Christian Janecek (links) und Markus Schinko lenken seit der Gründung die Geschicke von LogServ und deren Tochtergesellschaft CargoServ. (Foto: LogServ)
Es sei vor 25 Jahren eine weise Entscheidung im voestalpine-Konzern gewesen, die Logistikaktivitäten für die voestalpine Stahl in eine eigene Tochtergesellschaft auszulagern, um zum einen dadurch Wettbewerbsvorteile zu erzielen und zum anderen bei den Logistikkosten zu sparen, erinnern sich die beiden Geschäftsführer Christian Janecek und Markus Schinko im Gespräch mit Verkehr. LogServ und die Bahn-Tochter CargoServ haben sich seit der Gründung zu einem Full-Service-
Logistikdienstleister entwickelt – mit 1.000 Mitarbeitenden und einem konsolidierten Jahresumsatz von zuletzt 550 Mio. Euro.
LogServ hat die CargoServ als Tochtergesellschaft und hält eine 49-prozentige Beteiligung an der Kühne + Nagel Euroshipping mit Fokus auf Binnenschifflogistik. „Wir werden in der Stahlindustrie als Benchmark wahrgenommen, weil wir gemeinsam mit unseren Partnern Logistikkonzepte entwickeln, mit denen wir für unsere Mutter, aber auch für Kunden außerhalb des Konzerns sichere und resiliente Lieferketten anbieten können“, resümiert Janecek, der von Beginn an für die Entwicklung beider Unternehmen Entwicklung mitverantwortlich zeichnet.
Bahn als Rückgrat der Logistik
Der Anteil der per Bahn eingehenden Rohstoffe liegt am voestalpine-Standort Linz bei rund 90 Prozent. Dabei handelt es sich sowohl um Rohstofftransporte innerhalb Österreichs als auch um Importe aus allen Teilen der Welt. Einen Teil davon, wie beispielsweise Erz vom steirischen Erzberg, transportiert die CargoServ selbst nach Linz.
Grenzüberschreitend fährt CargoServ tägliche Rundläufe mit Erz und Kohle von den deutschen Nordseehäfen sowie wöchentlich mehrere „Bayern Shuttles“, ein gemeinsam mit DB Cargo entwickeltes Konzept, das Schrott- und Fertigwarentransporte im Rundlauf kombiniert.
Der Versand der Fertigwaren ab Linz wird ebenfalls von LogServ abgewickelt. Von den rund fünf Millionen Tonnen jährlich werden etwa 55 Prozent per Bahn, ein Drittel auf der Straße und der Rest per Binnenschiff transportiert. Dabei spielen neben CargoServ, die wöchentlich bis zu 15 Züge mit Fertigwaren nach Italien und Deutschland fährt, auch die Partnerbahnen RCG, DB Cargo, ČD Cargo und LTE eine wichtige Rolle.
Resiliente Lieferketten
„Wir sind sehr breit aufgestellt“, sagt Schinko und meint damit das umfangreiche Bahn-Know-how, das sowohl bei LogServ als auch bei CargoServ vorhanden ist. Dazu zählen Beratungsleistungen im Bahnbereich oder die Mitgestaltung beim Ausbau von Bahnterminals, etwa beim Schrott-Hub in Enns. Ergänzt wird dies durch die operative Erfahrung der CargoServ im Bahnverkehr. Schinko: „Es gibt wenige, die über ein so umfangreiches Know-how verfügen wie wir.“ Damit ergänzen sich beide Unternehmen ideal. Logistik bedeute nicht nur, nach Plan A zu arbeiten, sondern immer auch einen Plan B oder C in der Schublade zu haben, um Lieferketten gegen mögliche Störungen abzusichern, betont Janecek.
Möglichst viele Transporte auf die Schiene zu verlagern, bleibt das erklärte Ziel. Schinko: „Die größten Herausforderungen liegen derzeit ressourcenbedingt im Bereich der Infrastruktur, die durch Baustellen und Streckensperren in ganz Europa extrem belastet ist. Als Logistikdienstleister versuchen wir, hier effizient und proaktiv gegenzusteuern.“

Die Bahn ist für LogServ der wichtigste Verkehrsträger und hat einen Anteil von rund 75 Prozent an allen ein- und ausgehenden Gütertransporten. Grundsätzlich seien die Infrastrukturbetreiber sehr zugänglich, was die Bereitstellung von Ressourcen betrifft. „Es braucht aber neben dem Engagement der EVU auch jenes der verladenden Industrie. Ich bin zuversichtlich, dass sich hier Möglichkeiten und Zugänge finden, um gemeinsam auf Infrastrukturbetreiber einzuwirken“, stellt Schinko fest.
„Wir versuchen, auch den Kombinierten Verkehr immer mitzudenken. Es gibt einige Einzellösungen, die sich bei der Abwicklung der Logistikprozesse am Standort Linz sehr bewährt haben. Zum Beispiel den Einsatz von Mobiler-Waggons oder das innovative Stausystem ‚wellDun‘ zur Sicherung von Stahlcoils in multimodalen Transportbehältern für den Bahntransport.“
Neue Herausforderungen
Die voestalpine nimmt im Frühjahr 2027 einen Elektrolichtbogenofen in Betrieb. Janecek: „Die Mengenströme verändern sich dadurch massiv. Rohstoffseitig steigt der Bedarf an Schrott, das heimische Eisenerz wird weniger und zusätzlich kommt auch Eisenschwamm zum Einsatz. Intern betrifft es die werksinternen Transporte, weil beim Elektrolichtbogenofen natürlich auch der gesamte Produktionsfluss anders aussieht.“
Entsprechend herausfordernd ist die Umstellung für die Logistik, für die völlig neue Konzepte erforderlich sind. Zudem braucht es neue und größere Fahrzeuge für die innerbetrieblichen Schrott- und Schlacketransporte.
Um den Schienengüterverkehr gegenüber dem Lastkraftwagen wettbewerbsfähiger zu machen, plädiert Schinko für Förderungen. Diese seien kurzfristig ein gutes Instrument, um Veränderungsprozesse anzustoßen. Als langfristige Lösung seien sie für einen dauerhaften Ausgleich von Wettbewerbsnachteilen jedoch nicht geeignet: „Dafür braucht es andere Lösungen, um dieses wichtige Thema auf Schiene zu bringen“, so Schinko.
