Gebrüder Weiss setzt auf neue Asienrouten

29.10.2026 | Luft

Die Neuordnung globaler Lieferketten eröffnet Gebrüder Weiss neue Wachstumschancen. Unter der Führung von Alessandro Cacciola, seit März 2026 COO Air & Sea + Overseas, will der Logistikdienstleister seine Präsenz in Südostasien, Zentralasien und Mexiko stärken. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Mittlere Korridor zwischen China und Europa.

Gebrüder Weiss richtet sein internationales Luft- und Seefrachtgeschäft verstärkt auf jene Regionen aus, die von der Diversifizierung globaler Lieferketten profitieren. Hintergrund ist der anhaltende Trend, Produktions- und Beschaffungsstandorte breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von einzelnen Ländern zu reduzieren.

Besonders die sogenannte „China + One“-Strategie, bei der Unternehmen neben China zusätzliche Produktionsstandorte aufbauen, verändert die internationalen Warenströme. Für Logistikdienstleister entstehen dadurch neue Transportverbindungen und Anforderungen an die Organisation grenzüberschreitender Lieferketten.

Gebrüder Weiss sieht darin erhebliches Wachstumspotenzial. Der Geschäftsbereich Air & Sea + Overseas erzielte 2025 einen Umsatz von mehr als 900 Millionen Euro und steuerte damit rund ein Drittel zur Gesamtleistung des Unternehmens bei. Mittelfristig soll die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro überschritten werden.

Südostasien und Mexiko im Fokus

Zu den Märkten, in denen Gebrüder Weiss seine Position ausbauen möchte, zählen Vietnam, Malaysia, Thailand, Indonesien und die Philippinen. Auch Mexiko und die Türkei stehen im Fokus der weiteren Entwicklung.

Alessandro Cacciola, der seit März als COO Air & Sea + Overseas für rund 1.900 Mitarbeitende in 35 Ländern verantwortlich ist, sieht insbesondere in der Verlagerung und Diversifizierung von Produktionsstandorten neue Geschäftsmöglichkeiten.

Gegenüber der Fachzeitschrift LogEASTics erklärt er, „dass wir uns in den genannten Ländern und auch in der Türkei zukünftig stärker positionieren werden“.

Die zunehmende geografische Streuung von Produktionsstandorten erfordert zugleich flexiblere Transportkonzepte. Neben etablierten See- und Luftfrachtrouten gewinnen alternative Landverbindungen an Bedeutung, insbesondere dort, wo geopolitische Entwicklungen bestehende Transportachsen beeinflussen.

Mittlerer Korridor gewinnt an Bedeutung

Eine zentrale Rolle in der Strategie spielt der Mittlere Korridor, der China über Zentralasien und den Kaukasus mit Europa verbindet. Gebrüder Weiss nutzt diese Verkehrsachse bereits für unterschiedliche Transportlösungen.

Dazu zählen Ganzzugverbindungen zwischen Asien und Europa sowie eine kürzlich eingerichtete Lkw-Sammelgutlinie von China nach Georgien. Darüber hinaus plant das Unternehmen eine südliche Variante des Mittleren Korridors, die über Usbekistan führen soll.

Die Grundlage dafür bilden eigene Niederlassungen, die Gebrüder Weiss in den vergangenen Jahren im Kaukasus und in Zentralasien aufgebaut hat. Damit will das Unternehmen auch seine Position im Schwarzmeerraum stärken.

„Wir sind bereits vor Ort und können unseren Kunden die komplette Bandbreite an logistischen Lösungen anbieten“, betont Cacciola.

Für die verladende Wirtschaft können solche Alternativrouten zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, Lieferketten breiter aufzustellen. Ihre Wettbewerbsfähigkeit hängt allerdings von Faktoren wie Transportkosten, Laufzeiten, Grenzabfertigung und der Verfügbarkeit geeigneter Kapazitäten ab.

Digitalisierung und Unabhängigkeit als Wettbewerbsvorteil

Parallel zur geografischen Expansion investiert Gebrüder Weiss in die Digitalisierung seiner Geschäftsprozesse. Digitale Anwendungen sollen Mitarbeitenden einen schnelleren Zugriff auf relevante Informationen ermöglichen und die Bearbeitung von Kundenanfragen vereinfachen. Der persönliche Kundenkontakt soll dabei erhalten bleiben.

Im Jahr 2025 transportierte das Unternehmen weltweit rund 81.000 Tonnen Luftfracht und 198.000 TEU Seefracht. Insgesamt beschäftigt Gebrüder Weiss rund 8.600 Mitarbeitende an 180 Standorten.

Auch die zunehmende vertikale Integration großer Containerreedereien beobachtet Cacciola. Dass Reedereien ihr Geschäft auf weitere Teile der Logistikkette ausdehnen, betrachtet er als nachvollziehbare Marktentwicklung. Gleichzeitig sieht er weiterhin Bedarf an unabhängigen Spediteuren, die nicht an bestimmte Reedereien oder Häfen gebunden sind.

Gerade in einem Umfeld wechselnder Handelsströme und geopolitischer Unsicherheiten könne diese Unabhängigkeit für Verlader von Vorteil sein.

„Die Ware findet immer einen Weg. Indem wir ständig neue Transportwege prüfen, entwickeln und vermarkten, ergeben sich für unsere Kunden laufend neue Chancen zur Differenzierung im globalen Wettbewerb“, sagt Cacciola.

Für Gebrüder Weiss liegt die Wachstumsstrategie damit nicht allein in der Erschließung zusätzlicher Märkte, sondern auch im Aufbau alternativer Verkehrsverbindungen. Wie schnell sich die neuen Warenströme in zusätzliche Transportvolumina und Umsätze übersetzen lassen, wird wesentlich von der weiteren Entwicklung der internationalen Handelsbeziehungen abhängen.

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