Für Investitionsentscheidungen ist nicht allein die Größe eines Lagers entscheidend. | © Exotec
Automatisierung kann den CO₂-Fußabdruck von Lagerstandorten deutlich reduzieren – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Untersuchungen unter Leitung der französischen Umweltbehörde ADEME und der Managementberatung Argon & Co, an denen der Automatisierungsspezialist Exotec als Partner beteiligt war.
Demnach kann die benötigte Lagerfläche durch dichtere und stärker vertikale Lagerung gegenüber einem manuellen Betrieb um rund 40 Prozent sinken. In einzelnen untersuchten Szenarien reduzierten sich dadurch die gesamten CO₂-Emissionen bei gleicher Lagerleistung um bis zu 25 Prozent.
Der entscheidende Faktor ist dabei weniger der Stromverbrauch der eingesetzten Roboter als die Dimensionierung des Gebäudes. Kleinere Lager benötigen weniger Baumaterial, beanspruchen weniger Grundstücksfläche und reduzieren insbesondere den Energiebedarf für die Beheizung.
Gebäude entscheidet über Klimabilanz
Damit verschiebt sich auch die Betrachtung der Umweltwirkung von Lagerautomatisierung. Automatisierte Systeme benötigen zwar zusätzliche elektrische Energie. Wird durch sie jedoch ein kleineres Gebäude möglich, können die Einsparungen bei Bau und Betrieb diesen Mehrverbrauch kompensieren.
„Ein kleineres und dichter genutztes Lager benötigt weniger Baumaterial, weniger Grundstücksfläche und weniger Raum, der beheizt werden muss. Genau dort liegt der große ökologische Gewinn“, sagt Andreas Stöckl, Executive Vice President of Sales Central Europe bei Exotec.
Die Voraussetzung dafür: Unternehmen müssen den Produktivitätsgewinn tatsächlich zur Reduktion des Flächenbedarfs nutzen. Wird auf derselben Fläche lediglich mehr Kapazität geschaffen, lässt sich der ausgewiesene CO₂-Vorteil nicht ohne Weiteres übertragen.
Leistung pro Quadratmeter statt Flächenreduktion um jeden Preis
Für Investitionsentscheidungen ist deshalb nicht allein die Größe eines Lagers entscheidend. Relevant ist das Verhältnis zwischen benötigter Fläche und logistischer Leistung – also etwa Lagerkapazität und Durchsatz.
Automatisierung kann hier vor allem bei wachsenden Unternehmen einen zusätzlichen Hebel bieten. Lässt sich eine höhere Leistung innerhalb eines bestehenden Gebäudes realisieren, können Erweiterungsbauten oder der Umzug in größere Anlagen vermieden werden.
„Bei Automatisierung geht es nicht darum, Fläche als Selbstzweck zu reduzieren, sondern darum, aus jedem vorhandenen Quadratmeter möglichst viel Leistung herauszuholen. Wenn Unternehmen dadurch wachsen können, ohne neu bauen zu müssen, entsteht der eigentliche ökologische Gewinn“, erklärt Stöckl.
Exotec weist CO₂-Wert in Angeboten aus
Parallel dazu versucht Exotec, die Emissionen seiner Automatisierungssysteme selbst zu reduzieren. Der Einsatz von sogenanntem grünem Stahl, der laut Unternehmen zu bis zu 80 Prozent aus Stahlschrott besteht und in Elektrolichtbogenöfen produziert wird, könne den CO₂-Fußabdruck eines Standardsystems um bis zu 30 Prozent verringern. Exotec beziffert die Einsparung auf mehr als 600 Tonnen CO₂-Äquivalente je verkauftem System.
Seit Juli 2025 weist das Unternehmen zudem in seinen Angeboten einen CO₂-Wert aus. Damit sollen Kunden neben Investitions- und Leistungskennzahlen auch die Klimawirkung einer Anlage in ihre Beschaffungsentscheidung einbeziehen können.
„Unternehmen wollen bei Investitionsentscheidungen neben dem Preis zunehmend auch die Klimawirkung einbeziehen. Als Anbieter müssen wir deshalb transparent darstellen können, welchen CO₂-Fußabdruck eine Lösung verursacht“, sagt Stöckl.
Renault setzt auf vertikale Lagerautomatisierung
Ein aktuelles Praxisbeispiel liefert Renault Deutschland. Am Standort Brühl stattet Exotec ein neues, 24.000 Quadratmeter großes Lager mit seinem Skypod-System aus. 89 Roboter sollen dort künftig mehr als 1.600 Behälter und 1.500 Auftragszeilen pro Stunde bewältigen. Von Brühl aus werden Händler der Marken Renault, Dacia und Alpine in Deutschland mit Ersatzteilen versorgt.
Die Studien liefern damit vor allem ein Argument gegen eine isolierte Betrachtung des Energieverbrauchs von Automatisierungstechnik. Ob ein automatisiertes Lager tatsächlich klimafreundlicher arbeitet, entscheidet sich im Zusammenspiel von Technik, Gebäudegröße und benötigter Leistung. Der größte Hebel entsteht dort, wo Automatisierung zusätzliche Hallenfläche oder sogar einen Neubau vermeiden kann.
