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Geofencing: ein virtueller Zaun und viele Anwendungen

Foto: Shutterstock.com / alphaspirit
Geofencing ist ein Begriff mit dem nicht viele etwas anfangen können - und das obwohl seine Anwendungsmöglichkeiten vielfältig sind. Verkehr liefert einen Überblick.
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In der Intralogistik hält Geofencing digitale Systeme im Zaum. Im Waren- und Zustellverkehr sorgt Geofencing für mehr Sicherheit und punktgenaue Planbarkeit. Wie funktioniert es?

von: Claudia Hefelle

Interessanterweise verbinden viele Menschen die Anwendung von Geofencing mit der Einschränkung von Drohnenflügen und mit Luftverkehr. Tatsächlich befindet sich Geofencing in der europäischen Luftfahrt jedoch noch auf der Diskussionsebene. Anders sieht es bei innerbetrieblichen Anwendungen aus, bei denen die Technologie schon breiter eingesetzt wird.

Mehr Sicherheit im internen Betrieb
In der Intralogistik sind Geofencing-Anwendungen längst ein integrativer Teil von intelligenten Lösungen geworden und finden im Indoor-Bereich besonders in Verbindung mit fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF), Behältertracking sowie Gabelstaplerortung regen Einsatz. Im Wesentlichen geht es hier um Kommunikation in dem Sinne, dass ein lokales Ereignis automatisch erfasst sowie mit einer daraufhin zu erfolgenden Aktion verbunden wird. Dies kann im Aussenden einer E-Mail oder auch im Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine durch die Drosselung des Tempos seitens des Fahrzeugs in Begegnungssituationen passieren und über unterschiedliche Kommunikationsnetze erfolgen. Ein integriertes Sensornetzwerk, das zumeist über Ultrabreitband arbeitet und in dem sogenannten statischen Anker gesetzt wird, empfängt dabei Signale von mobilen Tags. Andreas Finken, Sales Manager Logistics von Kinexon Industries aus München: "Wir sind sehr nah an den Bedürfnissen des Kunden." Eine zentrale und offene Edge-Plattform, wie im Falle von Kinexon RIoT, verarbeitet objektbezogene Positions-, Status- und Bewegungsinformationen in Echtzeit in selbstorganisierenden Prozessen. RIoT (Real-Time IoT) verknüpft unterschiedlichste Betriebsdaten aus Produktions- und Logistikprozessen in Echtzeit über offene Schnittstellen und stellt sie Applikationen oder Benutzern zur Verfügung. Für Kunden im Bereich der Maschinenreparatur realisierte Kinexon so ein System, das Maschinen-Einzelteile, die an unterschiedlichen Stellen getrennt voneinander bearbeitet werden, einander fix zuordnen lässt sowie auch eine Priorisierung von Aufträgen ermöglicht. "Hier bleiben alle Komponenten der fertigen Maschine die ganze Zeit über lokalisierbar. Bei Priorisierung befinden sie sich quasi 'auf der Überholspur' innerhalb des Werkes", so Finken stolz.

Geofencing und Corridor Fencing
Geofencing-Software kommt ebenso auf der Straße täglich zur Anwendung. Im Zusammenspiel von geographischen und logistischen Funktionen macht Geofencing allerdings nur einen Teil der modular integrierbaren Anwendungen aus. GPS-getrackte Objekte werden dabei in einem festgelegten Gebiet oder auch in Form von Corridor Fencing erfasst. Bei Übertretung der virtuellen Umzäunung wird ähnlich wie im Indoor-Bereich eine automatische Aktion ausgelöst. "Unsere Angebote basieren auf Algorithmen, Karten und Berechnungs-Know-how", erklärt Tobias Häßler, Sales Logistics Manager für die DACH-Region bei der PTV Group. Im Lkw befindet sich üblicherweise eine Telematik-Applikation, die in Verbindung mit dem Transport-Managementsystem die genaue Position abbildet. Der große Vorteil ist die Zusammenführung auf einer Oberfläche. Neben Soll-Ist-Vergleichen können spezielle Features dazugeschaltet werden, zum Beispiel in der temperaturgeführten Logistik. "Wir können sehr viele unterschiedliche Werte vergleichen, da wir aktiv Daten von Sensoren, aus Protokollen etc. auswerten", so Georg Moyzisch, Head of Sales InfPro IT Solutions GmbH. Die Kunden sind sowohl kleine Start-ups als auch große Transportfirmen, denn die Abrechnung der anfallenden Lizenzgebühren erfolgt pro getracktem Fahrzeug und ist somit auch für kleinere Unternehmen interessant.

Ladungssicherung und Zustellverkehr

Bei sensiblen Gütern wird von Unternehmen Geofencing zur Ladungssicherung oder in der Korridor-Überwachung eingesetzt, die genau festlegt, wie weit sich ein Fahrzeug nach Überschreiten einer Grenze von der vorgegebenen Route noch entfernen darf, ehe im Eskalationsfall eine Benachrichtigung erfolgt. Im Zustellverkehr erlaubt Geofencing die Optimierung von Be- und Entladevorgängen, durch automatische Benachrichtigung der Empfänger nach Erreichen einer gewissen Nähe zum Abladeort. Anhand von GPS- und Kartendaten wird daraufhin eine vorprogrammierte Aktion ausgelöst, etwa das Versenden einer entsprechenden SMS, die die Ankunftszeit präzisieren kann. "Verlässt das Fahrzeug nach einer bestimmten Zeit die Entladestelle wieder, geht das operierende System von einer erfolgreichen Zustellung aus und fakturiert automatisch", erläutert Moyzisch, einen möglichen weiteren Verlauf. Auch KEP-Dienste nutzen Geofencing gerne für eine zeitgerechte Kommunikation mit den jeweiligen Empfängern. In sensiblen Gebieten wie Stuttgart werden ausgehend von aktuellen Verkehrsentwicklungen darüber hinaus ETA-Zeiten und ideale Pausenberechnungen vorgegeben. Und auch in Intermodalen Verkehren gibt es bereits gute Ansätze für das Tracking von Containern auf allen Beförderungswegen.



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Weitere Themen in der Ausgabe 21/2018 ( + Logistikroundtable):

- Der billionenschwere Code: Das Wertschöpfungspotenzial der Künstlichen Intelligenz in der Logistik wird enorm hoch eingeschätzt. Doch wie soll diese Technologie die Branche verändern? Und wie soll sie eingesetzt werden?

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- "Eine Lösung für das Problem der Kabotage ist nicht in Sicht": Der Zustand der steirischen Straßen und Brücken wird schlechter, betont Peter Lackner, Spartengeschäftsführer Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Steiermark. Verkehr sprach mit ihm über die Kabotage, den Nacht-60er und wie der geforderte Bürokratieabbau aussehen könnte.

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+ LOGISTIKROUNDTABLE:

Arbeitsausschuss Logistik:
Gute Bilanz nach drei Jahren Arbeit. Die teilnehmenden Experten im Arbeitsausschuss für Logistik ziehen eine positive Bilanz. Dabei gelang ein Interessenausgleich zwischen Arbeitgeber- und Arbeiternehmerseite mit dem Ziel, den Logistiksektor und den Wirtschaftsstandort Österreich durch verschiedene Maßnahmen wettbewerbsfähiger zu machen.


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