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„Alternativen zum Lkw-Transport sind eine Notwendigkeit“

Foto: Bolk
Die Digitalisierung allein wird die logistischen Herausforderungen der ­Zukunft nicht lösen – man müsse daher über die Grenzen hinweg nach ­geeigneten Modellen suchen, findet Wagner
Foto: Bolk

Gerhard Wagner, Geschäftsführer von Bolk Transport Austria, sprach mit Verkehr über die Herausforderung, Genehmigungen für Schwertransporte zu bekommen, und die ­notleidende Infrastruktur in Deutschland.

von: Josef Müller

Für Schwertransporte braucht es Flexibilität, vorausschauende Planung und Know-how. Was heute die Herausforderungen sind im Umgang mit Behörden, aber auch bei der Nutzung der vorhandenen ­Infrastrukturen erklärt Gerhard Wagner, Geschäftsführer von Bolk Transport Austria im ­Gespräch mit Verkehr.

Verkehr: Worauf kommt es bei der Abwicklung von Schwertransporten an?
Gerhard Wagner:
Organisation, Know-how und persön­liches Engagement. Man muss agil, flexibel und sehr gut ­vernetzt sein. Besonders bei multimodalen Projekten über größere Distanzen oder in schwierigen Märkten kommt es darauf an, die ört­lichen Gegebenheiten und die Partner sehr gut persönlich zu kennen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss ebenfalls passen. Dass man verlässlich und mit topausgestatteten Fahrzeugen ­arbeitet, versteht sich für uns von selbst.

Inwieweit komm innovative Technik beim Schwertransport zum Einsatz?
Wagner:
Richtig innovative ­Lösungen im Schwergutbereich sind aus meiner Sicht nicht vorhanden. Generell ist es so, dass es immer schwieriger wird, Lieferungen über Land abzuwickeln. Die Fahrzeuge für unsere Zwecke können aber nicht mehr niedriger oder leichter gebaut werden. Wir setzen auf den Kombinierten Verkehr mit Binnenschiffen und nutzen die europäischen Wasserstraßen als ­Alternative.

Was erwarten sich heut­zutage Kunden von einem Schwertransport-Logistiker?
Wagner:
Der Kunde erwartet sich in erster Linie eine sehr individuelle, lösungsorientierte Betreuung und nur einen Ansprechpartner. Projekt-Cargo ist vielfältig, selten gleicht ein Auftrag dem anderen. Beim Ausarbeiten der besten Routenführung und bei der Auswahl der Transportmittel geht es daher weniger um Geschwindigkeit als vielmehr um Sicherheit und Wirtschaft­lichkeit. Vertrauen spielt auch eine große Rolle. Der Transport muss mit allen Touchpoints vom Start bis zum Ziel transparent und perfekt durchorganisiert sein.

Welches Leistungsportfolio bietet Bolk in Österreich an?
Wagner:
Wir bieten sämtliche Speditions- und Logistikleistungen für Schwergut, große Volumen und Übermaßtransporte von Nordeuropa in Richtung Südosteuropa sowie den Nahen und Mittleren Osten an. Unsere Kernkompetenz ist der Kombinierte Verkehr mit Binnenschiffen, auch in Verbindung mit RoRo. Dazu haben wir eigene Lager und Umschlagplätze, wie beispielsweise in Passau, Vukovar und Russe. Als kleine, engagierte Einheit sind wir sehr anpassungsfähig und nützen unser internationales Netzwerk über die Bolk NL B.V.

Welche Trends sehen Sie aktuell im Bereich des Schwertransports?
Wagner:
Alternativen zum klassischen Lkw-Transport, wie beispielsweise die Binnenschifffahrt, sind mehr eine Notwendigkeit als ein Trend. Die Schwerlastprojekte werden immer komplexer, und das Straßennetz zu nützen, wird immer aufwändiger, teurer – teilweise bekommt man für bestimmte Abschnitte nur sehr schwer Genehmigungen oder man  bekommt sie gar nicht mehr.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Behörden?
Wagner:
Mit den österreichischen Behörden lässt es sich ganz gut zusammenarbeiten. Probleme gibt es mit den ­Behörden in Deutschland, weil sie extrem überlastet sind. Die Erteilung von Genehmigungen dauert bis zu sechs Wochen. Und die Infrastruktur in Deutschland ist zu Tode gespart worden. Da gab es kaum Investitionen in den letzten 15 Jahren, sodass u. a. viele Brücken punkto Statik für Schwertransporte nicht mehr geeignet sind.

Welche Wünsche an die ­Verkehrspolitik haben Sie?
Wagner:
Einen zukunftsorientierten Zugang zur Logistik ganz allgemein und sinnvolle gesetzliche Rahmenbedingungen, keine Schikanen. Digita­lisierung ist gut, aber sie allein wird die großen logistischen Herausforderungen der Zukunft nicht lösen. Wir sollten über die Grenzen, etwa nach Skandinavien oder in die Schweiz, blicken – dort haben sich interessante Modelle ­entwickelt, die man vielleicht auch in Österreich etablieren könnte.

Vielen Dank für das Gespräch!


Besuchen Sie auch den Bolk-Messestand auf der heurigen transport logistic in München:
Halle A4. 109/201 | Österreich-Gruppenstand


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