Nach Einschätzung der International Air Transport Association (IATA) entwickelte sich die Luftfracht stärker als der Welthandel insgesamt. | © Unsplash/Patrick Campanale
Nachfrage wächst schneller als das Angebot
Die Nachfrage im weltweiten Luftfrachtverkehr ist im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,5 Prozent gestiegen. Im internationalen Verkehr betrug das Plus sogar 9,6 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich die verfügbare Frachtkapazität lediglich um 4,4 Prozent. Damit übertraf das Nachfragewachstum das Angebot erneut deutlich – ein Zeichen für die anhaltend hohe Dynamik im globalen Luftfrachtmarkt.
Nach Einschätzung der International Air Transport Association (IATA) entwickelte sich die Luftfracht zudem stärker als der Welthandel insgesamt, der im gleichen Zeitraum um 5,2 Prozent zulegte. Impulse kamen vor allem aus dem Transport hochwertiger Technologieprodukte sowie zeitkritischer Expresssendungen.
„Die Nachfrage nach Luftfracht stieg im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,5 %. Während Nordamerika den stärksten Beitrag zum Wachstum leistete, lag die Nachfrage in allen Regionen im Vergleich zum Vorjahr im positiven Bereich“, sagt IATA-Generaldirektor Willie Walsh.
Nordamerika bleibt Wachstumsmotor
Mit einem Nachfrageplus von 13,1 Prozent verzeichneten nordamerikanische Fluggesellschaften die stärkste Entwicklung aller Weltregionen. Europa erreichte ein Wachstum von 6,9 Prozent, während Airlines im asiatisch-pazifischen Raum ihre Luftfracht um 7,9 Prozent steigerten.
Weniger dynamisch entwickelte sich Lateinamerika mit einem Plus von 3,5 Prozent. Im Nahen Osten legte die Nachfrage zwar um 5,6 Prozent zu, die IATA verweist jedoch darauf, dass der Vergleich durch die außergewöhnlich schwachen Vorjahreswerte infolge militärischer Konflikte verzerrt ist.
Auch auf den wichtigsten Handelsrouten zeigte sich ein differenziertes Bild. Besonders stark wuchs die Verbindung Asien–Nordamerika mit 14,7 Prozent, gefolgt von den Strecken innerhalb Asiens sowie zwischen Europa und Asien. Dagegen blieben die Handelskorridore über den Nahen Osten aufgrund der regionalen Konflikte unter Druck.
Optimismus trotz geopolitischer Unsicherheiten
Die IATA sieht gute Voraussetzungen für eine positive zweite Jahreshälfte. Allerdings könnten geopolitische Spannungen und handelspolitische Maßnahmen die Entwicklung bremsen.
„All dies gibt zwar Anlass zu großem Optimismus für die zweite Hälfte des Jahres 2026, doch bestehen weiterhin Risiken – darunter die anhaltenden Feindseligkeiten im Nahen Osten und eine erneute Fokussierung der USA auf Zölle“, warnt Walsh.
Zusätzliche Unterstützung erhält der Markt durch die weiterhin stabile Industrieproduktion. Gleichzeitig deuten rückläufige Exportaufträge darauf hin, dass das Wachstum derzeit vor allem von einzelnen Handelsströmen und weniger von einer breit angelegten Erholung des Welthandels getragen wird. Damit bleibt die Luftfracht auch in den kommenden Monaten stark von geopolitischen Entwicklungen und internationalen Handelsbeziehungen abhängig.
