Palette rein, Packerl raus

11.09.2026 | Citylogistik, E-Mobilität, Straße

Der Kontraktlogistiker LogPoint hat sich als Citylogistiker für Wien etabliert und wächst weiter. Im Gespräch mit Verkehr gibt Geschäftsführerin Marianne Ramser Einblicke in das Geschäftsmodell, neue Standortpläne und die Herausforderungen emissionsfreier Zustellung.

Das Geschäft für den E-Fulfillment-Dienstleister LogPoint läuft sehr zufriedenstellend. Die Nachfrage nach individuellen Kontraktlogistik-Dienstleistungen mit Fokus auf Lagerhaltung, Webshop-Management und letzte Meile ist derzeit spürbar steigend. LogPoint hielt daher neben seinem jetzigen Standort in Korneuburg nach einem weiteren Standort Ausschau – und ist bereits fündig geworden, wie Geschäftsführerin Marianne Ramser im Gespräch mit Verkehr durchblicken lässt.

An dem neuen Standort, für den die entsprechenden Verträge noch unterschrieben werden müssen, will sich der 2017 gegründete Logistiker mit seinen rund 90 Mitarbeitern auf Kühllogistik konzentrieren. Der Fokus liegt dabei auf temperierter und gekühlter Lagerung sowie dem entsprechenden Handling.

„Was mir machen ist Palette rein, Packerl raus“, erklärt Ramser mit einem Lächeln ihr Geschäftsmodell. Das Unternehmen bietet ein breites Leistungsspektrum vom Webshop-Hosting über Lagerhaltung, Kommissionierung und IT-Management bis hin zu weiteren Value Added Services. Zu den Kunden zählen Buchhändler wie Thalia ebenso wie Lebensmittel- und Weinhändler sowie Online-Händler unterschiedlichster Branchen.

Zwei Millionen Pakete pro Jahr

Für den italienischen Lebensmittelproduzenten Fattoria La Vialla beispielsweise managt LogPoint von Korneuburg aus die Last-Mile-Logistik für dessen Produkte in ganz Österreich. Dabei handelt es sich nicht um frische, sondern um abgepackte Lebensmittel. Voraussetzung dafür sind bio-zertifizierte Lagerflächen in Korneuburg.

„Pro Tag fertigen wir 5.000 bis 10.000 Pakete an diesem Standort ab, wovon rund zwei Drittel auf den Großraum Wien entfallen“, so die Managerin. Pro Jahr kommt LogPoint auf rund zwei Millionen Pakete.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der emissionsfreie Transport auf der letzten Meile. Da LogPoint keine eigenen Assets betreibt, setzt das Unternehmen beim Transport auf bewährte Partner wie Veloce in Wien, die Österreichische Post im österreichweiten Versand sowie DPD und FedEx bei internationalen Sendungen. Veloce bringt die Pakete in Wien mit Lastenrädern oder E-Scootern zu den Endempfängern, die Post setzt dafür ihre emissionsfreien E-Fahrzeuge ein. Ramser: „Mit unseren Partnern sind wir sehr zufrieden, die Post ist sehr zuverlässig und bietet eine gute Service-Qualität“.

Als Alleinstellungsmerkmale sieht LogPoint vor allem Zuverlässigkeit, flexibles Agieren und die Fähigkeit, auf jeden einzelnen Kunden abgestimmte Logistiklösungen anbieten zu können. Ramser: „Wir haben viel Erfahrung, sind mittelgroß, können daher rasch reagieren und individuelle Lösungen anbieten. Wir übernehmen auf Kundenwunsch auch Händler-Agenden, damit sich diese entspannt auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können“.

Das reicht auf administrativer Seite von Mandantenbuchhaltung, Rechnungslegung und Vertragsabwicklung mit Payment-Providern bis zum Mahnwesen und endet auf der physischen Seite beim Transport. Qualitätskontrollen, unterschiedliche Temperaturzonen, Haltbarkeitsdatenerfassung, Retourenmanagement, automatisierter Wareneingang, Chargenerfassung und Protokollierung sind weitere Leistungsmerkmale. In Korneuburg bewirtschaftet LogPoint ein 10.000 m² großes Lager, davon entfallen 5.000 m² auf ein bio-zertifiziertes Lebensmittellager.

Erfahrungen für GreenTurn

LogPoint ist zudem als mitgestaltender Projektpartner in das EU-Projekt „GreenTurn“ eingebunden. Das Projekt bringt unterschiedliche Akteure aus dem E-Commerce zusammen, um emissionsfreie Logistiklösungen zu entwickeln, transparente Informationen zum ökologischen Fußabdruck des Onlinehandels bereitzustellen und nachhaltigere Liefer- und Rückgabeoptionen zu ermöglichen. Insgesamt arbeiten 14 Partner aus sieben europäischen Ländern an innovativen Lösungen und Pilotumsetzungen.

Ramser: „Bei diesem Projekt geht es um konkrete Umsetzung von optimierenden Möglichkeiten in der Citylogistik und wir bringen uns dabei mit unseren Erfahrungen und Tätigkeiten ein“.

Gerade im E-Commerce ist der Handlungsbedarf groß. Ein wesentlicher Teil der europäischen Bevölkerung bestellt regelmäßig online, besonders aktiv sind dabei jüngere Konsumenten. Zugleich zählt der Onlinehandel zu den wichtigsten Treibern der Rücknahmelogistik. Emissionsfreie Liefer- und Rückgabeoptionen lassen sich deshalb nur entwickeln, wenn die Akteure entlang der gesamten Lieferkette eingebunden werden.

Politik muss Rahmen schaffen

Fragt man Ramser nach ihren Wünschen an die Verkehrspolitik, muss sie nicht lange nachdenken. Ihre Forderung fällt klar aus: „Grüne Logistik funktioniert nur, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Solange die wirtschaftliche Umsetzung nur mit Fördergeldern funktioniert wird es keine dauerhafte, tragfähige Änderung geben. Hier ist auch die Politik gefragt Rahmenbedingungen zu schaffen“.

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