Bezirksvorsteher Markus Reiter und Gurdial Singh Bajwa, Obmann der Wiener Kleintransporteure. | © Andrea Peetz
Die Grätzl-Ladezonen werden künftig in immer mehr Wiener Bezirken eingerichtet. Nach der erfolgreichen Einführung in der Josefstadt sind nun auch in Neubau die ersten beiden Standorte in der Schottenfeldgasse 35 sowie 42–44 in Betrieb. Weitere Bezirke sollen folgen: In Mariahilf gibt es bereits eine Grätzl-Ladezone in der Gumpendorfer Straße, zusätzliche Standorte sind ebenso geplant wie in der Leopoldstadt, auf der Wieden und in Meidling.
Anders als klassische Ladezonen werden die neuen Flächen nicht von einzelnen Betrieben beantragt. Stattdessen legen Stadtplaner die Standorte dort fest, wo anhand der Verkehrs- und Nutzungsstruktur der größte Bedarf besteht. Zudem können die Ladezonen nicht nur von Unternehmen, sondern auch von Privatpersonen genutzt werden.
Weniger Suchverkehr, kürzere Wege
Aus Sicht der Wirtschaft erleichtert das Konzept insbesondere die sogenannte letzte Meile. Mussten Lieferdienste bisher häufig nach freien Ladezonen suchen oder längere Wege zu ihren Kunden zurücklegen, sollen die neuen Standorte Haltevorgänge dort ermöglichen, wo regelmäßig Be- und Entladungen stattfinden.
„Wir Zusteller freuen uns, dass das Konzept der Grätzl-Ladezonen angekommen ist und sie in immer mehr Bezirken errichtet werden“, sagt Gurdial Singh Bajwa, Obmann der Wiener Kleintransporteure. „Denn wir – und damit unsere Kunden – profitieren besonders von Grätzl-Ladezonen.“
Nach Angaben der Wirtschaftskammer Wien führt die bedarfsgerechte Platzierung der Ladezonen nicht nur zu kürzeren Wegen für Zusteller, sondern kann auch den Suchverkehr im Straßenraum reduzieren.
Software ermittelt optimale Standorte
Grundlage für die Standortwahl ist ein von der Wirtschaftskammer Wien gemeinsam mit der TU Wien entwickelter Ladezonen-Rechner. Die Software analysiert die jeweilige Umgebung und berechnet, an welchen Stellen und in welcher Länge Ladezonen sinnvoll sind.
Auch aus Sicht des Bezirks Neubau tragen die neuen Flächen einer veränderten Nutzung des öffentlichen Raums Rechnung. „Die Mobilität in unseren Grätzln verändert sich – und damit auch die Anforderungen an den öffentlichen Raum“, sagt Bezirksvorsteher Markus Reiter. Neben Lieferdiensten seien auch Handwerksbetriebe, Pflegedienste, Familien oder Nutzer von Sharing-Fahrzeugen auf kurzfristige Haltemöglichkeiten angewiesen.
Die Grätzl-Ladezonen seien deshalb „eine sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Haltezonen im Bezirk und ein wichtiger Beitrag zu einer fairen und zeitgemäßen Nutzung des öffentlichen Raums“.
Nutzung auch für Privatpersonen
Ein wesentliches Merkmal der Grätzl-Ladezonen ist ihre Mehrfachnutzung. Privatpersonen dürfen die Flächen für Lieferungen, größere Einkäufe oder andere kurze Ladevorgänge für maximal zehn Minuten beziehungsweise für die Dauer des Be- und Entladens nutzen. Voraussetzung ist ein kostenloser Kurzparkschein.
Die Ladezonen stehen werktags von Montag bis Freitag zwischen 7 und 19 Uhr sowie samstags von 7 bis 13 Uhr zur Verfügung. Außerhalb dieser Zeiten können die Flächen – unter Beachtung der jeweiligen Kurzparkzonenregelung – regulär zum Parken genutzt werden.
