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China will die Logistik effizienter gestalten

Foto: Shutterstock.com / Sashkin
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Der kleinteilige und ineffiziente Logistiksektor in China gilt als limitierender Faktor der boomenden Wirtschaftsentwicklung. Doch Chinas Transportunternehmen beginnen dank innovativer Technologien und Geschäftsmodelle aufzuholen.

von: Anja Kossik

40 Prozent betrug der Anteil der Leerfahrten in China noch vor kurzem. Das liegt vor allem daran, dass die Struktur des chinesischen Logistiksektors besonders fragmentiert ist. Transporte werden häufig nicht von einem größeren Unternehmen koordiniert abgewickelt, sondern stattdessen von einer Vielzahl selbständig agierender Einzelfrächter übernommen. Doch wie kommen die Fahrer und ihre Ladungen zusammen? In China hat sich eine Art „Uber für Lkw“ entwickelt, ein Online-Marktplatz, der in Echtzeit passende Lkw-Fahrer und ­Kunden miteinander in Kontakt bringt. Während noch bis vor wenigen Jahren derartige Kontaktaufnahmen an speziellen, für ihre chaotische Abwicklung berüchtigten, Servicezentren persönlich und offline stattgefunden haben, wurde dieser ineffiziente Anbahnungsprozess mittlerweile digitalisiert. Durch den Zusammenschluss der beiden größten der­artigen Plattformen (Huochebang und Yunmanman) entstand 2017 ein aktuell bereits mehr als eine Milliarde Dollar schweres Inter-netunternehmen, die Full Truck ­Alliance (chinesisch Manbang Group) mit ihrem Sitz in Guizhou. 

Über einen entsprechenden Matchmaking-Algorithmus bringt die Plattform den jeweils passenden Dienstleister mit dem Eigentümer der zu transportierenden Güter zusammen. Dafür steht auch eine eigene App zur Verfügung. Das Geschäftsmodell, über das sich die Full Truck ­Alliance finanziert, ist denkbar einfach: Das Unternehmen berechnet seinen rund 1,5 Millionen Mitgliedern eine monatliche Grundgebühr und verdient außerdem einen kleinen Prozentsatz an jeder ­erfolgreich abgeschlossenen Transaktion mit einem von über fünf Millionen Lkw-Fahrern. Weitere Services der Full Truck Alliance umfassen den Verkauf von Karten für die elektronische Autobahnmaut, Lkw-Verkauf und verschiedene Modelle für Fahrzeugfinanzierungen. Bereits Anfang 2018 hat sich das Unternehmen über Investoren wie den China Reform Fund oder den SoftBank Vision Fund eine ordent­liche Finanzspritze geholt: 1,9 Milliarden US-Dollar stehen dem Management damit für seine ehrgeizigen Expansionspläne zur Verfügung.

Big Data als Expansionsstrategie
In China hat man das Zusammenführen und die Auswertung großer Datenmengen als wesentliche Zukunftsstrategie im Bereich Logistik erkannt und sieht darin einen bedeutenden technologischen Vorteil im internationalen Wettbewerb. Die Full Truck Alliance ist zu diesem Zweck im November vergangenen Jahres eine strategische Allianz mit der China Transport Telecommunication Information Group ­eingegangen, mit dem Ziel, die Effizienz des chinesischen ­Logistiksektors weiter zu optimieren. Das Telekommuni­kationsunternehmen ist eine Tochterfirma der staatlichen IKT-Agentur und verfügt über einen großen Datenpool aus Satellitenkommunikation und Sensorinfrastruktur; die Full Truck Alliance wiederum stellt für dieses Projekt ihre gesammelten Daten aus dem Transport- und Logistikbereich zur Verfügung. Bei der Full Truck Alliance erwartet man sich durch derartige Kooperationen auch Wettbewerbsvorteile im globalen Business. So werden unter dem Mantel der Belt and Road Initiative bereits Plattformen in verschiedenen Fremdsprachen, wie beispielsweise Vietnamesisch oder Russisch, angeboten und der Daten­austausch mit ausländischen Unternehmen vorangetrieben.

Autonome Trucks
Die Full Truck Alliance, aktuell bereits in ihrer zweiten Finanzierungsrunde, hat sich Anfang 2019 außerdem an einem Start-up für autonom fahrende Lkw aus dem Silicon Valley ­beteiligt. Das Technologieunternehmen PlusAI wurde 2016 von David Liu and Hao Zheng, zwei ehemaligen Stanford-­Studenten, gegründet. PlusAI verfügt über Forschungs- und Entwicklungszentren in den USA und in China. Die beiden Unternehmen haben in einem Kooperationsabkommen vereinbart, gemeinsam Daten für hochauflösendes Kartenmaterial zu sammeln und innerhalb von zwei Jahren die Entwicklung einer kommerziellen Lkw-Flotte voranzutreiben. Mehr als 1.000 fahrerlose Fahrzeuge mit Level-4-Automatisierung sollen nach dem Plan der Partner­firmen nach dieser zweijährigen Entwicklungsphase zur Verfügung stehen. Dafür wurde bereits im vergangenen Jahr eine Kooperation mit der chinesischen FAW-Gruppe und dem ame­rikanischen Hersteller für ­Prozessoren und Grafik­karten Nvidia eingegangen. Während FAW für den Bau der Lkw verantwortlich zeichnen soll, wird Nvidia seine aktuelle Com­puterplattform für die Steuerung der fahrerlosen Flotte zur Verfügung stellen.

Neue Technologien im Vormarsch
Doch nicht nur Big Data oder fahrerlose Lkw-Flotten sind für die Effizienzsteigerung der ­chinesischen Logistikbranche ein großes Thema, auch die Entwicklung Künstlicher Intel­ligenz und die Zustellung mittels Drohnen sollen vor allem im boomenden E-Commerce-­Segment zu Verbesserungen auf der letzten Meile in Chinas überfüllten Metropolen führen. So hat beispielsweise DHL ­zusammen mit dem chine­sischen Drohnenhersteller EHang erst im Mai 2019 ein vollautomatisiertes smartes Drohnenlieferservice in Betrieb genommen. Auch die beiden größten chinesischen Online-Händler Alibaba und JB.com bieten in den urbanen Ballungszentren von Shanghai bzw. Peking bereits Zustellungen mit Luft- und Bodendrohnen an. Dieses technologische Know-how im Bereich E-Commerce und Same-Day-Delivery macht chinesische Logistiker zukünftig zu einem ernsthaften Mitbewerb auch in Europa und den USA.


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