News

Wie ein No-Deal-Brexit die Logistik lahmlegt

Bildrecht: PIXABAY/LIUSHUQUAN
Bildrecht: PIXABAY/LIUSHUQUAN

ISM-Experte über die logistischen Konsequenzen des EU-Austritts

In gut vier Wochen tritt das Vereinigte Königreich (nach heutigem Stand) aus der EU aus. Ein Abkommen gibt es dafür bislang nicht. Dabei bedeutet ein harter Brexit für viele Branchen über Nacht drastische Konsequenzen. Die bereits absehbaren Folgen für die Logistik wären katastrophal, sagt Prof. Otto Jockel von der International School of Management (ISM).

Deal or No Deal? Unter welchen Bedingungen Großbritannien am 29. März aus der EU austritt, ist weiterhin unklar. Währenddessen laufen die Vorbereitungen der Unternehmen für den Brexit bereits. Ein harter Brexit würde mit seinen plötzlich einsetzenden administrativen Änderungen über Nacht zu einem Chaos führen, besonders an der Grenze. "Ein ungeregelter Brexit bedeutet abrupt auftretende Handelshemmnisse im Warenverkehr zwischen Großbritannien und der EU", sagt ISM-Professor Otto Jockel vom hochschuleigenen Logistik-Institut SCM@ISM. "Die Herabsetzung der Leistungsfähigkeit und die Steigerung der Logistikkosten sind jetzt schon absehbar."

Ein besonderes Problem stellt der Warenfluss zwischen Calais und Dover dar. Das sind die Dreh- und Angelpunkte für über 11.000 LKWs pro Tag. Durch den Mehraufwand bei der Abfertigung samt Zollkontrollen würden die Durchlässe zum Flaschenhals. Vorausgesetzt die Tausenden zusätzlich benötigten Zollbeamten könnten überhaupt gefunden werden, würden nur zwei Minuten mehr Abfertigungszeit pro LKW einen 27 Kilometer langen Rückstau bedeuten. "Die langen Laufzeiten erhöhen natürlich die Kosten und führen zu Versorgungslücken", erklärt Jockel. Nicht umsonst haben britische Automobilhersteller bereits vorgewarnt, ihre Werke durch Lieferengpässe vorübergehend stilllegen zu müssen. "Natürlich fahren die Unternehmen ihre Lager hoch, um Versorgungslücken vorzubeugen. Aber auch das ist nur begrenzt möglich und führt zu hohen Kosten."

In Deutschland und Österreich müssen sich besonders die Unternehmen vorbereiten, die vom englischen Warenverkehr abhängen. Dabei sollten sie für den schlimmsten Fall planen, den Brexit ohne Abkommen. Was genau das bedeutet, ist jedoch auch für Experten nicht klar. "Die langfristigen Konsequenzen sind noch nicht in Gänze absehbar. Bis zur Entwicklung eines alternativen Abkommens müssen wir mit sich drastisch erhöhenden Lieferzeiten, einem Anstieg der Transportkosten und in UK, wie schon von vielen Unternehmen angekündigt, mit einer Erhöhung der Lagerbestände und der hiermit einhergehenden Bestandskosten rechnen."

Hintergrund:

Die International School of Management (ISM) zählt zu den führenden privaten Wirtschaftshochschulen in Deutschland. In den einschlägigen Hochschulrankings rangiert die ISM regelmäßig an vorderster Stelle.

Die ISM hat Standorte in Dortmund, Frankfurt/Main, München, Hamburg, Köln, Stuttgart und Berlin. An der staatlich anerkannten, privaten Hochschule in gemeinnütziger Trägerschaft wird der Führungsnachwuchs für international orientierte Wirtschaftsunternehmen in kompakten, anwendungsbezogenen Studiengängen ausgebildet. Alle Studiengänge der ISM zeichnen sich durch Internationalität und hohe Lehrqualität aus. Projekte in Kleingruppen gehören ebenso zum Hochschulalltag wie integrierte Auslandssemester und -module an einer der über 180 Partneruniversitäten der ISM.


Das könnte Sie auch noch interessieren
Foto: Pixabay / Gerd Altmann

Am 1. Januar 2023 tritt das neue Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) in Kraft und stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Viele kennen…

Weiterlesen
Foto: Österreichische Post AG

Die Österreichische Post hat sich ganz der grünen Zustellung verschrieben – und das trotz Energiekrise. Verkehr sprach mit Peter Umundum, Vorstand…

Weiterlesen

Bereits zum 20. Mal wurde Leoben zum Hotspot für Logistik und Digitalisierung. Das Jubiläumsevent der neu formierten Independent Logistics Society …

Weiterlesen

Das Branchennetzwerk Clean Intralogistics Net (CIN) lud vor kurzem zu einer Innovationsveranstaltung mit Leistungsschau und Werksrundgang in das BMW…

Weiterlesen
Foto: DHL Express

Vor kurzem hob Alice, ein vollelektrisches Flugzeug, zu seinem Jungfernflug vom Grant County International Airport (MWH) (Moses Lake, Washington, USA)…

Weiterlesen
Foto: CargoBeamer

Das Unternehmen hat erfolgreich einen erstmaligen Testzug zwischen Marseille und Calais realisiert. Es ist die erste erfolgreiche Bahnverbindung für…

Weiterlesen
Foto: Jettainer

Das Unternehmen setzt sein Wachstum im asiatisch-pazifischen Markt fort und kündigt an, seine Präsenz in der Region bis 2023 mit Singapur und Hongkong…

Weiterlesen
Foto: SBB Cargo

Die SBB setzt auch in Zukunft auf den Güterverkehr und baut ihn aus. Sie will „Für mehr Güter mehr Bahn“ und schafft mit „Suisse Cargo Logistics“ die…

Weiterlesen
Foto: Nordlicht / Autolink

Ende September 2022 eröffnete im Rostocker Überseehafen das erste Autolink Fahrzeugterminal Deutschlands.

Weiterlesen
Foto: UPS

UPS hat Susanne Klingler-Werner zur neuen Präsidentin von UPS Supply Chain Solutions (SCS) Europe ernannt. In ihrer neuen Rolle wird Klingler-Werner…

Weiterlesen

Schon gehört?

Der Podcast der Internationalen Wochenzeitung Verkehr in Kooperation mit Julia Schütze.

Hören Sie hier das Interview mit Andreas Matthä, CEO der ÖBB Holding.

Wenn Sie externe Inhalte von w.soundcloud.com aktivieren, werden Daten automatisiert an diesen Anbieter übertragen.

Termine

BVL - Deutscher Logistik-Kongress 2022

Datum: 19. Oktober 2022 bis 21. Oktober 2022
Ort: Hotel Intercontinental und Schweizerhof, Berlin

Mehr Termine

Verkehr im Austria Kiosk

Aktuelle ePaper-Ausgaben der Wochenzeitung Verkehr können Sie direkt im Austria Kiosk kaufen.