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Freil: „Hier ist alles wesentlich intensiver!"

Foto: Winter
China wird nicht ewig die Züge nach Europa subventionieren, daher bereitet sich FELB bereits jetzt auf diese Zeit vor, so Alexander Freil im Interview über die "Neue Seidenstraße".
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Verkehr sprach mit Alexander Freil, COO von FELB – Far East Landbridge Ltd, dem Spezialisten für den Transport von Containern zwischen dem fernen Osten und Russland/Europa über die transsibirische Route, in seinem neuen Büro in Shanghai über die „Neue Seidenstraßen“-Initiative Chinas.

von: Bernd Winter

Verkehr: Sie sind nun über ein Jahr für FELB in China tätig. Welche Erfahrungen haben Sie im Vergleich zu jenen in Europa hier in China bisher gemacht?
Alexander Freil:
Die Arbeitsfrequenz hier ist mit jener in Europa bzw. Österreich nicht vergleichbar. Hier ist alles wesentlich intensiver. Das Schöne ist aber trotzdem, dass man in China nach wie vor viele Möglichkeiten hat wie vielleicht vor rund 15 bis 20 Jahren in Europa. Mit entsprechendem Einsatz, guten Ideen und Innovationen kann man in China noch vernünftig Geschäfte machen.

Das heißt, der Markt ist jetzt gerade in Ihrem Bereich noch nicht komplett besetzt?
Freil:
Der Markt hier ist extrem dynamisch. Die Rahmenbedingungen ändern sich fast wöchentlich. Politische Entscheidungen spielen in China eine ganz große Rolle.

Wie war Ihre Geschäftsentwicklung zuletzt in China?
Freil:
2017 war mit Abstand eines der besten Jahre der FELB-Firmengeschichte. Wir konnten das Volumen letztes Jahr (wie in den Jahren zuvor) fast wieder verdoppeln. Parallel dazu müssen wir dieses Wachstum auch organisatorisch und strukturell bewältigen, das ist dann nicht immer so leicht und derzeit eine unserer größten Herausforderungen.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie für 2018?
Freil:
Ich kann es wirklich noch schwer abschätzen. Grundsätzlich, was den Gesamtmarkt betrifft, werden die Volumen sicherlich steigen. Die Herausforderung wird sein, auch generell die Qualität halten zu können. Aufgrund der extremen Unterstützung des Bahnsektors durch die chinesische Regierung sind die Volumen in den letzten Jahren enorm gestiegen. Das stellt vor allem für die Infrastruktur - hier vor allem für die Umschlagterminals - eine große Herausforderung dar. Aber die Stärke des Produkts ist einfach die Laufzeit.

Es gibt ja mehrere "Seidenstraßen". Wo sind Ihre Hauptstrecken und wie wird sich das in den nächsten Jahren entwickeln?
Freil:
Das ist schwer einzuschätzen. Es gibt Infrastrukturinvestitionen der Chinesen natürlich auf der klassischen Seidenstraße-Route bzw. zukünftig auch mehr auf dem Transkaspischen Korridor. In den kleineren Staaten entlang dieser Route haben Infrastrukturinvestitionen einfach einen viel stärkeren Hebel. Das ist aber derzeit noch nicht der Fall. Wir zählen momentan sicherlich zu den stärksten Playern auf der Route über Sabaikalsk (Russland)/Manjur (China), das heißt über den direkten Weg nach Russland, also über die Nordroute. Das ist vor allem für die nordchinesischen Städte im Automotivbereich sehr interessant. Wir fahren u. a. derzeit für BMW zwei bis drei Blockzüge pro Woche und für Volvo zwei Ganzzüge pro Woche. Andere Produkte fahren wir aus dem Süden Chinas ebenfalls über Sabaikalsk nach Europa. Durch die gute Anbindung an das Transsibirische Eisenbahnnetz funktioniert diese Route auch sehr gut. Hinsichtlich der Route über die Mongolei ist die Infrastruktur vor Ort nicht optimal. Zusätzlich gibt es dort ziemliche Verstopfungen an der chinesischen Grenze, durch die vielen Holzzüge aus Russland.

Welche Seidenstraßen-Route bevorzugt China derzeit?
Freil:
Die schnellste und die wahrscheinlich von China am ehesten unterstützte Route ist sicherlich jene vom chinesischen Chongqing über Kasachstan nach Europa. Hier laufen die größten Mengen, und die notwendige Infrastruktur ist ebenfalls an den Grenzen vorhanden.

Wie sehen Sie die zukünftige Marktentwickung und welche Schwerpunkte wollen Sie in den kommenden drei bis fünf Jahren setzen?
Freil:
Wir werden nun noch mehr als bisher die Stärken unseres Produktes herausarbeiten. Diese gigantischen Volumen, die wir momentan bewegen, werden irgendwann ein Limit erreichen. Man geht davon aus, dass China ab 2020 ihre Subventionspolitik wieder hinunterfahren wird. Spätestens dann wird sich zeigen, welche Player am Markt wirklich bestehen können. Darauf bereiten wir uns vor. Mit künstlich niedrigen Frachtraten die Menge an Transportvolumen hochzuhalten, wird es dann nicht mehr geben. Der Markt ist aber groß genug. Es geht derzeit vor allem darum, die Industrie zu überzeugen, auf den Bahntransport für ihre Supply Chains zu setzen, dann werden die Volumina sicherlich zumindest auf dem gleichen Stand wie gegenwärtig bleiben.

Welche Produkte bieten sich primär für den Bahntransport zwischen China und Europa an?
Freil:
Das beginnt bei Hightech- und reicht bis zu Luxusprodukten bzw. -industrien, bei denen eine stabile Supply Chain notwendig ist, wie u. a. im Automotivebereich. Sinnvoll ist es, einen gewissen Prozentsatz des Transportvolumens von der Seefracht auf die Bahn zu verlagern, um im Bedarfsfall auch ein Backup zu haben, falls es im Seebereich zu Problemen kommt. Die Bahn ist sicherlich kein Produkt, das für Schnellschüsse geeignet ist. Der Fahrplan lässt sich nicht von heute auf morgen umstellen. In Zukunft wird es vor allem darum gehen, eine qualitative Dienstleistung für den Kunden zu erbringen. Es geht um sinnvoll eingesetzte Tracking- und Tracing Tools, um stabile Laufzeiten und zukünftig unter Umständen auch um Garantien für die Laufzeiten. Hier haben auch wir in den kommenden Jahren noch einiges zu tun.

Jetzt steht gerade die Paarigkeit der Transporte zwischen Europa und China immer wieder zur Diskussion. Wie sehen Sie diese Entwicklung?


Lesen Sie die Fortsetzung dieses Interviews in unserer frischgedruckten Ausgabe VK 25/2018 oder digital im Austria Kiosk.


Das obige Interview ist nur eines von vielen aus unserem neuen Seidenstraßen-Special. Weitere Themen in dem "Seidenstraßen Special", das dem VK 25/2018 beiliegt:

- Den digitalen Kurs für die "Neue Seidenstraße" setzen:
Logistik 4.0 und die "Neue Seidenstraße" waren zwei der wichtigsten Themen auf der transport logistic China 2018, die vom 16. bis 18. Mai 2018 in Shanghai stattgefunden hat. Verkehr war vor Ort. Ein Nachbericht.

- Europa und China wachsen zusammen: Heuer konnte die transport logistic China neue Rekordbesuchszahlen schreiben. Verkehr sprach in Shanghai mit den Organisatoren Gerhard Gerritzen und Robert Schönberger (beide von der Messe München) über ihre zukünftigen Pläne der "transport logistic"­Messe in München und Shanghai.

- Der Ferne Osten ruft: Die Rail Cargo Group möchte den Güterverkehr aus China via Russland nach Österreich und Europa verstärken. Verkehr sprach mit RCG-Vorstand Thomas Kargl über Chancen und Perspektiven auf der "Neuen Seidenstraße".

- Siemens unterstützt die "Neue Seidenstraße": Beim ersten "Belt and Road International Summit" in Peking konnte der Konzern mehr als zehn Kooperationsvereinbarungen mit chinesischen Unternehmen unterzeichnen.

- "China ist schneller!": Verkehr sprach vor Ort mit Christina Schösser, Büroleiterin und Wirtschaftsdelegierte des AussenwirtschaftsCenters in Shanghai, über ihre Erfahrungen in China und wie sich die heimischen Firmen hier schlagen. In der Seidenstraßen-Initiative sieht sie große Chancen für Österreichs Wirtschaft.

- Die "Neue Seidenstraße" ist mehr als nur ein Infrastrukturprojekt: In Österreich wird Chinas "Neue Seidenstraßen"-Initiative fast ausschließlich als ein riesiges Infrastrukturprojekt diskutiert. Sie ist aber deutlich mehr. Drei Lektionen, die man aus der Initiative ziehen kann, zusammengestellt von Andreas Breinbauer und Reinhold Schodl.

- Europa und China rücken immer mehr zusammen: Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, sieht in Chinas Projekt der "Neuen Seidenstraße" viele Chancen für die heimische Wirtschaft. Er hofft auf die Verlängerung der Breitspurbahn nach Österreich. Im Interview mit Verkehr fordert er ein ehrliches Engagement der EU ein.

- "Ein Mann macht keinen Tanz, eine Blume keinen Kranz": Alexey Grom, Vorstandsvorsitzender der UTLC ERA, die zweifellos zu den aktivsten Bahngesellschaften auf der "Neuen Seidenstraße" gehört, spricht im Interview mit Verkehr über die starke Konkurrenz am chinesischen Markt und die Strategien seines Unternehmens.

- Zahlungssicherheit für Transporte über die "Neue Seidenstraße": Dass Österreich durch das Jahrhundertprojekt vermehrt nach China exportieren wird, ist im Grunde erfreulich. Doch das Geschäft mit China birgt Tücken: Auf folgende Punkte sollte man besonders achten. Ein Kommentar von Konrad Lenneis.

- "China entwickelt sich immer mehr zu einem Konsumentenland": Artur Ballardt, CEO der Rail Transportation Service Broker GmbH (RTSB), und sein Bruder Andrej, General Director der unternehmenseigenen IT-Firma Transoffice, sprechen über die Strategien des Unternehmens. Dazu zählen der Ausbau des eigenen IT-Systems und die Zulassung als EVU in der EU.

- "Die OBOR-Initiative ist auch ein wichtiger Teil unserer Strategie":Verkehr sprach auf der transport logistic China in Shanghai mit Ingo Wolfsholz, Director Sub Region Shanghai von DB Schenker. Das Seidenstraßen-Projekt sieht er als Motor für die Branche.

- Die Länder entlang der Route bilden einen Wachstumsmarkt: Gebrüder Weiss ist noch lange vor der Bekanntgabe der "Neuen Seidenstraße" in Asien aktiv gewesen, sagt Thomas Moser, Direktor und Regionalleiter für Südosteuropa, den Mittleren Osten und die GUS­Staaten. Im Interview mit Verkehr sprach er über die Ambitionen entlang dieser Route.


Außerdem in der VK 25/2018:

- Nutzfahrzeughersteller versus EU-Kommission:
Das 3. Mobilitätspaket der EU-Kommission sieht vor, die CO2-Emissionen von Lkw bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Während Logistik-Verbände die Maßnahme begrüßen, sehen Nutzfahrzeughersteller darin eine aggressive Vorgangsweise.

- Saubermacher holt den Logistik-Preis!: Beim 25. Österreichischen Logistik-Tag des Vereins Netzwerk Logistik (VNL) standen Innovationen im Mittelpunkt - von der Startup-Lounge bis zur VNL-App.

- "Der E-­Commerce bleibt nach wie vor tonangebend!": Verkehr sprach mit Christian Vogt, Country Manager Austria von DLH Logistics Real Estate, über den heimischen Logistikimmobilienmarkt. Outsourcing gewinnt langsam auch in Österreich an Bedeutung, so der Experte.

- Kombinierter Erfolg: Die Ausrichtung auf zukunftsweisende Produkte und internationale Märkte sowie das günstige Wirtschaftsklima bescherten der voestalpine 2017/18 das erfolgreichste Geschäftsjahr in ihrer Geschichte. Auch in Sachen Logistik überlässt der Konzern mit der Tochter LogServ wenig dem Zufall.

- Übergreifendes Denken ist gefragt: Das Kärntner Industrieunternehmen Wild-Gruppe ist eines der ersten Unternehmen, das die Dachmarke"Austrian Logistics" trägt. Verkehr sprach mit Geschäftsführer Josef Hackl über Supply Chain Design, Künstliche Intelligenz und Agilität in der Logistik.

- Globale Strategien für die "Neue Seidenstraße": Der ehemals schlafende Riese ist aufgewacht und bahnt sich einen gewaltigen Weg nach Europa. Über Chancen und Risiken der "Neuen Seidenstraße" diskutierten zahlreiche Experten beim diesjährigen Logistik Dialog der BVL.

- Wie Logistik Sprache beeinflussen kann.

- Wünsche an die Politik: Monika Schuh, Geschäftsführerin des Infrastrukturausschusses bei der Industriellenvereinigung.


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