„Es braucht ausreichende Waren im Umlauf, um einen Kreislauf in Gang zu bringen“, sagt Jony. (Foto: Moni Fellner)
Für alle, die die Begriffe verwechseln: Was unterscheidet Retourenlogistik von echter Kreislauflogistik?
Die Retourenlogistik verwaltet ausschließlich die Rücksendung von Waren vom Kunden zum Händler, während die Kreislauflogistik den gesamten geschlossenen Lebenszyklus von Ressourcen bzw. Produkten plant und versucht, diese dauerhaft im wirtschaftlichen Kreislauf zu halten.
Aus einer Rückgabe wird dann ein tatsächlich funktionierender Kreislauf, sobald die Ware wiederverwendet wird und nicht entsorgt.
Welche Prozesse müssen vom Rückgabeort bis zum Recycling lückenlos zusammenspielen?
Die letzte Meile (auch bei den Retouren) ist mitunter das wichtigste Element, da sie den Kunden mit dem wirtschaftlichen Partner verbindet und wir in dessen Auftrag handeln und somit oftmals der einzige persönliche Ansprechpartner sind. Die soziale Komponente ist eines der wichtigsten Teilelemente in diesem Prozess, neben den operativen Schritten und dem Transport selbst.
Wo liegen in der Kreislauflogistik die größten operativen Herausforderungen?
Es braucht ausreichende Waren im Umlauf, um einen Kreislauf in Gang zu bringen und eine Verwertung zu starten.
Wie organisieren Sie ein österreichweites Abholnetz, wenn die Mengen und Rückgabeorte laufend schwanken?
Wir als ÖKOPoint nutzen das Depotsystem und Netzwerk der Cargoe, die täglich mehr als 10.000 Punkte beliefert. Diese hohe Abdeckung mit anderen Produktgruppen und den mehr als 20 Depots in Österreich ermöglicht es, täglich wechselnde Abholorte dynamisch abzuarbeiten und zu disponieren.
Der Zusammenschluss von Kerschner und Cargoe in Form der ÖKOPoint GmbH ist in Österreich einmalig und bringt neue Potenziale hervor, die es so am Logistik-Markt nicht gab. Jeder der Partner greift dabei auf seine vorhandenen Personal-Ressourcen zurück, wobei die Disposition der kritischste Punkt ist.
Welche Bedeutung haben Daten, etwa Mengen-, Qualitäts- und Herkunftsdaten, für eine effiziente Kreislauflogistik?
Beim Einwegpfand wird ausschließlich mit vorhandenen Daten und Schnittstellen gearbeitet, um zu jeder Zeit zu wissen, welche Ware wo und in welchem Ausmaß abzuholen ist. Ohne diese Datengrundlage wäre eine sinnvolle Tourenplanung nicht möglich.
Welche weiteren Kreislaufthemen wollen Sie als Nächstes angehen?
Einwegpfand war der Startpunkt, weitere Bereiche sind für 2027 geplant. Speziell im Bereich Dämmstoffe, Akkuverwertung oder auch Altkleider und Alukapseln sind Möglichkeiten weitreichend für eine potenzielle Kreislaufwirtschaft.
Die Erfahrungen aus dem Einwegpfand können vielfältig für die zuvor genannten neuen Möglichkeiten genutzt werden, das Wichtigste jedoch sind das bestehende österreichweite Netzwerk und die Kompetenz der Verwertung im Nachgang. Das ist unsere größte Stärke und unser Alleinstellungsmerkmal.
Welche Rolle sollen Handel, Produzenten, Entsorger und Logistiker jeweils übernehmen, damit Kreislauflogistik wirtschaftlich skalieren kann?
Es braucht immer jemanden – das können der Handel, Produzenten oder Dritte sein –, der für den Kreislauf eine entsprechende Vergütung sicherstellt. Wie im Fall des Einwegpfands: Hier ist die gesamte Kreislauf-Kette mit entsprechenden Vergütungen hinterlegt und schafft somit Sicherheit für alle Teilnehmer. In anderen Bereichen ist das noch nicht der Fall, hier müssen diese Strukturen und am Ende dann die Vergütungsmöglichkeiten erst geschaffen werden. Wir sehen uns hier in der Rolle des First-Movers und bringen unsere Erfahrungen entsprechend ein, um neue Marktfelder für die Logistik zu erschließen und am Ende einen Kreislauf herzustellen.
