Test in Leipzig: Lastenräder und mobile Mikro-Hubs sollen urbane Lieferwege nachhaltiger machen. (Foto: Benjamin Gaunitz / Logistik Living Lab / Universität Leipzig)
Die Diskussion über nachhaltige Stadtlogistik konzentriert sich häufig auf Innenstädte. Doch gerade an den Stadträndern ist die Aufgabe anspruchsvoll: Die Wege sind länger, die Siedlungsstrukturen weniger dicht und das Sendungsaufkommen schwieriger zu bündeln. Gleichzeitig wächst mit dem Onlinehandel der Lieferverkehr. Wie sich diese Gebiete dennoch effizienter und emissionsärmer versorgen lassen, hat das Forschungsprojekt SuCoLo unter Leitung von Salzburg Research untersucht.
In Salzburg, Leipzig und Meran wurden dafür unterschiedliche Ansätze getestet. Gemeinsam war ihnen die Verbindung von digitaler Nachfragesteuerung, flexibler Logistikinfrastruktur und lokalen Partnerschaften.
Drei Städte, drei Ansätze
In Salzburg stand das Verhalten der Empfänger im Mittelpunkt. In einem simulierten Online-Shop mit 1.101 Teilnehmern wurde getestet, wie sich Kunden für nachhaltigere Lieferoptionen gewinnen lassen. Das Ergebnis: Die Gestaltung des Bestellprozesses kann die Entscheidung beeinflussen. Transparente Nachhaltigkeitsinformationen, Treuepunkte oder eine bereits voreingestellte umweltfreundlichere Zustellung erwiesen sich als wirksamer als Elemente, die Zeitdruck erzeugen.
Damit rückt das sogenannte Digital Nudging stärker in den Fokus. Kunden sollen nicht bevormundet, sondern durch die Gestaltung der Auswahlmöglichkeiten zu nachhaltigeren Entscheidungen angeregt werden.
Leipzig erprobte dagegen einen mobilen Mikro-Hub in einem weniger dicht besiedelten Stadtgebiet. Von dort wurden 289 Sendungen per Lastenrad zugestellt. Zusätzlich konnten Lastenräder gemietet werden. Der Versuch zeigte, dass mobile Umschlagpunkte auch außerhalb kompakter Zentren funktionieren können. Voraussetzung sind allerdings ausreichend Sendungsvolumen, verlässliche Partner und ein Betriebsmodell, das sich an wechselnde Anforderungen anpassen lässt.
In Meran wurde Lastenrad-Sharing mit einem lokalen Kurierdienst für den Einzelhandel verbunden. Sechs Fahrzeuge kamen zum Einsatz, eines davon mit besonderem Augenmerk auf Barrierefreiheit. Bis April 2026 wurden 620 Lieferungen durchgeführt, 120 Nutzer registrierten sich für das Sharing-Angebot und elf Geschäfte beteiligten sich.
Kein Konzept von der Stange
Eine zentrale Erkenntnis des Projekts lautet jedoch: Was in einer Stadt funktioniert, lässt sich nicht einfach auf die nächste übertragen. Flächenverfügbarkeit, rechtliche Rahmenbedingungen, Siedlungsstruktur und Einkaufsverhalten unterscheiden sich erheblich.
„Innovative Lösungen für die Stadtlogistik entstehen nicht allein durch Technologie und Infrastruktur“, betont Projektkoordinator Michael Thelen von Salzburg Research. Entscheidend sei vielmehr die Zusammenarbeit von Kommunen, Logistik- und Kurierdiensten, Handel und weiteren lokalen Partnern.
Auch die Bedürfnisse der Nutzer müssen stärker berücksichtigt werden. Während ältere Menschen kurze Wege und barrierefreie Zugänge benötigen, stehen für Berufstätige verlässliche Angebote entlang ihrer täglichen Wege im Vordergrund. Jüngere Zielgruppen erwarten wiederum einfache digitale Anwendungen und schnelle Abholmöglichkeiten.
Die Erkenntnisse aus dem von Jänner 2024 bis Juni 2026 laufenden Projekt wurden in einem öffentlich zugänglichen SuCoLo-Toolkit gebündelt. Es enthält Planungs- und Entscheidungshilfen, Ansätze für das Nachfragemanagement sowie Empfehlungen zu Infrastruktur, Flächen und Barrierefreiheit.
Die Pilotprojekte zeigen damit vor allem eines: Nachhaltige letzte Meile am Stadtrand ist möglich. Der Erfolg hängt aber nicht am Lastenrad allein. Erst wenn Infrastruktur, digitale Steuerung, ausreichendes Volumen und lokale Kooperation zusammenspielen, kann aus einem Pilotprojekt ein dauerhaft tragfähiges Logistikmodell werden.
