(von links nach rechts) viadonau-Teamleiter Robert Tögel, viadonau Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler, Bürgermeisterin von Orth/Donau Elisabeth Wagnes, Infrastrukturminister Peter Hanke, Nationalpark-Direktorin Edith Klauser, BOKU-Projektkoordinator Helmut Habersack, der Vorstand des NÖ Landesfischereiverbandes Karl Gravogl und Johannes Wimmer von den Österreichischen Bundesforsten (Foto: viadonau / Johannes Zinner)
Östlich von Wien beginnt ein neues Renaturierungsprojekt an der Donau: Mit einem symbolischen Spatenstich ist am Freitag der Startschuss für die ökologische Aufwertung der sogenannten Paradeisinsel bei Orth an der Donau gefallen. Das Vorhaben wird von viadonau umgesetzt und durch mehrere europäische Förderprogramme unterstützt.
Die Maßnahmen sind Teil des internationalen Forschungsprojekts DANUBE4all, das naturbasierte Lösungen für die Renaturierung der Donau entwickeln und erproben soll. Ziel ist es, ökologische Verbesserungen mit Anforderungen von Schifffahrt und Hochwasserschutz zu verbinden. Die Paradeisinsel gilt dabei als Pilotprojekt mit Modellcharakter für weitere Renaturierungsmaßnahmen entlang des Stroms.
Eingriffe auf 2,7 Kilometern Ufer
Konkret sollen entlang der Insel harte Uferverbauungen auf einer Länge von rund 2,7 Kilometern entfernt und Buhnen abgesenkt werden. Dadurch kann sich der Uferbereich wieder natürlicher entwickeln. Gleichzeitig wird das Seitengewässer hinter der Insel – das sogenannte Hinterrinner – ökologisch aufgewertet.
Die Maßnahmen sollen unter anderem geschützte Flachwasserzonen für Jungfische schaffen, die Verbindung zwischen Fluss und Au verbessern und die Dynamik der Donau stärken. Auch die Stabilisierung der Flusssohle sowie eine ausreichende Fahrwassertiefe für die Schifffahrt bleiben dabei Teil der Planung.
Infrastrukturminister Peter Hanke betonte beim Baustart den doppelten Nutzen solcher Projekte:
„Naturschutz und Hochwasserschutz an der Donau – das sind für mich zwei Seiten derselben Medaille, die sich ergänzen.“
Durch den Abbau harter Befestigungen und die Wiederherstellung natürlicher Strukturen könne sowohl die Biodiversität gestärkt als auch die Hochwassersicherheit verbessert werden.
Lebensraum für Fische, Vögel und Aulandschaft
Die Paradeisinsel liegt im Bereich der freien Fließstrecke östlich von Wien im Umfeld des Nationalparks Donau-Auen. Durch fortschreitende Verlandung zwischen Insel und Ufer waren zuletzt wichtige flussdynamische Prozesse verloren gegangen.
Nationalparkdirektorin Edith Klauser erwartet durch die Maßnahmen eine deutliche ökologische Aufwertung:
„Gemäß unserem Motto ‚Freier Fluss. Wilder Wald.‘ entstehen wieder eine echte wilde Donauinsel sowie natürliche Strukturen wie Kiesbänke, Flachwasserbereiche und Uferanrisse.“
Davon sollen neben Fischarten auch Vogelarten wie Seeadler oder Eisvogel profitieren.
Forschung begleitet das Projekt
Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung der BOKU Wien. Projektkoordinator Helmut Habersack sieht in der Maßnahme einen wichtigen Testfall für künftige Renaturierungsprojekte:
„Mit einem entsprechend treffsicher gestalteten Maßnahmenpaket wird die Paradeisinsel zum Benchmark für optimale Renaturierungsmaßnahmen an der gesamten Donau.“
Teil eines größeren Donau-Renaturierungsprogramms
Die Arbeiten sind Teil mehrerer internationaler Programme, darunter Horizon Europe, INTERREG Slowakei–Österreich sowie das European Open Rivers Programme. Insgesamt sind im Projekt DANUBE4all 23 Partner aus 14 Ländern beteiligt.
Das Budget für die Bauphase der Maßnahmen an der Paradeisinsel beträgt rund eine Million Euro. Neben ökologischen Effekten soll das Projekt auch Erkenntnisse liefern, wie Renaturierung entlang großer europäischer Flüsse künftig umgesetzt werden kann.
