Text: Stefan May
„Alle Indikatoren sind massiv negativ.“ So fasst Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), den aktuellen Konjunkturtest zusammen. Dabei handelt es sich um eine Umfrage in der Branche zur aktuellen Lage der Verkehrswirtschaft und ihrem Ausblick auf die Zukunft.
„Die langen Schatten des Iran-Kriegs wirken sich aus“, sagte Klacska. Nur drei von zehn Unternehmen würden keine Beeinträchtigung ihres Geschäfts feststellen. An der Befragung nahmen 173 Betriebe aus dem Bereich Transport und Verkehr teil. Die Nachfrage der letzten Monate wird von ihnen ebenso negativ bewertet wie die Erwartungen an die künftige Nachfrage.
Sorge bereitet der Branche die Beschäftigungslage mit steigender Arbeitslosigkeit und vielen offenen Stellen. „Es ist schwer Arbeitnehmer, vom Lokführer bis zum LKW-Fahrer zu finden“, sagt Klacska. Die Erwartungen an die Preisgestaltung würden den Energiepreisschock im Gefolge der Schließung der Straße von Hormus zeigen. „Energiepreise sind Inflationspreise“, warnt der Kammerfunktionär. Da auch die Produktivität in letzter Zeit zurückgegangen sei, wäre dies für Österreich „eine hochgefährliche Situation bei der Standortwahl.“
Auch andere Untersuchungen zeigen ein düsteres Bild: Sowohl, was die Nordseehäfen als auch was den Containerumschlag weltweit betreffe, seien Rückgänge auf der blockierten Straße von Hormus zu verzeichnen. Negativ wird die Lage auch in einer Umfrage der internationalen Frachtbörse Timocom unter 270 Frachtexperten bewertet: Die Zunahme der pessimistischen Einschätzungen liegt bei 10,4 Prozent gegenüber jener vom Jahresanfang. Knapp 47 Prozent der Befragten empfinden die Situation am Transportmarkt für das eigene Unternehmen als „eher schlecht“.
Das Timocom-Transport-Barometer weist für den österreichischen Binnenverkehr 30 Prozent freien Laderaum gegenüber 70 Prozent Fracht aus, beim Export Österreichs sind sogar 53 Prozent des Laderaums ungenützt, was Spartenobmann Klacska als „besorgniserregend“ bezeichnet. Lediglich im gesamten Straßengüterverkehr der EU wird nur 15 Prozent freier Laderaum verzeichnet.
Was die Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen betreffe, sei für die ersten Monate dieses Jahres eine leichte Zunahme gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres festzustellen, sagt Barbara Adametz-Schneller, die Geschäftsführerin der Bundessparte Transport und Verkehr in der WKÖ.
Im Schienengüterverkehr sei ein leichter Aufwärtstrend seit 2023 zu erleben. Allerdings hat sich dadurch der Modalsplit von 30:70 gegenüber der Straße nicht verändert, weil es dort ebenfalls Zuwächse gab. Das Ziel seien 40 Prozent für die Schiene, so die zwei WKÖ-Vertreter. Der limitierende Faktor wäre aber die Infrastruktur, weil auch der Personenverkehr auf der Schiene wachse. Ein massiver Ausbau der Bahn sei deshalb nötig.
Auf der Donau ist der Transport mit 5,8 Millionen Tonnen Gütern im vorigen Jahr auf einen historischen Tiefstand gesunken. Als Grund nannte Adametz-Schneller weniger Einfuhr nach und Transit durch Österreich. „Hier den Güterverkehr zu stabilisieren und auszubauen wären die billigsten Investitionen“, sagte Spartenobmann Klacska. „Die Donau ist ein naturgegebener Verkehrsweg.“
Der Flughafen Wien wiederum habe nach einer neuen Bestmarke 2025 in diesem Jahr Rückgänge zu verzeichnen. „Der Flughafen Wien ist wichtig für den Standort Wien“, sagte Klacska und erneuerte deshalb die Forderung nach einer Reduktion der Flugabgabe von zwölf auf acht Euro.
