„Große Neubauten bleiben relevant“

30.10.2026 | Standort

Logistikhallen werden technisch anspruchsvoller, während Bauherren ihre Investitionen genauer prüfen. Georg Vallaster, Geschäftsführer von Goldbeck Rhomberg, erklärt zum 25-jährigen Firmenjubiläum, wie das Unternehmen mit industrieller Vorfertigung, digitaler Planung und anpassbaren Gebäuden darauf reagiert.

Goldbeck Rhomberg feiert 25 Jahre. Was hat sich beim Bauen von Logistik- und Industrieimmobilien am grundlegendsten verändert?

Der Anspruch an eine Immobilie hat sich grundlegend verändert. Eine Logistik- oder Industriehalle wird heute nicht mehr nur als Gebäudehülle betrachtet, sondern als wichtiger Bestandteil der betrieblichen Wertschöpfung. Früher standen vor allem Fläche, Funktionalität und eine schnelle Fertigstellung im Mittelpunkt. Heute geht es zusätzlich um Energieeffizienz, CO₂-Reduktion, Automatisierung, Digitalisierung und langfristige Anpassungsfähigkeit.

Gleichzeitig prüfen Kunden Investitionen deutlich kritischer. Nachhaltigkeit ist weiterhin wichtig – vor allem dann, wenn sie ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich nachvollziehbar ist. Entscheidend ist heute die Verbindung aus Funktionalität, Effizienz und Zukunftsfähigkeit.

Viele Bauprozesse sind heute stärker standardisiert, digitalisiert und vorgefertigt. Wo entsteht dadurch Effizienz?

Effizienz entsteht vor allem bei wiederkehrenden Aufgaben in Planung, Bemessung, Fertigung, Arbeitsvorbereitung und Montage. Standardisierte Bauteile, digitale Planung und industrielle Vorfertigung reduzieren Schnittstellen, verbessern die Qualität und erhöhen die Termin- und Kostensicherheit.

Auch BIM und künftig stärker künstliche Intelligenz spielen eine wichtige Rolle. Bei etwa jedem zweiten Projekt setzen wir bereits umfangreiche BIM-Modelle ein – je nach Projekt mit unterschiedlicher Detailtiefe.

Trotzdem bleibt jedes Bauvorhaben ein Einzelprojekt. Standort, Bodenverhältnisse, Genehmigungen, Nachbarschaft sowie Produktions- und Logistikprozesse unterscheiden sich. Digitalisierung und Standardisierung ersetzen daher nicht die individuelle Planung, sondern machen sie schneller, wirtschaftlicher und zuverlässiger.

Die schwache Konjunktur und zurückhaltende Investitionstätigkeit belasten viele Branchen. Wie stark spüren Sie das bei neuen Projekten?

Die schwierige Wirtschaftslage spüren wir deutlich. Investitionen werden sorgfältiger geprüft, Finanzierungen dauern länger und Projekte werden häufiger in mehreren Varianten betrachtet. Zusätzlich verlängern sich bei großen Logistikzentren teilweise die Behördenverfahren. Das erhöht die Unsicherheit für alle Beteiligten.

Der Bedarf ist jedoch nicht verschwunden. Relativ robust bleiben Produktion, Transport und Logistik sowie die Lebensmittel-, Kühl- und Tiefkühllogistik. Unternehmen investieren weiterhin dort, wo die Infrastruktur unmittelbar zur betrieblichen Leistungsfähigkeit beiträgt. Wichtig sind daher planbare und effiziente Verfahren – bei gleichzeitiger Beibehaltung sinnvoller Umwelt- und Klimaschutzstandards.

Wie ist das vergangene Geschäftsjahr für Goldbeck Rhomberg verlaufen?

Wir hatten zuletzt ein gutes Geschäftsjahr. Gleichzeitig ist das Marktumfeld anspruchsvoller geworden. Schwache Konjunktur, zurückhaltende Investitionen und lange Genehmigungsverfahren beeinflussen die Projektentwicklung.

Besonders tragfähig sind weiterhin Projekte in Produktion, Transport und Logistik sowie in der Lebensmittel- und Kühlkettenlogistik. Ein aktuelles Beispiel ist die Erweiterung des Werks von Doppelmayr am Standort Hohe Brücke.

Schwieriger sind Projekte, die von unsicheren Finanzierungen, spekulativen Annahmen oder langen Verfahren abhängen. Auftraggeber investieren derzeit vor allem dann, wenn der konkrete betriebliche Nutzen klar erkennbar ist.

Verändert die aktuelle Wirtschaftslage auch die Art der Projekte?

Ja. Wir beobachten eine stärkere Nachfrage nach Lösungen, die schrittweise umgesetzt werden können. Dazu gehören Erweiterungen bestehender Standorte, klar abgegrenzte Bauabschnitte und flexibel anpassbare Gebäude.

Ein Gebäude sollte nicht nur den heutigen Bedarf abdecken, sondern auch auf veränderte Mengen, andere Lagertechnik oder neue Produktionsabläufe reagieren können. Das betrifft unter anderem Tragwerk, Raster, Gebäudehöhe, technische Infrastruktur und Energieversorgung.

Große Neubauten bleiben relevant, wenn ein neuer Standort oder hochautomatisierte Prozesse dies erfordern. Entscheidend ist daher weniger die Größe als die Möglichkeit, einen Standort wirtschaftlich und langfristig zu entwickeln.

Wenn Sie an die nächsten 25 Jahre denken: Wo soll Goldbeck Rhomberg wachsen?

Für uns geht es nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern um eine nachhaltige Entwicklung in Bereichen, in denen wir konkreten Mehrwert bieten.

Geografisch wollen wir unsere Position in Österreich stärken und zugleich die Möglichkeiten des europäischen Goldbeck-Netzwerks nutzen. Wachstum sehen wir außerdem bei Kunden mit hohen Anforderungen an Logistik, Produktion, Energie und Digitalisierung.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung vom Baupartner zum Lebenszykluspartner. Planung, Bau, Betrieb, Instandhaltung, Modernisierung und Revitalisierung müssen stärker zusammengedacht werden. Der Wert einer Immobilie entsteht über ihre gesamte Nutzungsdauer.

Welche Rolle spielt Research & Development bei Goldbeck Rhomberg?

Hinter einem vermeintlich klassischen Hallenbau steckt heute umfangreiche Entwicklungsarbeit. Wir verbessern laufend Tragwerke, Fassaden, Bauteilanschlüsse, Brandschutz, Bauphysik, Energieversorgung, Montage und digitale Planung.

Hinzu kommen Anforderungen aus Automatisierung und individuellen Betriebsabläufen. Ein aktueller Schwerpunkt ist die Künstliche Intelligenz. Auf Basis unserer Planungsgrundlagen entstehen bereits erstaunlich plausible Planungsvorschläge.

KI kann künftig viele Routinetätigkeiten übernehmen, etwa das Prüfen von Maßen oder das Befüllen von BIM-Modellen. Gleichzeitig brauchen wir Fachleute, die Systeme richtig anleiten, Ergebnisse bewerten und die Verantwortung für die Planung übernehmen.

Welche Innovationsfelder halten Sie derzeit für besonders relevant?

Entscheidend ist das Zusammenspiel von CO₂-reduziertem Bauen, Energieversorgung, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.

Bei Nachhaltigkeitsmaßnahmen müssen wir stärker zwischen tatsächlichem ökologischem Nutzen und rein formalen Anforderungen unterscheiden. Die Speicherung von Regenwasser, Photovoltaik, Energiemanagement, Speicherlösungen, E-Ladeinfrastruktur und effiziente Gebäudetechnik sind Beispiele für Maßnahmen mit konkretem Mehrwert.

Zertifizierungen können Orientierung geben, sind aber kein Selbstzweck. Entscheidend ist der Nutzen für Natur, Betrieb und langfristige Gebäudequalität.

Besonders dynamisch entwickeln sich derzeit digitale Planung und KI. Ihre Auswirkungen auf Planung und Bau könnten durchaus mit einer neuen industriellen Revolution vergleichbar sein.

Die Logistik verändert sich durch Automatisierung, Robotik und neue Anforderungen an Energie und Flächennutzung. Wie beeinflusst das die Gebäude von heute?

Diese Entwicklungen beeinflussen die Gebäude bereits sehr stark. Automatisierte Lager- und Fördertechnik stellt hohe Anforderungen an Gebäudehöhe, Tragfähigkeit, Ebenheit, Toleranzen, Brandschutz, Stromversorgung und Dateninfrastruktur.

Ein aktuelles Beispiel ist der Auftrag, den wir im Juli für die Erweiterung des Werks von Doppelmayr am Standort Hohe Brücke erhalten haben. Das Herzstück ist ein riesiges Hochregallager, das aufgrund der Teilegewichte und vor allem seiner technischen Möglichkeiten ein neues Niveau erreicht. Das Projekt wird sicher ein Leuchtturmprojekt.

Die Logistikimmobilie der Zukunft wird hochautomatisiert, energieeffizient und flexibel sein. Sie wird mehr Energie selbst erzeugen, ihren Verbrauch intelligent steuern und auf veränderte Prozesse reagieren können.

Auch größere Gebäudehöhen, Mezzanine, mehrgeschossige Lösungen und die Umnutzung bestehender Gebäude werden an Bedeutung gewinnen. Die zentrale Frage lautet künftig: Wie leistungsfähig, anpassbar und nachhaltig muss der gesamte Standort sein?

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