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Neuer Name, neuer Anlauf

Foto: Müller
„Wir haben die substanziellen Möglichkeiten, das Know-how und die personellen Kapazitäten, um die Dinge ins Positive zu drehen“, ist Korbutt zuversichtlich.
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Aus dem einstigen Joint Venture Q Logistics wurde Bexity. Um zu erfahren, wie es mit dem Unternehmen weitergehen wird, sprach Verkehr mit Anna-Theresa Korbutt, CEO des Unternehmens.

von: Josef Müller

Bei dem 2017 von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und dem Spediteur Quehenberger gegründeten Joint Venture Q Logistics gab es bis Ende des vergangenen Jahres einige wirtschaftliche Troubles. Die Gräben zwischen den ­beiden Unternehmen wurden immer größer mit der Kon­sequenz, dass sich Quehenberger gänzlich aus dem Joint Venture ­zurückzog. Die ÖBB übernahmen daraufhin alle Anteile und haben alleine weitergemacht. Kurze Zeit später haben sie dann aber schließlich auch die Reißleine gezogen, weil das ­Geschäft mit dem Stückgut und Warehousing offenbar keine Höhenflüge mehr erwarten ließ. Gegen Ende des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares SE das Unternehmen übernehmen wird. 

Seit Beginn dieses Jahres firmiert die ehemalige Q Lo­gistics unter dem neuen Firmennamen ­Bexity. Mutares hat ein ein­faches Geschäftsmodell: Wirtschaftlich schiefliegende Firmen übernehmen und diese dann sanieren, und zwar in möglichst kurzer Zeit, wie Bexity-Geschäftsführerin Anna-Theresa Korbutt im Gespräch mit Verkehr erläutert.

Vertrauen zurückgewinnen
Q Logistics litt zuletzt am Image-Verlust, mitunter ver­ursacht durch das Streuen von Gerüchten und Informationen über die unsichere Zukunft des Unternehmens, das auf die Geschäftsfelder Stückgutverkehr, Warehousing und Charter ­fokussiert war. Aus diesem Grund konzentrieren sich Korbutt und ihre beiden Kollegen in der Geschäfts­führung im ­ersten Ansatz auf die Wiederherstellung des ­Vertrauens bei den Kunden und eine solide Performance auf dem Markt. Bexity hat 850 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro. Das Unternehmen betreibt 17 Lager- und Transportlogistik-Standorte in ganz ­Österreich und wickelt über diese für zahlreiche Kunden verschiedene Lager- und Stückgutverkehre mit 24-Stunden-Ausliefergarantie in ganz Österreich ab. „Wir waschen uns derzeit von der einstigen ÖBB-Verbundenheit ab und ­investieren in drei ­Geschäftsfelder, die für uns erfolgversprechend sind“, betont Korbutt. Die studierte Betriebs- und Volkswirtin kam 2017 über den ÖBB-Personenverkehr und die ÖBB-Strategieleitung zu Q Logistics und bekam damals schon zu hören, dass sie „mit einem Eimer Wasser in ein brennendes Haus geht“.

Investitionen und Kooperationen 
2017 kam es bei Q Logistics zu einem „Totalschaden“. Denn dass die Verbindung ­zwischen den ÖBB und Quehenberger nicht harmonisch verlief, wurde jetzt end­gültig offensichtlich. „Spätestens seit dem Frühjahr 2019 brennt es nicht mehr im Haus. Neben den intensiven Bemühungen um Rückgewinnung des Kundenvertrauens stehen auch Investitionen in den Bereichen Weißware, Baustoffe sowie Food und FMC (Fast moving consumer goods) auf der Agenda. In diesen Branchen sehen wir gute Chancen, Marktterrain zu gewinnen“, ist die Managerin überzeugt. Das Terrain, auf dem sich das Unternehmen bewegt, ist in erster ­Linie der österreichische Markt. Bexity will künftig jedoch auch international die Fühler aus­strecken und bei ­Importen von Waren in den genannten drei Bereichen den Fuß in die Tür setzen sowie logistisch, in ­Kooperation mit Partnern, mitmischen. 

Bei der Verteilung der Güter setzt Korbutt auf die langjährige Zusammenarbeit mit rund 300 Transportunternehmen im Nah- und Fernverkehr. Denn die Transporte zwischen den Lo­gistikstandorten werden im Nachtsprung abgewickelt, ­wobei auf der Achse zwischen Ost- und Westösterreich die Transporte auf der Schiene ­erfolgen, während überall sonst bei Nachttransporten der Lkw dominiert. Der Grund dafür ist, dass einige Bexity-Standorte über keinen Gleis­anschluss verfügen. Auf der Agenda für die nächsten Monate steht zudem das Ausloten neuer Standorte sowie das Forcieren klimaneu­traler Ablaufprozesse und die digitale Vernetzung mit den Kunden. 

Bexity verfügt an ­seinen Standorten insgesamt über weit mehr als 180.000 ­Palettenstellpätze, und in der ­Steiermark und in Oberösterreich gibt es aktuell freie Kapazitäten für ­potenzielle Kunden, die künftig ihr Stückgut- und Warehousing-Geschäft mit ­Bexity abwickeln wollen. 

Rote Zahlen
Von Mutares bekommt Korbutt seit Jahresbeginn beratende Unterstützung, wobei es allerdings keine strengen strate­gischen Vorgaben gibt außer jene, Bexity möglichst bald in die schwarzen Zahlen zu bringen. Das ist zwar kein Ding der Unmöglichkeit, könnte sich aber als echte Herausforderung herausstellen. Trotz der Bemühungen ist es zum Beispiel den ÖBB von 1987, als sie mit dem Bahn-Express-Geschäft be­gonnen haben, bis zum Verkauf von Q Logistics Ende 2019 nie gelungen, schwarze Zahlen zu schreiben. Korbutt weiß das, lässt sich davon aber nicht ­entmutigen: „Wir haben die substanziellen Möglichkeiten, das Know-how und die per­sonellen Kapazitäten die Dinge ins Positive zu drehen“, sagt sie mit voller Zuversicht.

 

Diese Story erschien ursprünglich in der Ausgabe VK 07-08/2020.


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