielen parallelen Aufgaben, kurzfristigen Anpassungen und unvorhergesehenen Herausforderungen. Gleichzeitig haben genau diese Aspekte das Unterfangen so spannend gemacht. Was bleibt, ist mehr als ein erfolgreich abgeschlossenes Großprojekt. Es ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass wir durch großartige Zusammenarbeit und gelebte Einsatzbereitschaft jede Herausforderung meistern.“

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