„Wir sind nur stolz darauf, dass wir unsere Nischen ausbauen konnten und sogar neuen Kunden in der Luftfahrttechnik dazu gewinnen konnten“, sagt Picher. (Fotos: clever logistics)
Vor elf Jahren begann Andreas Picher mit clever logistics in Randegg, Niederösterreich, ein Unternehmen ohne eigenen Fuhrpark und ohne eigene Lagerhallen. Heute hat sich daraus ein hoch spezialisierter Nischenplayer entwickelt. „Ich war schon immer sehr empfänglich für Lösungen von schwierigen Aufgaben. Das hat sich in der Branche herumgesprochen, und ich sehe mich als einen der wenigen Ansprechpartner für heikle und komplexe Transportlösungen“, erklärt Picher im Gespräch mit Verkehr.
Heute agiert clever logistics als Express- und Notfalllogistiker für namhafte Fluggesellschaften. Wenn bei Flugzeugen technische Probleme auftreten und Ersatzteile sofort benötigt werden, tritt Pichers Team in Aktion. „Notfall kann bedeuten, dass eine Beilagscheibe oder gleich ein ganzes Triebwerk sofort losgeschickt werden muss, um das Flugzeug zu reparieren“, so Picher. Die Anforderungen sind hoch. Das Team muss rund um die Uhr bereitstehen, Transporte sofort organisieren und dafür sorgen, dass alles reibungslos abläuft. Die Kooperation mit den Airlines ist durch Verträge klar geregelt, und Picher betont stolz: „Wir sind nur stolz darauf, dass wir unsere Nischen ausbauen konnten und sogar neuen Kunden in der Luftfahrttechnik dazu gewinnen konnten.“
Mit Stolz berichtet Picher zudem, dass das Unternehmen erst vor kurzem vom KSV kontaktiert worden sei, der dem Betrieb ausdrücklich zur überdurchschnittlich guten Bonität gratuliert habe. Das zeige, so Picher, dass man wirtschaftlich solide aufgestellt sei und auch im Branchenvergleich sehr gut dastehe. Das entsprechende Bonitätslabel hat clever logistics auch erhalten.
Festivallogistik als Wachstumstreiber
Nicht nur die Luftfahrt profitiert von der Expertise von clever logistics. Auch die Festivalsaison brachte 2025 Rekordzahlen. Flexible Transportlösungen für VIP-Hütten, Bierbecher und weiteres Equipment waren gefragt. „Die hohe Dynamik hat uns veranlasst, unsere Prozesse in der Disposition und Kommunikation weiter zu digitalisieren. Mehrere Neukunden haben ihre Zufriedenheit signalisiert und bereits Folgeaufträge für die kommende Saison angekündigt“, berichtet Picher. Logistische Engpässe habe es zwar auch gegeben aber diese konnten dank langjähriger Partner zuverlässig abgefedert werden. Präventive Maßnahmen, Analysen vergangener Daten und saisonaler Schwankungen ermöglichten es, zusätzliche Fahrzeuge, Fahrer und Monteure rechtzeitig einzuplanen.
Digitalisierung, Effizienz und Partnerschaften
Digitalisierung ist für clever logistics längst kein Zukunftsthema mehr, sondern eine Notwendigkeit. Echtzeit-Updates für Auftraggeber, flexible digitale Kanäle und klassische Kommunikationswege wie E-Mail oder Telefon sorgen dafür, dass das Unternehmen jederzeit handlungsfähig bleibt. „Echtzeit-Updates für unseren Auftraggeber sind noch immer das beste Tool. Das wird in allen digitalen Kanälen übermittelt, wie es der Kunde wünscht“, erklärt Picher.
Die Branche verändert sich strukturell. Fahrerknappheit und steigende Kosten sind ein Kernproblem, das Picher kritisch betrachtet: „Hier wäre unsere Politik schon vor Jahren gefragt gewesen – gefühlt kommt es mir vor, dass wir die Wirtschaft in der EU mit 200 km/h gegen die Wand fahren.“ Gleichzeitig beobachtet er eine Transformation der Spedition von einer mengenorientierten Branche zu einem effizienz- und planungsgetriebenen Dienstleistungssektor. Für clever logistics bedeutet das, dass Qualität, Flexibilität und Geschwindigkeit entscheidend sind, um sich vom Wettbewerb abzuheben.

Robustheit trotz Herausforderungen
Die Nischengeschäfte des Unternehmens sind nach wie vor robust. Neben Luftfahrttechnik zählen Bahntechnik, High-Value-Transporte und Festivallogistik zu den tragenden Säulen. Picher betont: „Robust zeigt sich der Markt nach wie vor in unseren Nischengeschäften. Wie anfangs erwähnt, sind wir gut am Weg und haben sogar Steigerungen.“
Auch die Resilienz des Unternehmens zeigt sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. „Wir selbst – und das spreche ich wirklich nur von uns – haben von der Rezession nicht viel mitbekommen, außer dass unsere Lieferanten weniger Fahrzeuge am Markt haben und sich die Kostenstruktur dadurch geändert hat“, so Picher. Clever logistics reagiert auf Marktveränderungen durch optimierte Routenplanung, flexible Serviceangebote und digitale Lösungen, die Effizienz und Kundenzufriedenheit sichern.
Qualität sichern, Chancen nutzen
Für 2026 setzt Picher klare Prioritäten: Qualität und Quantität sollen gehalten werden. Dabei steht die strategische Abwägung zwischen Sicherheit und Wachstum im Vordergrund. Gerade im Notfallgeschäft, etwa bei AOG-Einsätzen in der Luftfahrt, bei medizinischen Gütern oder in der Krisenversorgung, ist Risikoschutz ebenso wichtig wie Zukunftsorientierung. „Als Spediteur in der Notfalllogistik hängt die Priorität stark von den Marktbedingungen, der Unternehmensstruktur und der Risikobereitschaft ab“, erklärt Picher.
Partnerschaften und Netzwerke sind für clever logistics integrale Bestandteile des Geschäfts. Sie ermöglichen Flexibilität, Zuverlässigkeit und Kundenorientierung in einem globalisierten Logistikumfeld. „Servicevielfalt kennt bei uns keine Grenzen. In vielen Fällen ist sie der Hebel, sich neben Geschwindigkeit und Preis vom Wettbewerb abzuheben“, sagt Picher.
Elf Jahre nach der Gründung zeigt sich, dass clevere Konzepte, ausgeprägte Kundenorientierung und digitale Lösungen auch in einem dynamischen, anspruchsvollen Markt erfolgreich sein können. Clever logistics hat seine Nischen gefunden, ausgebaut und fest etabliert – und Picher blickt optimistisch in die Zukunft: „Wir haben unsere Stärken erkannt und werden sie weiter ausbauen, ohne unser Kerngeschäft zu gefährden.“
