Mit der jährlichen Austragung in Wien entsteht eine neue internationale Plattform. | © VNL - Katharina SChiffl
Mit der Premiere der ELA Global Supply Chain Excellence positioniert sich Wien künftig als jährlicher Treffpunkt für Europas Logistik- und Supply-Chain-Community. Am 19. Februar 2026 diskutierten im Palais Niederösterreich führende Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über die Zukunft globaler Lieferketten – und zeichneten zugleich die besten Logistikprojekte Europas aus.
Gastgeber war der Verein Netzwerk Logistik (VNL) gemeinsam mit der European Logistics Association (ELA) und dem Lieferketteninstitut ASCII. Die Veranstaltung soll künftig jedes Jahr in Wien stattfinden.
Resilienz rückt vor Effizienz
Im Zentrum der Konferenz stand die Frage, wie sich globale Lieferketten angesichts geopolitischer Spannungen, Handelskonflikten und technologischer Abhängigkeiten stabilisieren lassen. Der Tenor: Resilienz wird zum strategischen Leitprinzip.
In seiner Keynote warnte Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG, vor zunehmender Fragilität globaler Wertschöpfungsnetze. Geopolitische Konflikte, regulatorische Eingriffe und technologische Abhängigkeiten führten regelmäßig zu massiven Störungen. Volkswagen setze daher auf Transparenz entlang der gesamten Lieferkette, strategische Partnerschaften sowie Rohstoffsicherung und Kreislaufwirtschaft.
Auch Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, verwies auf die Dimension des industriellen Wandels. Die deutsche Automobilindustrie plane bis 2030 Investitionen von über 500 Milliarden Euro in Dekarbonisierung und Digitalisierung. Gleichzeitig verschlechterten sich die Standortbedingungen in Europa.
Ökonom Gabriel Felbermayr (WIFO) und Julia Friedlander (Atlantik Brücke) analysierten die wachsenden Belastungen des transatlantischen Handels. Neue US-Zölle träfen die europäische Automobilindustrie spürbar, während makroökonomische Ungleichgewichte zusätzliche Unsicherheit erzeugten.
Dachser und Fraunhofer IML gewinnen ELA Award
Ein Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung der ELA Awards 2025. Aus sechs Finalisten wählte die internationale Jury das Gemeinschaftsprojekt von Dachser SE und dem Fraunhofer IML zum Sieger.
Ausgezeichnet wurde die Entwicklung eines digitalen Echtzeit-Abbilds sämtlicher Sendungen, Assets und Prozesse in einem Umschlagterminal. Das System reduziert manuelle Scans, ermöglicht präzise Lokalisierung von Paletten und steigert die Prozesseffizienz in Stückgut-Cross-Dock-Standorten europaweit.
„Die ELA Global Supply Chain Excellence hat mit ihrer Premiere in Wien eindrucksvoll unter Beweis gestellt, welche Kraft im internationalen Dialog und in der gemeinsamen Gestaltung globaler Wertschöpfungsketten liegt“, sagte Markus Mau, Präsident der ELA. Wien werde damit dauerhaft „zum Zentrum des Austauschs europäischer Logistik-Excellenz“.
Auch Franz Staberhofer, Obmann des VNL, betonte die strategische Bedeutung des Formats. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen sei der kontinuierliche Austausch unterschiedlicher Perspektiven entscheidend.
Signal für Standort Wien
Mit der jährlichen Austragung in Wien entsteht eine neue internationale Plattform für den Austausch zwischen Industrie, Logistik, Wissenschaft und Politik. Inhaltlich dominierte ein klarer Befund: Effizienz allein genügt nicht mehr. Zukunftsfähige Lieferketten benötigen technologische Exzellenz, transparente Datenstrukturen, internationale Kooperation – und ein hohes Maß an geopolitischem Bewusstsein.
Damit sendet die Konferenz nicht nur ein Signal an die Branche, sondern auch an den Wirtschaftsstandort Österreich, der sich zunehmend als Drehscheibe für Supply-Chain-Dialoge positioniert.
