Im Gesamtjahr 2025 stiegen die europaweiten Frachteingaben um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. | © TIMOCOM
Trotz wirtschaftlicher Abkühlung und saisonaler Rückgänge zeigt sich der europäische Straßengüterverkehr zum Jahresende 2025 widerstandsfähig. Das TIMOCOM Transportbarometer weist für das vierte Quartal 2025 einen durchschnittlichen Frachtanteil von 75 Prozent aus – zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahresquartal. Rückläufige Transporte in Richtung Skandinavien, Südosteuropa und Großbritannien konnten dabei durch starke Binnenmärkte und wachsende Ost-West-Verkehre kompensiert werden.
Frachteingaben über Vorjahresniveau
Im Gesamtjahr 2025 stiegen die europaweiten Frachteingaben um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der September markierte mit mehr als 30 Millionen Frachtangeboten den stärksten Monat des Jahres. Nach dem Höhepunkt im dritten Quartal ging das Volumen im vierten Quartal saisonbedingt um 21 Prozent zurück, lag jedoch weiterhin zehn Prozent über dem Niveau von Q4 2024.
„Das zeigt klar: Der Markt bleibt frachtsaturiert. Die Nachfrage nach Transporten übersteigt das Angebot an verfügbaren Fahrzeugen weiterhin deutlich“, erklärt Gunnar Gburek, Company Spokesman und Head of Business Affairs bei TIMOCOM.
Parallel dazu sanken die Laderaumeingaben im vierten Quartal leicht um drei Prozent. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass derzeit kaum in zusätzliche Kapazitäten investiert wird. Dies spiegelt sich auch in den rückläufigen Neuzulassungen schwerer Lkw in Europa wider, die laut ACEA in den ersten drei Quartalen 2025 um 9,8 Prozent zurückgingen.
Binnenmärkte gewinnen an Bedeutung
Mehrere europäische Binnenmärkte konnten zum Jahresende deutlich zulegen. Frankreich verzeichnete im vierten Quartal ein Plus von 34 Prozent, Österreich von 22 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich Polen mit einem Anstieg der Binnenfrachteingaben um über 250 Prozent, getragen von einem erwarteten Wirtschaftswachstum von mehr als drei Prozent.
Auch in Deutschland stiegen die nationalen Frachtangebote im vierten Quartal um sechs Prozent. Gleichzeitig gingen die Frachtangebote von Deutschland ins europäische Ausland um rund vier Prozent zurück.
„Vor allem saisonale Transporte für Konsumgüter und Lebensmittel hatten einen großen Anteil zum Jahresende hin und trugen wesentlich zur Stabilität des Transportsektors bei. Gleichzeitig werden die rückläufigen deutschen Exporte auch in der Frachtenbörse sichtbar“, so Gunnar Gburek.
Gegensätzliche Entwicklungen auf europäischen Routen
Während der Binnenverkehr zulegte, zeigte sich der Nord- und Südostverkehr deutlich rückläufig. Auf der Relation Schweden–Deutschland sank das Frachtaufkommen um 78 Prozent. Auch Verbindungen zwischen Deutschland und Rumänien, Ungarn sowie zwischen Polen und Kroatien gingen spürbar zurück. Gründe dafür sind unter anderem eine schwächere Baukonjunktur, nachlassende Auslandsaufträge in der Fahrzeugmontage sowie veränderte Produktionsstrukturen.
Demgegenüber wuchsen die Frachtraten auf wichtigen Ost-West-Relationen kräftig, etwa zwischen Polen und Deutschland, Polen und Frankreich, Frankreich und Deutschland sowie Spanien und Deutschland.
„Die außergewöhnliche wirtschaftliche Entwicklung in Polen beruht wesentlich auf Nearshoring-Effekten, verlagerten Produktionsketten und einer hohen Exportnachfrage aus der EU“, berichtet Gburek. Auch saisonale Exporte von Obst und Gemüse aus Südeuropa hätten die Nachfrage zusätzlich gestützt.
Transportpreise ziehen moderat an
Im vierten Quartal 2025 legten die angebotenen Transportpreise sowohl auf internationalen Routen als auch im deutschen Binnenverkehr leicht zu. Europaweit stiegen die Angebotspreise der Auftraggeber im Schnitt um 2,7 Prozent, während die Preisforderungen der Transporteure um 3,7 Prozent zulegten. Innerhalb Deutschlands fiel der Anstieg mit bis zu 4,8 Prozent bei den Preisvorschlägen der Auftragnehmer noch deutlicher aus. Die höchsten Preise wurden in den letzten beiden Kalenderwochen des Jahres erzielt.
Ausblick auf 2026: Stabilität mit saisonaler Delle
Für das erste Quartal 2026 rechnet TIMOCOM mit einem insgesamt stabilen, jedoch saisonal schwankenden Markt. Nach einem moderaten Rückgang im Januar wird im Februar das typische Saisontief erwartet, bevor sich der Markt im März wieder belebt.
„Dieser Prognose zugrunde liegen die typischen saisonalen Effekte, voraussichtlich stabile Energiepreise sowie die Hoffnung auf eine leichte Verbesserung der Industrienachfrage und des privaten Konsums“, so Gunnar Gburek. Größere Kostensteigerungen seien kurzfristig nicht zu erwarten, mittelfristig könnten sich die Frachtraten jedoch mit anziehender Nachfrage wieder verändern.
