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„Verkehrssicherheit ist eine der Kernstrategien der Asfinag“

Foto: Asfinag
Josef Fiala (li.) und Hartwig Hufnagl (beide Vorstand der Asfinag) investieren vor allem in die Verkehrssicherheit und setzen hierbei auch auf die Digitalisierung.
Foto: Asfinag

Das Asfinag-Modell gilt international als Vorzeigeprojekt. Verkehr sprach mit den Asfinag-Vorständen Josef Fiala und Hartwig Hufnagl über erzielte Erfolge, die aktuelle Straßensituation und Investitionen.

Aufgrund der Corona-Krise kam es im vergangenen Jahr zu Veränderungen im Verkehr. Welche Trends konnte die Asfinag hier beobachten und welche Prognosen gibt es für 2021?
Josef Fiala:
Bundesweit hat der Lockdown vom Frühjahr einen Rückgang des Gesamtverkehrs von 23 Prozent im ersten Halbjahr gebracht. Das Minus bei Pkw betrug 25 Prozent, beim Schwerverkehr rund acht Prozent. In den Ballungsräumen hat sich vor allem der Berufs- und Pendlerverkehr jedoch bis Ende Juni wieder auf das Niveau vom März (vor dem Lockdown) normalisiert. Erwartungsgemäß blieben die sommerlichen Urlauberströme deutlich unter dem gewohnten Wert. Die Reisebilanz zeigte für Juli und August im Schnitt einen Rückgang von 10,6 Prozent beim Pkw-Verkehr im Vergleich zu 2019. Auf der Tauernroute etwa gab es an den Reise-Samstagen durchschnittlich sogar ein Minus von knapp 22 Prozent – das spürten wir einnahmenseitig besonders beim Absatz von Kurzeitvignetten oder an unseren Mautstellen. Eine Prognose ist schwierig, aber die Fahrleistung ist ein Wirtschaftsindikator, und die Auswirkungen der Krise werden wir sicher auch 2021 spüren.

Wie wirken sich diese Verkehrsrückgänge auf den Umsatz der Asfinag aus?
Fiala:
Obwohl wir den Lockdown in unseren Berechnungen berücksichtigt haben, sind die präzisen Auswirkungen noch schwer einschätzbar. Die Lkw-Zahlen bleiben relativ stabil, während es signifikante Einbrüche beim individuellen Berufsverkehr gibt. In Summe rechnen wir über das gesamte Jahr bei den Einnahmen aus Vignette und Lkw-Maut mit einem Minus von ca. 300 Millionen Euro. Die Asfinag ist aber finanziell weiterhin stabil – Kurzarbeit oder Personalabbau waren kein Thema, allerdings wurden durch den Abbau von Urlaubstagen oder Zeitguthaben Einsparmaßnahmen gesetzt.

Der geringere Verkehr war vor allem in puncto Verkehrssicherheit bemerkbar: In den ersten zehn Monaten des Jahres gab es 60 Verkehrstote weniger als im gleichen Zeitraum 2019. Die Asfinag verfolgt mehrere Strategien, um diese Zahl noch weiter zu senken. Welche davon diesen waren aus Ihrer Sicht erfolgreich?
Hartwig Hufnagl:
Die Summe der Maßnahmen macht den Erfolg aus. Jeder zweite Euro, den wir investieren, fließt in die Verkehrssicherheit. Unfälle mit Todesfolge konnten wir so in den letzten Jahren trotz steigender Verkehrszahlen deutlich reduzieren. Hervorzuheben ist sicher unser milliardenschweres Programm für mehr Tunnelsicherheit, also der Bau zweiter Tunnelröhren, und neueste Sicherheitstechnik in den Anlagen. Ein weiterer Fokus lag auf mehr Asfinag-Rastplätzen und dem Ausbau der Lkw-Stellplätze. Wir beteiligen uns auch immer stärker an der Kontrolle des Schwerverkehrs, um mangelhafte Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen. Zudem haben wir bei den Leitschienen nachgebessert sowie Anpralldämpfer bei Abfahrten und Tunnelportalen errichtet. Und wir setzen auf Bewusstseinsbildung im Rahmen von Informationskampagnen.

Welche Strategien sind zukünftig geplant?
Hufnagl:
Verkehrssicherheit ist eine der Kernstrategien der Asfinag, deswegen haben wir unser erfolgreiches Verkehrssicherheitsprogramm mit Zielhorizont 2030 weiterentwickelt. Wir evaluieren darüber unsere Maßnahmen laufend und adaptieren sie flexibel. Die Autobahnen sollen ein „sicheres System“ sein – dafür muss die Infrastruktur so beschaffen sein, dass sie kleine Fahrfehler ausgleicht und tödliche oder schwere Verletzungen verhindert. Besonders die Digitalisierung wird hier neue Chancen für mehr Verkehrssicherheit, aber auch flüssigeren Verkehr und weniger Stau eröffnen. Wir beginnen jetzt, die Autobahn sukzessive mit modernsten Funkeinrichtungen auszurüsten. Bald wird die Asfinag als erster Infrastrukturbetreiber Europas in der Lage sein, vor allem sicherheitsrelevante Verkehrsinformationen mittels WLAN direkt in die Fahrzeuge zu bringen. Lenker werden so in Echtzeit künftig zielgenau vor Gefahrenstellen gewarnt.

Stichwort Digitalisierung: Das derzeit vielerorts getestete autonome Fahren soll eine der Lösungen sein, um die Zahl der Verkehrstoten in Richtung null zu bewegen. Die Vorstufe davon, das „automatisierte Fahren mit Assistenzsystemen“, wird erprobt. Wie weit fortgeschritten ist die Infrastruktur in Österreich, um diese Technologie einzuführen?
Fiala:
Unter strengen Vorgaben laufen entsprechende Tests auf unserem Netz. Die Asfinag versteht sich hier als Partner der Autoindustrie und stellt die erforderliche digitale Infrastruktur zur Verfügung. Konkrete Forschungsprojekte gibt es bei Graz und in Oberösterreich, die wir durch Sensoren, Kameras und Daten zu Verkehrsaufkommen, Ereignissen auf der Strecke oder Wetter unterstützen.

Eine flächendeckende Versorgung mit 5G gilt als Voraussetzung für das autonome Fahren. Wie stellt sich dieses Thema für die Asfinag dar?
Fiala:
Bei der Vernetzung von Infrastruktur und Fahrzeugen setzen wir aktuell auf die ausgereifte WLAN-Technologie. Das hat aber keinen Einfluss auf andere zukünftige ergänzende Technologien, wie etwa die Mobilfunktechnologie 5G. Die Asfinag kann die vorhandenen Informationen so verteilen, dass auch künftige Technologien versorgt werden können.

Die Asfinag hat heuer wieder etliche Baustellen gestartet. Mussten coronabedingt welche storniert werden? 
Hufnagl:
Nein, wir haben unsere Baustellen im März vorübergehend ruhend gestellt und in Abstimmung mit Bauwirtschaft und Sozialpartnern mit geeigneten Hygienestandards wieder hochgefahren. Die Effekte der dreiwöchigen Pause auf die Bauprogramminvestitionen wurden im Sommer bewertet und haben sich mit minus zwei Prozent des jährlichen Planwerts nur gering ausgewirkt. Wir werden heuer somit das geplante Investitionsvolumen im Großen und Ganzen halten.

Welche Bauprojekte sind für 2021 geplant?
Hufnagl:
Bei der Erhaltung steht auch 2021 wieder Wien mit der Südosttangente im Abschnitt St. Marx und dem Knoten Kaisermühlen im Fokus. Wichtige Projekte sind der Bau einer dritten Fahrspur an der A 4 Ostautobahn von Fischamend bis Bruck West und die Verbreiterung der S 31 Burgenland Schnellstraße, die Fahrbahnen werden auch durch eine Betonleitwand getrennt. Ein solcher Ausbau beginnt im kommenden Jahr auch für die S 4 Matters-burger Schnellstraße.
Beim Streckenneubau laufen die Arbeiten für die neue Donaubrücke, den ersten Abschnitt der A 26 Linzer Autobahn sowie für die S 7 Fürstenfelder Schnell- straße von Riegersdorf bis zur ungarischen Staatsgrenze bei Heiligenkreuz. Ein großes Projekt für mehr Tunnelsicherheit ist der Neubau der zweiten Röhre des Karawankentunnels an der gleichnamigen A 11 in Kärnten.

Welche Wünsche würden Sie an die Politik richten?
Fiala:
Die Beibehaltung des international anerkannten Asfinag-Modells. Als Mobilitätspartner sind wir rein nutzerfinanziert, benötigen somit keine Zuschüsse der öffentlichen Hand und investieren die Einnahmen wieder in ein verkehrssicheres und leistungsfähiges hochrangiges Netz. Von diesem Modell profitieren unsere Kunden und der Wirtschaftsstandort Österreich.

Hufnagl: Als bedeutende Arbeit- und Auftraggeberin steht die Asfinag zudem auch für attraktive Arbeitsplätze, nachhaltige Lieferketten, faire Geschäftsbeziehungen und umfassenden Umweltschutz. Die Asfinag ist somit ein unverzichtbarer Partner für die Erreichung der Klimaziele.

Vielen Dank für das Gespräch!


Dieses Interview erschien ursprünglich in der Ausgabe VK 48-53/2020.


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