Der BMF Port Burgas investiert kräftig in Kapazität: Tiefwasserkai, neue Gleise und Dry Port sollen weiteres Wachstum ermöglichen. (Foto: BMF Port Burgas)
Von: Frank Stier
Eigentlich ist Sofia der Ort für internationale Konferenzen in Bulgarien. Das Burgas Connectivity Forum (BCF) findet jedoch bewusst am Schwarzen Meer statt. Denn von Burgas aus führen Fähr- und Containerverbindungen in den Kaukasus, nach Vorderasien und in den Nahen Osten – und damit auf jene Verkehrsachsen, die im Zuge geopolitischer Veränderungen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Nur wenige Tage vor Beginn des BCF 2026 sorgte eine Nachricht aus dem Südkaukasus für Aufsehen. Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan gab bekannt, dass die Eisenbahnverbindung Achalkalaki–Kars sowie das aserbaidschanische Schienennetz künftig auch für den armenischen Außenhandel geöffnet werden. Nach Jahrzehnten der Isolation erhält Armenien damit erstmals direkten Zugang zu einer der wichtigsten Ost-West-Verbindungen zwischen Europa und Asien.
Seit Beginn des ersten Bergkarabach-Krieges Anfang der 1990er-Jahre hatte die Türkei ihre Grenze zu Armenien geschlossen und den Transit armenischer Waren unterbunden. Mit dem Friedensabkommen zwischen Armenien und Aserbaidschan vom August 2025 beginnt nun eine neue Phase. Über die Bahnstrecke Baku–Tiflis–Kars erhält Armenien Zugang zu europäischen Märkten und zugleich eine direkte Anbindung an Zentralasien und China.
Neue Dynamik im Kaukasus
Zusätzliche Dynamik verspricht die geplante Reaktivierung der Bahnverbindung zwischen Gyumri und Kars sowie des rund 40 Kilometer langen Sangesur-Korridors, der die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan mit dem Kernland verbinden soll. Die USA unterstützen das Vorhaben über die neu gegründete TRIPP Development Company, die Infrastrukturprojekte wie Bahnstrecken, Straßen und Pipelines entwickeln und betreiben soll.
Für Christian Hirschmann, Manager der auf Zentralasien spezialisierten deutschen Spedition Azurite, könnte sich dadurch die Verkehrsgeografie der Region grundlegend verändern. Ein leistungsfähiger Sangesur-Korridor würde den Landverkehr zwischen Europa und Zentralasien verkürzen und den sogenannten Mittleren Korridor deutlich attraktiver machen. Bis dieser jedoch ernsthaft mit der Nordroute über Russland konkurrieren könne, seien erhebliche Investitionen in Schienenwege, Straßen und insbesondere in die Häfen am Kaspischen Meer notwendig.
Burgas positioniert sich
Wie sich ein Hafen auf diese Entwicklung vorbereitet, konnten die Teilnehmer des Burgas Connectivity Forums direkt vor Ort erleben. Bei einer Besichtigung stellte der BMF Port Burgas seine Investitionsstrategie vor. Seit der Übernahme der Konzession für die Terminals Burgas Ost-2 und Burgas West in den Jahren 2012 und 2013 flossen nach Angaben des Unternehmens rund 270 Millionen Euro in Infrastruktur und Umschlagtechnik.
Zu den wichtigsten Projekten zählen der Bau des BMF Dry Port Sofia, der neue Tiefwasserliegeplatz 28 sowie zusätzliche Gleisanlagen im Hafengebiet. „An unserem Tiefwasserkai können nun einige der größten Schiffe anlegen, die den Bosporus passieren. Und die neuen Gleise reduzieren die Notwendigkeit, bei der Löschung der Ladung zu rangieren“, erläuterte Vertriebsmanagerin Iveta Dimitrova. Erst vor Kurzem machte am Liegeplatz 28 das mit mehr als 264 Metern Länge größte Containerschiff fest, das jemals in Bulgarien abgefertigt wurde.
Hoffnung auf mehr Verkehr
Die Investitionen zahlen sich nach Angaben des Unternehmens aus. Der Containerumschlag sei in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich um zehn Prozent pro Jahr gewachsen, der gesamte Güterumschlag um rund sieben Prozent. Für 2025 erwartet der Hafen gegenüber 2013 mehr als eine Verdoppelung des Umschlags.
Zwischen September 2024 und August 2025 wurden in Burgas nach Unternehmensangaben 6.375 TEU über den Mittleren Korridor abgewickelt. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2025 liefen rund 40 Prozent aller für die Europäische Union bestimmten TITR-Transporte über den Hafen.
Für Iveta Dimitrova ist die Entwicklung eindeutig: „Die Verlader suchen nach alternativen Routen zwischen Europa und Asien. Dadurch gewinnt die Schwarzmeerregion an strategischer Bedeutung – und unser Hafen wird davon profitieren.“
