Seefrachtraten sinken, Tech-Nachfrage stärkt Luftfracht

14.10.2026 | Wasser

Nach dem kräftigen Preisanstieg im Sommer haben die Seefrachtraten zwischen Asien und Nordeuropa wieder deutlich nachgegeben. Eine Entspannung für Verlader ist dennoch nicht in Sicht: Überlastete Häfen bremsen den Kapazitätsaufbau, während in der Luftfracht vor allem die Technologiebranche für zusätzliche Nachfrage sorgt.

Die internationalen Frachtmärkte haben sich im dritten Quartal 2026 unterschiedlich entwickelt. Während die Seefrachtraten auf der wichtigen Handelsroute zwischen Fernost und Nordeuropa seit Anfang Juli deutlich gesunken sind, verzeichnete die Luftfracht insbesondere bei technologiebezogenen Transporten eine steigende Nachfrage. Das geht aus einer aktuellen Marktanalyse des Logistikdienstleisters Forto hervor.

Auf der Route Fernost–Nordeuropa erreichte der Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) Anfang Juli einen Höchststand von 3.418 US-Dollar je TEU. Bis Ende September sank der Wert auf 2.313 US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von rund 32 Prozent.

Trotz dieser Entwicklung blieb das Preisniveau im gesamten dritten Quartal vergleichsweise hoch. Mit durchschnittlich 2.889 US-Dollar je TEU lagen die Raten um 36 Prozent über dem zweiten Quartal und sogar um 72 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Grund dafür war vor allem das bereits hohe Ausgangsniveau zu Quartalsbeginn.

Hafenüberlastung verhindert stärkeren Preisrückgang

Eine wesentliche Ursache für die weiterhin angespannten Seefrachtmärkte sind die erheblichen Verzögerungen in zahlreichen Häfen. Nach den von Forto angeführten Analystenschätzungen werden derzeit rund drei Millionen TEU beziehungsweise 8,5 Prozent der weltweiten Containerkapazität durch Staus und Verzögerungen gebunden.

Besonders betroffen sind asiatische Häfen, wo unter anderem Taifune zu Rückstaus geführt haben. In Nordeuropa belasten hohe Terminalauslastungen, Arbeitskonflikte und Niedrigwasser die Abläufe.

„Viele schauen derzeit auf die Suez-Route, aber der operative Engpass liegt vor allem in den Häfen. Eine derart starke Überlastung haben wir seit Covid nicht mehr gesehen“, sagt Jessy Brughmans, VP Global Trade bei Forto.

Zwar nehmen Reedereien schrittweise wieder einzelne Verbindungen durch den Suezkanal auf, die Umfahrung Afrikas über das Kap der Guten Hoffnung bleibt jedoch weiterhin die dominierende Route. Laut Forto soll derzeit etwa ein Drittel der geplanten Asien-Europa-Verbindungen den Suezkanal nutzen. In Richtung Nordeuropa ist die Passage allerdings nur für ungefähr jeden fünften Dienst vorgesehen.

Eine rasche Normalisierung der Transportzeiten ist deshalb nicht zu erwarten. Brughmans empfiehlt Verladern, ausreichend zeitliche Reserven einzuplanen.

Luftfracht profitiert von Halbleitern und KI-Hardware

Anders stellt sich die Entwicklung in der Luftfracht dar. Im September lag das weltweite Frachtvolumen laut Forto um sechs Prozent über dem Vorjahresniveau, während die verfügbare Kapazität lediglich um zwei Prozent zunahm.

Die globale Spotrate erreichte durchschnittlich 3,10 US-Dollar je Kilogramm. Das waren zwei Prozent mehr als im August und 27 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Besonders deutlich stiegen die Preise auf der Verbindung China–Europa: Hier verteuerte sich die Luftfracht gegenüber August um zehn Prozent auf 4,26 US-Dollar je Kilogramm.

Die Nachfrage wird dabei zunehmend von Technologieprodukten getragen. Halbleiter, KI-Hardware, Server und Komponenten für Rechenzentren zählen laut Forto zu den wichtigsten Wachstumstreibern. Gleichzeitig verliert der E-Commerce als Impulsgeber an Bedeutung. Auch aus der Modebranche werden weiterhin zeitkritische Sendungen von der See- auf die Luftfracht verlagert.

Die unterschiedliche Entwicklung einzelner Warengruppen führt dazu, dass verfügbare Kapazitäten nicht überall gleichermaßen ausreichen. „Mehr Kapazität im Gesamtmarkt heißt nicht automatisch, dass auf den relevanten Routen zum richtigen Zeitpunkt Platz verfügbar ist“, erklärt Christopher Braun, VP Global Operations bei Forto.

Zum Jahresende drohen neue Engpässe

Für das vierte Quartal erwartet Forto keine durchgängige Entspannung im Seefrachtmarkt. Zwar könnten die Raten zunächst weiter unter Druck stehen, doch die Hafenüberlastung in Asien und angekündigte Blank Sailings, also ausgesetzte Schiffsabfahrten, begrenzen das verfügbare Angebot. Mit Blick auf das chinesische Neujahrsfest Anfang 2027 hält Forto erneute Preissteigerungen für möglich.

In der Luftfracht könnten Black Friday und das Weihnachtsgeschäft zu punktuellen Kapazitätsengpässen führen. Besonders betroffen dürften Verbindungen aus Asien und Transporte technologieintensiver Güter sein.

Für zeitkritische Black-Friday-Sendungen aus Asien empfiehlt Braun deshalb einen Abflug spätestens in Kalenderwoche 46 sowie zusätzliche 48 bis 72 Stunden für Zollabfertigung, Handling und Nachlauf.

Die Analyse zeigt damit eine zunehmende Differenzierung der internationalen Frachtmärkte: Während die Seefrachtraten nach ihrem sommerlichen Höchststand zurückgehen, verhindern operative Engpässe eine umfassende Entspannung. In der Luftfracht wiederum entscheidet immer stärker die Nachfrage einzelner Branchen darüber, auf welchen Verbindungen Kapazitäten knapp und Transporte teuer werden.

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