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„Ich habe angefangen, an das Potenzial von Kärnten zu glauben“

„Die Zinssteigerung führt dazu, dass man noch fokussierter den Blick auf Attraktivität legt“, erklärt Christian Vogt, Geschäftsführer von DLH.
Fotos: DLH / Gerd Schneider
DLH ist gänzlich aus Gas ausgestiegen. In Ebergassing, wo aktuell gebaut wird, sollen die Hallen mit Biomasse beheizt werden. „Wir haben uns bewusst gegen Wärmepumpen entschieden“, so Vogt.
Fotos: DLH / Gerd Schneider

Im Gespräch mit Verkehr spricht Christian Vogt, Geschäftsführer von DLH in Österreich, über aktuelle und künftige Projekte, logistische Hotspots, die Zinsentwicklung und über die ­Vorteile von Brownfields gegenüber dem Bauen auf dem grünen Rasen.

von: Muhamed Beganović

DLH hat aktuell mehrere ­Projekte in Österreich am ­Laufen. Was ist da der Stand der Dinge?
Wir bauen bekanntlich zurzeit in Gattendorf und in Ebergassing. Beide Immobilien sollen 2024 fertiggestellt werden. In Kürze setzen wir den Spatenstich für die Hallenreihe 5 / Abschnitt „Alpha“ am Industrial Campus Vienna East in Enzersdorf an der Fischa.
Und dann gibt es natürlich noch das Projekt in Villach. Aber wir gehen nicht von einem Baubeginn vor 2025 aus, weil es da noch bestimmte Vorarbeiten von der Stadt Villach braucht.

Eine Logistikimmobilie will ­niemand vor der Haustür haben. Wie gehen Sie mit dem Widerstand der Anrainer um?
Unser Prinzip ist es, immer ­offen über unsere Projekte zu kommunizieren und auch stets die Wahrheit zu sagen, weil im Rahmen einer Immobilienentwicklung viele Unwahrheiten über Flächen, Größenordnung oder zu hohe Verkehrszahlen von Kritikern verbreitet werden, um damit der Bevölkerung Angst zu machen. Wahrheit hilft uns, Klarheit zu schaffen.
Was wir auch tun, ist, den Menschen zu erklären, was wir bauen werden, und ihnen zu zeigen, dass wir auch grüne Flächen schaffen. Und dass wir unser Bestes tun, um möglichst klimaneutral zu sein. Ich sage immer möglichst, weil ganz klimaneutral wird man wahrscheinlich nicht werden, aber wir können alles versuchen, um sich dem Ziel so gut wie möglich zu nähern. Wir arbeiten ­natürlich mit Photovoltaik, begrünen Wand- und Dachflächen, fangen Regenwasser auf und leiten dieses wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurück; wir planen auch Sickerböden ein und bepflanzen diese mit Wildblumen und machen noch vieles mehr. Wir tun das, weil es einerseits der Umwelt zuträglich ist, aber auch weil es besser ausschaut.

Wie lösen Sie das allgegen­wärtige Thema Beheizung?
Wir sind schon komplett aus Gas ausgestiegen. In Ebergassing setzen wir auf Biomasse, in dem Fall Hackschnitzel, um Wärme zu erzeugen. Wir haben uns bewusst gegen Wärmepumpen entschieden, denn diese haben einen unheimlich hohen Stromverbrauch. Deshalb gilt für uns: Biomasse. Es sei denn, es ist eine Fernwärme-Infrastruktur vorhanden so wie bei dem Projekt, das wir in Kärnten bauen wollen.

Wenn man über Nachhaltigkeit redet, muss man auch die ­Taxonomie-Verordnung ansprechen. Wie stehen Sie dazu?
Also die Verordnung an sich verstehe ich. Es soll EU-weit ein einheitlicher Standard geschaffen werden, nachdem bemessen wird, ob etwas den nachhaltigen Anforderungen entspricht oder nicht – und das ist der große Vorteil bei dieser Verordnung, muss man ganz klar sagen. So kann Greenwashing eliminiert werden.
Wenn man sich frühzeitig mit der Verordnung beschäftigt hat, dann ist das auch umsetzbar. Es spielen Rahmenbedingungen wie Photovoltaik oder eine nachhaltige Beheizung eine Rolle, und das Thema ESG greift hier natürlich, weil Environment, Social und Governance Bestandteil dieser Taxonomie sind. Wenn man alle Anforderungen erfüllt, ist man Taxonomie-fähig, dann kann man auch davon ausgehen, dass man Geldgeber findet, die in ein Projekt investieren, welches ein Entwickler wie wir aufbaut. Ist das nicht der Fall, ist eine Finanzierung mittelfristig nicht möglich, und das ist Sinn und Zweck, warum die EU die Verordnung eingeführt hat.

Kärnten ist mittlerweile das sechste Projekt von DLH in Österreich. Wie suchen Sie die Standorte aus?
Wir haben anfangs um Wien herum gebaut, weil da der Bedarf auch am größten war und sich internationale Investoren in erster Linie für Metropolen interessieren. In Österreich gibt es eigentlich nur eine Metropole – Wien – und dann noch zwei größere Städte, Graz und Linz. Und dann gibt es logistische Hotspots. Vor drei oder vier Jahren habe ich angefangen, an das Logistik-Potenzial von Kärnten zu glauben, und zwar in erster Linie in Fürnitz, weil das ein Knotenpunkt ist und es eine gute Verbindung zum Hafen Triest gibt. Das war für mich wichtig.
Wir haben nun auch begonnen, im Burgenland zu bauen, weil dieses Bundesland noch ­einiges an Potenzial bietet. Unser Projekt dort verbindet drei Länder. Oberösterreich ist auch sehr interessant.

Wie wirkt sich die Kreditzinserhöhung auf den Markt aus?
Natürlich hat der große Boom im Zuge der steigenden Zinsen und der Inflation nachgelassen. Im Moment wird in dieser Situation abgewartet. Die Zinssteigerung führt allerdings dazu, dass man noch fokussierter den Blick auf Attraktivität legt.

Wie stehen Sie zum Thema Brownfields?
Unsere ersten Projekte waren klassische Brownfields. In Enzersdorf haben wir damals eine alte Spinnerei, die auf einer 50.000 m2 großen Fläche stand, gekauft und zuerst die umliegenden Flächen bebaut. Vor einem halben Jahr haben wir begonnen, die alte Spinnerei abzureißen, und werden dort 35.000 m2 neue Flächen entwickeln. Auch unser Projekt am Flughafen Wien ist ein Brownfield, eine ehemalige Ziegelanlage. Brownfields haben den Vorteil, dass sie in der Regel schon eine Infrastruktur, also Straßen, Stromleitungen, Abwasserkanäle usw., haben. Wenn ich ein reines Greenfield kaufe, muss ich all diese Infrastruktur erst schaffen. Nur: Die Brownfields gehen uns langsam aus und dementsprechend müssen wir dann auch schon mal auf ­einem Greenfield bauen. Wir versuchen dann aber, dieses so wenig wie möglich zu versiegeln.
Brownfields sind kostenintensiv (Abriss, Beseitigung von Bodenunreinheiten etc.) und sie bringen keine Vorteile bezüglich Steuern oder Genehmigungs­fragen – hier würde ich an den Gesetzgeber appellieren, wirklich Anreize zu schaffen, um Investitionen in Brownfields lukrativer zu machen.


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