Drago Jelisavac (Gebrüder Weiss Lkw-Fahrer, links) und Orhan Cepe (REWE Lkw-Fahrer) | ©Robert Harson
Die Versorgung von Supermärkten und Drogerien gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Distributionslogistik. Hohe Warenmengen, enge Lieferfenster und die Anforderungen des Lebensmittelhandels verlangen eine präzise Abstimmung zwischen Lagerstandorten, Transportdienstleistern und Filialen.
Wie sich diese Anforderungen über Jahrzehnte verändert haben, zeigt die Zusammenarbeit zwischen Gebrüder Weiss und der REWE Group in Österreich. Seit 1976 übernimmt der Logistikdienstleister Transporte für die Handelsunternehmen BILLA, BILLA PLUS, PENNY, BIPA und ADEG.
Von vier Lkw pro Woche zu 20.000 Ladungen im Jahr
Die Partnerschaft begann mit Transporten vom REWE-Zentrallager in Wiener Neudorf in den Pinzgau und Pongau. 1979 wurde das Liefergebiet auf Nordtirol ausgeweitet, 1982 folgte Vorarlberg. Mit der Inbetriebnahme der REWE-Lager in Stams im Jahr 2001 und Ohlsdorf im Jahr 2013 wuchs auch das Transportgeschäft.
Mittlerweile reicht das Versorgungsgebiet von Niederösterreich bis Vorarlberg. Allein 2025 beförderte Gebrüder Weiss rund 900.000 Rollcontainer in der Filialdistribution sowie weitere 100.000 Rollcontainer zwischen den Lagerstandorten. Das entspricht knapp 20.000 Lkw-Ladungen im Jahr beziehungsweise durchschnittlich 80 Lkw pro Betriebstag. „Aus vier Lkw pro Woche sind 80 pro Tag geworden. Diese Entwicklung zeigt, wie sehr Vertrauen und Verlässlichkeit eine Partnerschaft tragen“, erklärt Wolfram Senger-Weiss, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Gebrüder Weiss. Das Transportvolumen verdeutlicht die Dimension der Warenversorgung, die hinter dem täglichen Betrieb des österreichischen Lebensmittelhandels steht.
Güterzug ersetzt täglich 66 Lkw-Fahrten
Neben der Straßendistribution hat sich der kombinierte Verkehr zu einem wichtigen Bestandteil der Zusammenarbeit entwickelt. Seit 2008 transportieren die Partner Waren der REWE Group mit Orange Combi Cargo (OCC) auf der Schiene. Der rund 600 Meter lange Güterzug ist ganzjährig von Montag bis Freitag im Einsatz und befördert Waren in den Osten Österreichs. Für die anschließende Verteilung wird die Bahn mit Straßentransporten kombiniert. Nach Angaben der Unternehmen ersetzt die Bahnverbindung täglich 66 Lkw-Fahrten. Die dadurch erzielte CO₂-Einsparung beziffern die Partner auf rund 9.000 Tonnen jährlich.
Gerade im Lebensmittelhandel, wo regelmäßige Lieferungen und eine hohe Versorgungssicherheit entscheidend sind, zeigt sich damit das Potenzial einer stärkeren Verlagerung von Transporten auf die Schiene. „18 Jahre Schienentransport zeigen, dass Versorgungssicherheit und Klimaschutz Hand in Hand gehen können“, sagt Christian Hörner, Geschäftsführer Lager & Transport der REWE International AG.
Langfristige Zusammenarbeit als Grundlage
Die Partnerschaft zwischen REWE und Gebrüder Weiss hat sich über fünf Jahrzehnte nicht nur geografisch ausgeweitet, sondern auch hinsichtlich der eingesetzten Transportkonzepte verändert. Während die Filialbelieferung weiterhin auf den Lkw angewiesen ist, ermöglicht der kombinierte Verkehr die Bündelung größerer Warenmengen auf der Schiene. Damit lassen sich Straßenabschnitte entlasten und die Emissionen im Gütertransport reduzieren.
Die Zusammenarbeit im Schienengüterverkehr wurde in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem TRIGOS Award und dem Österreichischen Staatspreis. Für beide Unternehmen bleibt die Herausforderung bestehen, wachsende Warenströme effizient abzuwickeln und gleichzeitig die Umweltbelastung der Transporte zu verringern. Die seit 2008 bestehende Bahnverbindung zeigt, dass kombinierte Transportkonzepte auch in der laufenden Versorgung des Lebensmittelhandels langfristig eingesetzt werden können.
