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Sinkende Wettbewerbsfähigkeit der Bahnindustrie

v.l.n.r.: Christian Helemnstein (Economica-Institut), Kari Kapsch und Angela Berger (beide Verband der Bahnindustrie). (Bildrecht: Bernd Winter)

Versäumnisse bestehen bei Finanzierung, Vergabe und Innovationsumsetzung.

Zu Beginn der heutigen Pressekonferenz in der Industriellenvereinigung in Wien, präsentierte der Präsident des österreichischen Verbands der Bahnindustrie, Kari Kapsch die beeindruckenden Zahlen der Branche: zuletzt wurden mit knapp 10.000 Mitarbeitern ein Gesamtumsatz von 3,1 Mrd. EUR erwirtschaftet. Das entspricht einer Gesamtwertschöpfung von 1,5 Milliarden Euro bzw. 0,5 Prozent des österreichischen BIPs. Im Anschluss präsentierte Christian Helmenstein vom Economica-Institut weitere Leistungsdaten der heimischen Bahnindustrie,  "Mit einer Exportquote von 64 Prozent hat die österreichische Bahnindustrie einen beachtlichen 5-%igen Weltmarktsanteil."  Er präsentierte dabei noch eine andere bildliche Darstellung der Gesamtleistung der österreichischen Bahn: Wenn man alle Fahrleisteungen auf dem heimischen Schienennetz zusammenzählt, dann umrundet ein Zug alle 2 Stunden die Erde und das permanent 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr! Die Innovationskraft der heimischen Bahnindustrie ist ungebrochen hoch. Auch wenn China bei der weltweiten Anzahl an Patentanmeldungen klar führt, belegt Österreich international den sechsten Platz. Bei der Erfinderdichte bezogen auf die Einwohnerzahl ist Österreich sogar weltweit die Nummer eins.

Wettbewerbsnachteile
Kari Kapsch sieht von politischer Seite Handlungsbedarf bei der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen und europäischen Bahnindustrie. Dies betrifft u.a. die Finanzierungsunterstützung von internat. Bahnprojekten. „China hilft u.a. den afrikanischen Staaten bei der Finanzierung von Bahnprojekten. Von Seiten der EU gibt es derzeit keinerlei Anstrengungen!“, kritisiert er. Darüber hinaus ist für ihn auch die Vergabepolitik in Europa stark hinterfragenswert, „Die Qualität wird zuwenig berücksichtigt! Wenn hier nichts getan wird, besteht die Gefahr, dass die europäische Bahnindustrie ein ähnliches Schicksal wie die Telekombranche ereilt!“ Darüber hinaus gilt es einheiltiche Standards in Europa zu definieren, die einheitliche Normen implementieren. Kapsch betont, "Die Umsetzung des 4. Eisenbahnpakets ist ein nächster wichtiger Schritt in diese Richtung."

Lange Umsetzung neuer Technologien
Derzeit benötigen die europäischen Bahnen durchschnittlich 20 bis 30 Jahre, um neue Technologienzu implementieren. "Beim rasantenTechnologiewandel wird dies aber in Zukunft nicht mehr reichen. Wenn wir u.a. vom autonomen Bahnverkehr sprechen und das europaweit, dann funktioniert das nur, wenn neue Standards auch rasch ins Feld gebracht werden. Wir benötigen Experimentierräume nahe der wichtigsten Industriezonen des Landes. Das ist essentiell, damit die Schiene gegenüber dem Verkehr auf der Straße wettbewerbsfähig bleiben kann." ist Kapsch überzeugt.


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