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Der Zentralverband Spedition & Logistik (ZV) stellt sich gegen die geplante zusätzliche Lkw-Maut auf Landesstraßen im Burgenland. Nach den derzeit bekannten Plänen soll die Abgabe ab 2027 zunächst auf ausgewählten Durchzugsstrecken eingehoben werden. Der Branchenverband fordert vor weiteren Schritten eine umfassende Prüfung der wirtschaftlichen, verkehrlichen und rechtlichen Auswirkungen.
Im Zentrum der Kritik steht die zusätzliche Kostenbelastung für den Straßengüterverkehr. Nach Angaben des ZV nahm die ASFINAG 2025 über die fahrleistungsabhängige Lkw- und Bus-Maut 1,795 Mrd. Euro ein. Vignetten und Streckenmaut im Pkw-Verkehr brachten demnach 918 Mio. Euro.
„Österreich hat zudem bereits eine der höchsten Lkw-Mautbelastungen Europas“, sagt ZV-Präsident Alexander Friesz. In der bestehenden GO-Maut seien neben Infrastrukturkosten bereits externe Kosten für Luftverschmutzung, Lärm und CO₂ berücksichtigt. Zusätzliche regionale Abgaben seien daher „standortpolitisch das völlig falsche Signal“.
Verband warnt vor Belastung regionaler Transporte
Der Zentralverband wendet sich insbesondere gegen eine Gleichsetzung von Lkw-Verkehr und internationalem Transit. Von einer Landesmaut könnten ebenso Quell-, Ziel-, Verteiler- und Zustellverkehre betroffen sein. Damit würden zusätzliche Kosten unter anderem für Handel, Industrie, Landwirtschaft, Bauwirtschaft und Entsorgung entstehen.
Gerade auf der letzten Meile sieht der Verband vielfach keine Alternative zum Straßentransport. Die Kosten einer zusätzlichen Maut könnten damit entlang der Lieferketten an Unternehmen und letztlich auch an Verbraucher weitergegeben werden.
„Die Verteuerung ist garantiert, der verkehrliche Nutzen hingegen keineswegs“, kritisiert Friesz. Angesichts des bestehenden Kosten- und Wettbewerbsdrucks auf die österreichische Wirtschaft müsse die Politik den Standort entlasten, statt weitere Belastungen aufzubauen.
Sorge vor regionalen Mautsystemen
Über das Burgenland hinaus sieht der Verband eine mögliche Präzedenzwirkung. Sollten weitere Bundesländer eigene Mautmodelle einführen, könnten unterschiedliche Tarife, Ausnahmen und Abrechnungssysteme entstehen.
„Wenn nun ein Bundesland beginnt, eigene Mautstrecken, Tarife, Ausnahmeregelungen und Abrechnungssysteme einzuführen, stellt sich unweigerlich die Frage: Wer kommt als Nächstes?“, sagt ZV-Geschäftsführer Oliver Wagner. „Österreich darf nicht in neun unterschiedliche regionale Mautwelten zerfallen.“
Ein solcher „Maut-Fleckerlteppich“ würde nach Einschätzung des Verbandes neben höheren Kosten auch zusätzlichen administrativen Aufwand für nationale und internationale Transportunternehmen verursachen. Für das Burgenland sieht der ZV zudem Risiken für Beschaffung und Distribution sowie für die wirtschaftliche Verflechtung mit angrenzenden Regionen.
ZV verlangt Folgenabschätzung
Vor einer politischen Entscheidung fordert der Zentralverband konkrete Daten zur geplanten Maut. Das Land Burgenland solle unter anderem offenlegen, wie hoch der tatsächliche Transitanteil auf den betroffenen Straßen ist, welche Kosten dem regionalen Wirtschaftsverkehr entstehen und ob mit Ausweichverkehren zu rechnen ist.
Geprüft werden sollen außerdem die erwarteten Nettoerlöse nach Abzug der System- und Verwaltungskosten sowie die unions- und verfassungsrechtliche Zulässigkeit des Modells.
Grundsätzlich plädiert der Verband für ein österreichweit einheitliches Mautsystem. „Österreich braucht eine koordinierte Verkehrspolitik, die den Standort stärkt und Wohlstand sichert – keine neuen Mautgrenzen zwischen den Bundesländern“, so Friesz.
