Die Plattform baut auf bestehenden Kooperationsstrukturen. | © Guillaume Perigois
Die Europäische Union hat in Brüssel eine neue Plattform zur Entwicklung des Mittleren Korridors ins Leben gerufen. Ziel der „Connectivity Agenda Platform“ ist es, Verkehrs-, Energie- und Digitalinfrastruktur entlang der Transkaspischen Internationalen Transportroute (TITR) besser zu koordinieren und die Verbindung zwischen Europa und Asien zu stärken.
Der Mittlere Korridor verläuft von China über Kasachstan, den Südkaukasus und die Türkei bis nach Europa. Seit den geopolitischen Spannungen und den Einschränkungen auf nördlichen und südlichen Handelsrouten hat die Strecke deutlich an Bedeutung gewonnen. Die EU will nun Regierungen, internationale Finanzinstitutionen und private Investoren zusammenbringen, um Infrastrukturprojekte entlang der Route gezielt voranzutreiben.
Transportzeiten sollen deutlich sinken
EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos bezeichnete die neue Plattform als Instrument, um „Initiativen zu vernetzen, Lücken zu identifizieren und eine gemeinsame Investitionspipeline“ aufzubauen. Nach Angaben der Kommission könnten sich die Transportmengen auf dem Mittleren Korridor bis 2040 verfünffachen.
Ein zentrales Ziel der Initiative ist die Verkürzung der Transportzeiten zwischen Asien und Europa. Durch den Ausbau von Infrastruktur und die bessere Abstimmung zwischen den beteiligten Staaten könnten Waren künftig in rund 15 Tagen statt wie bisher in etwa 45 Tagen transportiert werden.
Milliardeninvestitionen entlang der Route geplant
Zur Unterstützung der Vorhaben will die EU mehr als 80 Millionen Euro mobilisieren. Damit sollen Projekte mit einem Gesamtvolumen von über zwei Milliarden Euro angestoßen werden. Zu den beteiligten Regionen zählen neben Zentralasien und dem Südkaukasus auch die Ukraine und Moldawien.
Die Plattform baut auf bestehenden Kooperationsstrukturen für den transkaspischen Verkehrskorridor auf und soll die langfristige Zusammenarbeit mit den Partnerstaaten entlang der Route stärken.
Türkei als strategischer Knotenpunkt
Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Türkei zu. Das Land gilt als wichtigster Transitknotenpunkt zwischen Europa und Asien entlang des Mittleren Korridors. Der türkische Verkehrs- und Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloglu verwies auf die wachsende Bedeutung belastbarer Landverbindungen für den internationalen Handel.
Die jüngsten Störungen globaler Lieferketten hätten gezeigt, wie wichtig „zuverlässige, widerstandsfähige und leistungsfähige Landkorridore“ seien. Investitionen in Eisenbahnen, Häfen und Logistikinfrastruktur seien entscheidend, um eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung sicherzustellen.
Uraloglu sprach sich zudem für schnellere Grenzabfertigungen und eine engere internationale Zusammenarbeit aus. Der Erfolg des Korridors solle nicht allein am Transportvolumen gemessen werden, sondern auch an der wirtschaftlichen Wertschöpfung entlang der Strecke.
EU setzt auf engere Zusammenarbeit mit Türkei und Aserbaidschan
Auch aus Sicht der Europäischen Union bleibt die Türkei ein zentraler Partner beim Ausbau der Route. Marta Kos verwies auf die Bedeutung der Verbindungen über Nachitschewan sowie auf die enge Abstimmung mit Aserbaidschan und der Türkei.
Die EU sei bereit, die Eröffnung von zwei zusätzlichen Grenzübergängen zur Türkei sowie eines weiteren Übergangs nach Aserbaidschan zu unterstützen. Diese Maßnahmen seien entscheidend, um künftig steigende Handelsströme effizient bewältigen zu können.
Mit der neuen Plattform unterstreicht die EU ihren Anspruch, alternative Handelsrouten zwischen Europa und Asien auszubauen und Lieferketten widerstandsfähiger gegen geopolitische und wirtschaftliche Risiken zu machen. Der Mittlere Korridor gilt dabei als eines der wichtigsten Infrastruktur- und Logistikprojekte der kommenden Jahrzehnte.
