Zeitenwende beim CMR-Frachtbrief

07.05.2026 | Straße

Schärmer Miskovez Partner Rechtsanwälte informieren über neues italienisches Standgeld-Gesetz und andere, wichtige Regeln.

Bei einer Informationsveranstaltung der Wiener Kanzlei Schärmer Miskovez Partner wurden aktuelle Themen mit 140 Vertretern der Branche diskutiert. Überzogene Standzeiten für Lkw in Italien sind seit letzten Sommer kostenpflichtig, der CMR-Frachtbrief wird digital, und moderne Telematik-Lösungen revolutionieren die Laderaumüberwachung. 

Standgeld-Gesetz in Italien
Jede Stunde Wartezeit über 90 Minuten hinaus zieht seit Sommer 2025 eine obligatorische Gebühr von 100 Euro nach sich, die niemand wegverhandeln kann. Sie verpflichtet Kunden, Frachtführern diesen Betrag für jede Stunde oder Bruchteile einer Stunde Wartezeit über eine 90-minütige Karenzzeit an Lade- oder Entladestellen zu zahlen. Sowohl der Verlader als auch die für das Laden verantwortliche Partei haften gemeinsam für die Zahlung, berichtete Alexej Miskovez, Rechtsanwalt bei Schärmer Miskovez Partner, vor den 140 Teilnehmern der Veranstaltung. Obwohl das Gesetz darauf abzielt, die Position der Frachtführer zu stärken und übermäßige Wartezeiten zu reduzieren, wurde seine Einführung von Streitigkeiten zwischen Transportunternehmen, Logistikbetreibern und Hafenanlagen geprägt, „weil damit auch Schindluder getrieben werden kann“, wie Miskovez ergänzte. Christian Spendel von Cargo Experts bezeichnet das neue Gesetz als gut für die Logistik-Branche, aber dennoch sei bei Italien-Transporten diesbezüglich Vorsicht geboten.

Laderaumüberwachung
Ein aktuelles Thema in der Logistik-Welt ist das der systematischen Laderaumüberwachung entlang der Transportkette. Der Nutzfahrzeughersteller Krone hat eine Trailer-Telematik-Lösung entwickelt, die lückenlos dokumentiert, wo und in welchem Zustand sich die Ware im Trailer befindet. Dabei werden auch Be- und Entladevorgänge aufgezeichnet. Menschen, die dabei zu sehen sind, werden verpixelt, und somit ist die Lösung datenschutzkonform. 

Nacht-60er-Regelung
Den Transporteuren schon lange ein Dorn im Auge ist der Nacht-60er, also die Lkw-Fahrbeschränkung für Lkw während der Nacht auf 60 km/h. Diese Regelung stammt aus der grauen Vorzeit als Lkw-Reifen noch laute Abrollgeräusche erzeugten. Heutige Lkw-Reifen sind nicht nur qualitativ hochwertig, sie können auch digital getrackt werden, wie Christoph Bonner von Continental Reifen berichtete. Alle Daten eines Reifens lassen sich digital abbilden und in Echtzeit kann reagiert werden, wenn etwa der Reifendruck nachlässt oder ein Reifen eine Panne hat. Transparente Reifen-Daten können im Schadensfall ein wichtiges Beweismittel sein. 

eCMR
Großes Thema ist die Zeitenwende beim CMR-Frachtbrief, der als Papierversion bald ausgedient hat und durch den eCMR, also digitalen Frachtbrief, ersetzt wird. „Neun von zehn Frachtbriefen sind heutzutage falsch ausgefüllt“, weiß Spendel aus der Praxis. 

Seit 2024 wird der eCMR in Österreich akzeptiert und die Vorteile liegen auf der Hand: Die Ausstellung kostet pro Stück gerade mal 1,69 Euro (Papier 6,23 Euro) und der gesamte damit verbundene Prozess von der Ausstellung bis zur Rechnungserstellung funktioniert elektronisch und schnell. 
Spendel: „In Europa werden jährlich 400 Mio. CMR-Frachtbriefe ausgestellt und zwei Drittel davon sind falsch ausgefüllt.“ 


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