Im Ländervergleich bleibt Singapur das am stärksten globalisierte Land der Welt. | © Unsplash/Peter Nguyen
Die Globalisierung zeigt sich widerstandsfähiger als vielfach erwartet. Trotz geopolitischer Spannungen, steigender Zölle und wachsender Unsicherheit im Welthandel bleibt die internationale Vernetzung auf einem historisch hohen Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt der DHL Global Connectedness Report 2026, der gemeinsam mit der New York University Stern School of Business erstellt wurde.
Der Bericht analysiert mehr als neun Millionen Datenpunkte zu internationalen Strömen von Handel, Kapital, Information und Personen und gilt als eine der umfassendsten Analysen zur Entwicklung der Globalisierung.
Globalisierung bleibt auf Rekordniveau
Dem Bericht zufolge lag der Globalisierungsgrad der Weltwirtschaft 2025 bei 25 Prozent – und damit auf dem gleichen Rekordniveau wie bereits 2022. Gemessen wird dieser Wert auf einer Skala von null Prozent (keine internationalen Verflechtungen) bis 100 Prozent (vollständig globalisierte Welt).
„Die Globalisierung behauptet sich – und das allein spricht Bände über ihren Wert“, sagt John Pearson, CEO von DHL Express „Der DHL Global Connectedness Report zeigt, dass Länder und Unternehmen sich nicht hinter nationale Grenzen zurückziehen.“
Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass die Welt noch weit von einer vollständig globalisierten Wirtschaft entfernt ist. Internationale Ströme könnten ohne politische Einschränkungen deutlich stärker wachsen.
KI-Boom treibt den Welthandel
Der internationale Warenhandel entwickelte sich 2025 dynamischer als in den Jahren zuvor. Laut Bericht wuchs er schneller als in jedem Jahr seit 2017 – abgesehen von den pandemiebedingten Sondereffekten.
Ein wichtiger Treiber war der steigende Bedarf an Komponenten für KI-Infrastruktur. In den ersten drei Quartalen 2025 entfielen laut WTO 42 Prozent des Wachstums des globalen Warenhandels auf Produkte mit Bezug zu künstlicher Intelligenz.
Auch vorgezogene Importbestellungen in den USA – ausgelöst durch erwartete Zollanhebungen – sorgten zeitweise für zusätzliche Handelsaktivität.
Handel wächst trotz höherer Zölle weiter
Für die kommenden Jahre erwarten die Autoren ein weiterhin moderates Wachstum des Welthandels. Bis 2029 soll der globale Warenhandel im Durchschnitt um 2,6 Prozent pro Jahr zulegen – etwa im gleichen Tempo wie im vergangenen Jahrzehnt.
Dass der Handel trotz steigender US-Zölle weiter wächst, hängt auch damit zusammen, dass ein Großteil des Welthandels nicht mit den Vereinigten Staaten stattfindet. 2025 entfielen 13 Prozent der weltweiten Importe auf die USA, während 9 Prozent der Exporte aus den USA kamen.
Entkopplung zwischen USA und China
Parallel dazu nimmt die wirtschaftliche Entflechtung zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt weiter zu. Der Anteil des Handels zwischen USA und China am Welthandel sank von 3,6 Prozent im Jahr 2015 auf 2,7 Prozent im Jahr 2024 und lag in den ersten drei Quartalen 2025 nur noch bei 2,0 Prozent.
Auch bei internationalen Unternehmensinvestitionen spielt die Beziehung der beiden Länder inzwischen eine geringere Rolle: Der Anteil liegt bei unter einem Prozent.
Globalisierung bleibt geografisch breit verteilt
Trotz dieser Spannungen zeigen die Daten keine grundlegende Spaltung der Weltwirtschaft in rivalisierende Handelsblöcke. In den vergangenen zehn Jahren wurden lediglich vier bis sechs Prozent der internationalen Handels- und Investitionsströme von geopolitischen Rivalen in andere Länder verlagert.
„Politische Rahmenbedingungen für die Globalisierung sind deutlich volatiler als die tatsächlichen Ströme zwischen Ländern“, sagt Steven A. Altman, Direktor der DHL Initiative on Globalization an der NYU Stern School of Business.
Europa führend, Singapur globalisierteste Nation
Im Ländervergleich bleibt Singapur das am stärksten globalisierte Land der Welt, gefolgt von Luxemburg und den Niederlanden. Regional liegt Europa weiterhin an der Spitze der internationalen Vernetzung.
Auffällig ist zudem ein Trend zu größeren Distanzen im globalen Handel: 2025 legten Güter durchschnittlich 5.010 Kilometer zurück – ein neuer Rekordwert. Auch bei internationalen Investitionen wurden größere Entfernungen gemessen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Prognosen über eine rasche Regionalisierung des Welthandels bislang nicht eingetreten sind.
